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Warum Steve Jobs den Mac hasste

Vor 25 Jahren kam der Macintosh von Apple auf die Welt und änderte unser Bild von Computern für immer. So leicht er zu bedienen war, so schwer war jedoch seine Geburt. Denn der Mac hat zwei Väter, die sich nicht grün waren. Einer der beiden ist Steve Jobs, der andere blieb fast unbekannt.

Von Ralf Sander

Personal Computer gibt es seit Anfang der 70er Jahre. Aber wirklich persönlich wurden sie aber erst 1984. Um genau zu sein: am 24. Januar 1984. Damals waren Computer noch fest in den Händen von Programmierern und Ingenieuren und taten vor allem eines: rechnen. Dann brachte Apple mit dem Macintosh einen Rechner auf den Markt, der der Gegenentwurf all dessen war. Kreativität statt Zahlenfressen, lautete das Motto.

Warum der Mac anders war

  • Jeder konnte den Mac bedienen. Seine grafische, selbst erklärende Benutzeroberfläche und ein kleines Zeigegerät namens Maus machte ihn benutzbar für jedermann. Plötzlich kam ein Computer heraus aus den Kellern von Codeschreibern, die ihre Maschinen mit eingetippten Kommandos steuerten.
  • Nicht jeder kann programmieren. Aber schreiben und malen. Statt Tools zum Erstellen von Programmcode brachte der Mac eine Textverarbeitung und ein Malprogramm mit. Als wenig später auch noch die erste Tabellenkalkulation ("VisiCalc") auf den Markt kam, wurde diese schnell zur Hauptverkaufsargument.
  • Der Mac war irgendwie – niedlich. Er machte keine Angst. Der kleine Würfel saß munter auf dem Schreibtisch und nahm dort nicht allzu viel Platz ein. Und wenn man ihn anschaltete, lächelte von dem kleinen Bildschirm ein noch kleinerer grinsender Macintosh.
  • Der Mac war albern. Während die anderen PCs ungerührt den Bildschirm mit für Laien unverständlichen Texten fluteten, konnte der Mac Bilder zeigen, Musik machen – und sogar sprechen. Natürlich nur in einem Rahmen, der heutzutage eher lächerlich erscheint: Die Grafik war schwarz-weiß, der Sound eher dünn, und die Sprachausgabe hatte die Qualität eines Dosentelefons bei Sturm. Aber immerhin, es gab diese Möglichkeiten.
  • Der Mac war erschwinglich. Für 2500 US-Dollar konnten sich auch Privatpersonen und kleine Firmen den Kleinen leisten.

Die Szene zeigte kaum Verständnis

Als der Macintosh mit diesen Eigenschaften auftauchte, kam Freude auf - bei denjenigen, die bisher Berührungsängste gegenüber Computern hatten. Viele in der etablierten IT-Szene nahmen den grinsenden Rechner aber nicht ernst . Ein Spielzeug ist das, meinten sie. Und dafür doch recht teuer.

25 Jahre später werden auch die Kritiker von damals zugeben müssen: All das, was den Mac damals so einzigartig machte, gehört heute zum Pflichtprogramm eines jeden Personal Computers. Auch Microsoft holte sich für sein Betriebssystem Windows jede Menge Inspirationen beim Mac. Und so konnte Apples Co-Gründer Steve Wozniak ungestraft in einem Interview behaupten: "Eigentlich ist jeder Computer auf der Welt ein Macintosh."

Leichte Bedienbarkeit - schwere Geburt

Dass es so weit kommen würde, erscheint im Rückblick allerdings wie ein kleines Wunder. Dass die Welt bereit sein würde für den Macintosh, war auch bei Apple alles andere als Konsens. Und wie Owen Linzmayer - Apple-Kenner und Autor verschiedener Bücher über den Konzern - zu berichten weiß, war auch Steve Jobs zunächst überhaupt kein großer Fan des Computers. Dabei ist der zweite Apple-Mitgründer für die Öffentlichkeit praktisch untrennbar mit der Entwicklung des Mac verknüpft. Der wahre Vater des Mac sei, so Linzmayer in seinem Buch "Apple, streng vertraulich!", jemand anderes: Jef Raskin. Und dann war da noch Lisa.

Doch Lisa war nicht aus Fleisch und Blut, sondern auch ein Apple-Computer. Die Mutter des Mac, sozusagen. Die grafische Benutzeroberfläche und die Maussteuerung feierten ihr Debüt nicht im Macintosh, sondern eben in Lisa. Apple hatte die Grundlagen für dieses Interface aus der Ideenschmiede von Xerox Parc übernommen und in einen 10.000-Dollar-Computer eingebaut - den 1983 zu diesem Preis niemand kaufen wollte. So hatte die spätere Mac-Oberfläche einen denkbar schlechten Start.

Schon 1979 hatte Raskin, der bisher bei Apple an Computer-Handbüchern gearbeitet hatte, die Aufgabe bekommen, eine kostengünstige Spielekonsole ("Annie") zu entwickeln. Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber "kostengünstig" klang gar nicht schlecht. Denn Raskin schleppte in Gedanken schon länger das Konzept eines Computers für "den Mann auf der Straße" mit sich herum. "Ich nannte es Macintosh [nach seiner Lieblingsapfelsorte McIntosh, d. Red.]. Das Tollste daran war, dass der Computer aus einer menschliche Perspektive designt werden sollte", sagte Raskin gegenüber Linzmayer. Der Apple-Vorstand ließ Raskin gewähren, er durfte an seinem Mac-Traum herumentwickeln, allerdings ohne viele Ressourcen zur Verfügung zu haben. Zudem hatte Raskins Projekt einen mächtigen Gegner: Steve Jobs. Raskin erinnert sich: "Jobs hasste die Idee. Er rannte durch die Gegend und rief 'Nein! Nein! Das wird nie funktionieren'".

Der Kampf der Egos

Seine Tiraden gegen den Macintosh hielten Jobs aber nicht davon ab, sich einige Zeit später in eben diesem Projekt einzumischen. Denn gerade hatte man ihm die Leitung des gefloppten Lisa-Projekts entzogen. Jobs wurde Chef der Mac-Hardware-Entwicklung, während Raskin sich um die Software kümmerte. Unter Jobs' Leitung entwickelte sich der Mac äußerlich zu einer Art schlanken Lisa. Derselbe Prozessor, dieselbe Maus, ein ähnlicher, etwas kleinerer Monitor (9 Zoll statt 12 Zoll) und ein Gehäuse, das aussah, als hätte man einfach die Hälfte der recht breit gebauten Lisa abgeschnitten. Über diese und andere Design-Entscheidungen kam es ständig zum Streit zwischen Raskin und dem Apple-Mitgründer. Als Jobs dann auch noch die Leitung der Software-Entwicklung für den Mac an sich riss, gab es für Raskin nur einen Ausweg - der geradewegs aus den Gebäuden von Apple hinausführte. Das war 1982. Zwei Jahre später präsentierte Jobs "sein Baby". Das eigentlich das Baby zweier Väter war.

"Um Missverständnissen vorzubeugen", so Linzmeyer in seinem Buch: "Jobs spielte eine unverzichtbare Rolle bei der Gründung von Apple und der Entwicklung des Mac."

Jobs ist inzwischen die unangefochtene Nummer eins bei Apple und hat das Unternehmen zu nie gesehener Blüte geführt. Und an seiner Kreativität hat nach iPod und iPhone niemand einen Zweifel, daran ändert auch die eher unrühmliche Episode aus der Frühzeit des Macintosh nichts.

Jef Raskin arbeitete nach seinem Ausstieg bei Apple weiter als Programmierer und Hardware-Entwickler und schrieb ein in der Szene viel beachtetes Buch über die Gestaltung von Eingabesystemen: "The Human Interface". Ein Erfolg, der mit dem Jobs vergleichbar wäre, war ihm nie beschieden. Raskin starb 2005 im Alter von 61 Jahren an Krebs.

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