Warum Steve Jobs den Mac hasste

22. Januar 2009, 10:17 Uhr

Vor 25 Jahren kam der Macintosh von Apple auf die Welt und änderte unser Bild von Computern für immer. So leicht er zu bedienen war, so schwer war jedoch seine Geburt. Denn der Mac hat zwei Väter, die sich nicht grün waren. Einer der beiden ist Steve Jobs, der andere blieb fast unbekannt. Von Ralf Sander

0 Bewertungen
Apple, Macintosh, Steve Jobs, Jubiläum, 25 Jahre

Der Ur-Mac von 1984©

Personal Computer gibt es seit Anfang der 70er Jahre. Aber wirklich persönlich wurden sie aber erst 1984. Um genau zu sein: am 24. Januar 1984. Damals waren Computer noch fest in den Händen von Programmierern und Ingenieuren und taten vor allem eines: rechnen. Dann brachte Apple mit dem Macintosh einen Rechner auf den Markt, der der Gegenentwurf all dessen war. Kreativität statt Zahlenfressen, lautete das Motto.

Warum der Mac anders war

  • Jeder konnte den Mac bedienen. Seine grafische, selbst erklärende Benutzeroberfläche und ein kleines Zeigegerät namens Maus machte ihn benutzbar für jedermann. Plötzlich kam ein Computer heraus aus den Kellern von Codeschreibern, die ihre Maschinen mit eingetippten Kommandos steuerten.
  • Nicht jeder kann programmieren. Aber schreiben und malen. Statt Tools zum Erstellen von Programmcode brachte der Mac eine Textverarbeitung und ein Malprogramm mit. Als wenig später auch noch die erste Tabellenkalkulation ("VisiCalc") auf den Markt kam, wurde diese schnell zur Hauptverkaufsargument.
  • Der Mac war irgendwie – niedlich. Er machte keine Angst. Der kleine Würfel saß munter auf dem Schreibtisch und nahm dort nicht allzu viel Platz ein. Und wenn man ihn anschaltete, lächelte von dem kleinen Bildschirm ein noch kleinerer grinsender Macintosh.
  • Der Mac war albern. Während die anderen PCs ungerührt den Bildschirm mit für Laien unverständlichen Texten fluteten, konnte der Mac Bilder zeigen, Musik machen – und sogar sprechen. Natürlich nur in einem Rahmen, der heutzutage eher lächerlich erscheint: Die Grafik war schwarz-weiß, der Sound eher dünn, und die Sprachausgabe hatte die Qualität eines Dosentelefons bei Sturm. Aber immerhin, es gab diese Möglichkeiten.
  • Der Mac war erschwinglich. Für 2500 US-Dollar konnten sich auch Privatpersonen und kleine Firmen den Kleinen leisten.
Apple, Macintosh, Steve Jobs, Jubiläum, 25 Jahre

Apple entstand in einer Garage, wo Steve Jobs (hinten) und Steve Wozniak anfangs noch selbst schraubten©

Die Szene zeigte kaum Verständnis

Als der Macintosh mit diesen Eigenschaften auftauchte, kam Freude auf - bei denjenigen, die bisher Berührungsängste gegenüber Computern hatten. Viele in der etablierten IT-Szene nahmen den grinsenden Rechner aber nicht ernst . Ein Spielzeug ist das, meinten sie. Und dafür doch recht teuer.

25 Jahre später werden auch die Kritiker von damals zugeben müssen: All das, was den Mac damals so einzigartig machte, gehört heute zum Pflichtprogramm eines jeden Personal Computers. Auch Microsoft holte sich für sein Betriebssystem Windows jede Menge Inspirationen beim Mac. Und so konnte Apples Co-Gründer Steve Wozniak ungestraft in einem Interview behaupten: "Eigentlich ist jeder Computer auf der Welt ein Macintosh."

Leichte Bedienbarkeit - schwere Geburt

Dass es so weit kommen würde, erscheint im Rückblick allerdings wie ein kleines Wunder. Dass die Welt bereit sein würde für den Macintosh, war auch bei Apple alles andere als Konsens. Und wie Owen Linzmayer - Apple-Kenner und Autor verschiedener Bücher über den Konzern - zu berichten weiß, war auch Steve Jobs zunächst überhaupt kein großer Fan des Computers. Dabei ist der zweite Apple-Mitgründer für die Öffentlichkeit praktisch untrennbar mit der Entwicklung des Mac verknüpft. Der wahre Vater des Mac sei, so Linzmayer in seinem Buch "Apple, streng vertraulich!", jemand anderes: Jef Raskin. Und dann war da noch Lisa.

Apple, Macintosh, Steve Jobs, Jubiläum, 25 Jahre

Glücklose Mac-Mutti: "Lisa"©

Doch Lisa war nicht aus Fleisch und Blut, sondern auch ein Apple-Computer. Die Mutter des Mac, sozusagen. Die grafische Benutzeroberfläche und die Maussteuerung feierten ihr Debüt nicht im Macintosh, sondern eben in Lisa. Apple hatte die Grundlagen für dieses Interface aus der Ideenschmiede von Xerox Parc übernommen und in einen 10.000-Dollar-Computer eingebaut - den 1983 zu diesem Preis niemand kaufen wollte. So hatte die spätere Mac-Oberfläche einen denkbar schlechten Start.

Schon 1979 hatte Raskin, der bisher bei Apple an Computer-Handbüchern gearbeitet hatte, die Aufgabe bekommen, eine kostengünstige Spielekonsole ("Annie") zu entwickeln. Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber "kostengünstig" klang gar nicht schlecht. Denn Raskin schleppte in Gedanken schon länger das Konzept eines Computers für "den Mann auf der Straße" mit sich herum. "Ich nannte es Macintosh [nach seiner Lieblingsapfelsorte McIntosh, d. Red.]. Das Tollste daran war, dass der Computer aus einer menschliche Perspektive designt werden sollte", sagte Raskin gegenüber Linzmayer. Der Apple-Vorstand ließ Raskin gewähren, er durfte an seinem Mac-Traum herumentwickeln, allerdings ohne viele Ressourcen zur Verfügung zu haben. Zudem hatte Raskins Projekt einen mächtigen Gegner: Steve Jobs. Raskin erinnert sich: "Jobs hasste die Idee. Er rannte durch die Gegend und rief 'Nein! Nein! Das wird nie funktionieren'".

Der Kampf der Egos

Seine Tiraden gegen den Macintosh hielten Jobs aber nicht davon ab, sich einige Zeit später in eben diesem Projekt einzumischen. Denn gerade hatte man ihm die Leitung des gefloppten Lisa-Projekts entzogen. Jobs wurde Chef der Mac-Hardware-Entwicklung, während Raskin sich um die Software kümmerte. Unter Jobs' Leitung entwickelte sich der Mac äußerlich zu einer Art schlanken Lisa. Derselbe Prozessor, dieselbe Maus, ein ähnlicher, etwas kleinerer Monitor (9 Zoll statt 12 Zoll) und ein Gehäuse, das aussah, als hätte man einfach die Hälfte der recht breit gebauten Lisa abgeschnitten. Über diese und andere Design-Entscheidungen kam es ständig zum Streit zwischen Raskin und dem Apple-Mitgründer. Als Jobs dann auch noch die Leitung der Software-Entwicklung für den Mac an sich riss, gab es für Raskin nur einen Ausweg - der geradewegs aus den Gebäuden von Apple hinausführte. Das war 1982. Zwei Jahre später präsentierte Jobs "sein Baby". Das eigentlich das Baby zweier Väter war.

"Um Missverständnissen vorzubeugen", so Linzmeyer in seinem Buch: "Jobs spielte eine unverzichtbare Rolle bei der Gründung von Apple und der Entwicklung des Mac."

Apple, Macintosh, Steve Jobs, Jubiläum, 25 Jahre

Jef Raskin im Jahr 1999, mit einem Modell des von ihm entwickelten Schreibsystems Canon Cat©

Jobs ist inzwischen die unangefochtene Nummer eins bei Apple und hat das Unternehmen zu nie gesehener Blüte geführt. Und an seiner Kreativität hat nach iPod und iPhone niemand einen Zweifel, daran ändert auch die eher unrühmliche Episode aus der Frühzeit des Macintosh nichts.

Jef Raskin arbeitete nach seinem Ausstieg bei Apple weiter als Programmierer und Hardware-Entwickler und schrieb ein in der Szene viel beachtetes Buch über die Gestaltung von Eingabesystemen: "The Human Interface". Ein Erfolg, der mit dem Jobs vergleichbar wäre, war ihm nie beschieden. Raskin starb 2005 im Alter von 61 Jahren an Krebs.

Lesetipp

Lesetipp "Apple, streng vertraulich!" von Owen W. Linzmayer; Englischer Titel: "Apple Confidential 2.0"; Midas Management Verlag; 316 Seiten; 29,80 Euro

 
 
MEHR ZUM THEMA
KOMMENTARE (10 von 10)
 
music-anderson (22.01.2009, 18:27 Uhr)
@Roman Ticker/Die Maus
Richtig ist, das Xerox eine 3 Tasten Maus hatte, diese aber leider nicht auf den Markt bringen wollte. Eher belächelte man diese Erfindung.
Erst Apple machte daraus die 1 Tasten Maus, und erst dann, wurde die Maus zum Werkzeug, für jeden Computer Freak.
Heute ist sie nicht mehr wegzudenken oder doch ? Das von Apple vorgestellte Multitouch wie zb beim iPhone, könnte hier einen neuen Weg einschlagen.
music-anderson (22.01.2009, 18:23 Uhr)
LIEBE REDAKTION
Der erste Macintosh war der Apple 1, und mit dem Apple 2, war Apple damals Marktführer, bis Microsoft seine Software Lizensieren lies.
Der eigentliche Erfinder des Mac s ist Steve Wozniak
http://de.wikipedia.org/wiki/Steve_Wozniak
Apple Computer Modelle:
http://www.apple-history.com/
Raskin, war für den kleinen Macintosh verantwortlich.
Die Spielkonsole hies nicht Anna (Lach), das war Pipin !!!!!
Ich hoffe geholfen zu haben
music-anderson (22.01.2009, 18:11 Uhr)
@RomanTicker
HI !
XEROX hat Apple selbst eingeladen, und Apple sogar gebeten, das von Xerox entwickelte GUI auf den Mac zu Portieren.
Im Gegenzug, bekam Xerox anteilige Aktien von Apple.
So etwas ist dann leider kein Diebstahl, sondern ein DEAL with Feel
Macadelic (22.01.2009, 15:06 Uhr)
Wobei es damals bei Apple ...
... zwei Entwicklungs-Teams gleichzeitig gab, das Apple-Team, zuständig für die Apple II Reihe und das Macintosh-Team, zuständig für Lisa und den ersten Macintosh 128k. Unter Jobs wurde das "Apple-Team" dann eingestampft.
http://blog.macadelic.de
damani-dancer (22.01.2009, 14:03 Uhr)
könnt ihr lesen?
da war die rede vom ersten personal Computer und nicht allgemein Computer!
RomanTicker (22.01.2009, 13:29 Uhr)
Falsch
Weder die grafische Benutzeroberfläche noch die Maus ist eine Erfindung von Apple.
Der Xerox Alto hatte bereits 1973 diese Eigenschaften. Der später erschienene Mac war halt nur erfolgreicher. Apple und deren Gründer brüsten sich anscheinend gerne mit Leistungen anderer. Dabei wäre es durchaus nicht zu verachten zu sagen: "Wir haben es zwar nicht erfunden, aber ansprechend designed."
Das Konzept des Computers ist noch einige Jahrzehnte älter.
provocateur (22.01.2009, 13:18 Uhr)
Computerliebe...
Computer lösen Probleme die man sonst nicht hätte.
STR_EDDS (22.01.2009, 13:12 Uhr)
Amiga
Ich hatte damals (85) einen Amiga 1000 inkl. Sidecar. Der war intuitiver, lief bei weitem stabiler und hatte definitiv das bessere User-Interface. Leider eben auch ein besch... Marketing.
ganzbaf (22.01.2009, 11:34 Uhr)
Ah, Zuse hatte auch schon...

eine (dressierte?) Maus?
;-ß
gormiti (22.01.2009, 10:53 Uhr)
Boah Angeber
Eigentlich ist jeder Computer dieser Welt ein Z1 von Konrad Zuse?
Vergleichsrechner
Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Unser kostenloser DSL-Vergleich zeigt Ihnen die DSL-Tarife, die am besten zu Ihnen passen. Zum Tarifvergleich
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity


 
 
stern - jetzt im Handel
stern (17/2014)
Der Schicksalsflug