Aufgaben, die Quests, sind die Grundlage von "Oblivion". Helden werden in Cyrodiiil immer benötigt. Sei es, um Ratten in einem Keller vor Berglöwen zu schützen, in einem Schiff Geister zu vertreiben oder für fanatische Sammler Artefakte aus Höhlen mit gefährlichen Monstern, Zombies und Skeletten zu holen. Mit der Fackel in der Hand durchkämmt der Held die Unterwelten, die bis zu fünf Stockwerke in die Tiefe reichen. Die Aufgaben ergeben sich im Gespräch mit Passanten oder über die Gilden, Zusammenschlüsse von Rittern, Magiern oder halbkriminellen Organisationen.
Seinen Suchtcharakter bezieht Oblivion aus der "Heldenpflege". Wie im richtigen Leben lernt auch der virtuelle Held durch fleißiges Üben. Wer gern schleicht, kann sich mit der Zeit leiser und schneller fortbewegen als jemand, der seine Anwesenheit wild mit dem Schwert fuchtelnd ankündigt. Meister mit dem Bogen arbeiten weniger effektiv mit der Klinge als reine Schwertkämpfer. Helden mit viel Persönlichkeit erzielen durch Feilschen bessere Preise beim Verkauf ihrer Questen-Beute als Konversationsmuffel. Ab einem bestimmten Lernerfolg steigt der Held eine Stufe auf, quittiert von einem wohlklingenden Ton, der etwas Befriedigendes hat.
Ein von den Entwicklern des Spiels gut gemeinter Kniff konterkariert das Heldengehätschel indes: Die Gegner passen sich der Stärke des Helden an. Die Idee der Spieledesigner: Der Spieler sollte sich gleich zu Beginn in jeden Winkel Cyrodiils wagen können. Immer würde er auf Gegner treffen, die er besiegen kann. Egal, ob er in einem Lederwams steckt oder in einer magischen Edelstahl-Rüstung antritt. Goldstücke in teure Ausrüstungen zu stecken und seinen Charakter hochzupäppel, wird damit spielerisch sinnlos. Man gewinnt so oder so.
Wer jedoch derart sachlich an das Spiel geht und stur der Hauptgeschichte folgt, verpasst das Beste. Etwa die Gattin, die ihren Mann vermisst, einen Maler. Er ist in einem seiner Bilder gefangen. Zur Rettung eilend folgt der Held ins Bild und findet sich in einer Aquarelllandschaft wieder, in der er gegen mit groben Strichen gemalte Trolle kämpfen muss. Wer Großmeister in den Gladiatorenkämpfen der Kaiserstadt wird, bekommt einen eigenen Fan. Nachteil: Der weicht einem nicht mehr von der Seite. Wer sich mit Vampiren einlässt, wird selbst einer und kann fortan das Land nur noch nachts bereisen. Oblivion wartet mit einigen dieser kleinen Augenzwinkereien auf - und mit einigen Ärgernissen.

Das Kampfsystem ist einfach: Ein Klick auf die linke Maustaste löst einen Schlag auf den Gegner - oder die Gegnerin - aus© Bethesda Softworks/2K Games
Die deutsche Übersetzung der Dialoge ist an sehr vielen Stellen fehlerhaft. Satzteile sind noch in englischer Sprache, stellenweise wurde gar nicht übersetzt. Zu lange Texte laufen bis zur Unleserlichkeit ineinander, Namen von Gegenständen werden bis zur Unverständlichkeit abgekürzt. Gegner bleiben an Bäumen hängen, kleine Treppenstufen können nur springend bewältigt werden, und einige Aufgaben lassen sich nicht beenden.
Zwei Dinge benötigt der Oblivion-Spieler: Sehr, sehr viel Zeit und einen pfeilschnellen PC. Für die volle Grafikpracht mit dynamischen Lichteffekten, Schatten und allen Details sollte es die Vier-Gigahertz-Klasse sein, gepaart mit der neuesten Grafikarte von ATI oder Nvidia, am besten gleich zwei davon im Verbund. Günstiger dürfte fahren, wer sich eine XBox-360 zulegt und zur Konsolenversion von "Oblivion" greift.
| "The Elder Scrolls IV: Oblivion" | |
|---|---|
| Hersteller | Bethesda Softworks/2K Games |
| Genre | Rollenspiel |
| Plattform | PC, Xbox 360 |
| Preis | 42 Euro (PC), 52 Euro (Xbox 360) |
| Altersfreigabe | ab 12 Jahren |