Und der große Roll-out steht erst bevor. Seit dem 9. September rüstet Apple auch den marktbeherrschenden iPod Nano mit der Kamera aus, beim teuersten Modell, dem iPod Touch, ist das nur noch eine Frage der Zeit. Gemessen an den bisherigen Verkaufszahlen der iPods fluten damit demnächst etwa 40 Millionen zusätzliche Kameras jährlich auf den Markt - was Apple auf einen Schlag zu einem der größten Digitalkamerahersteller der Welt macht.
Zum Vergleich: Der Gesamtabsatz lag 2008 bei rund 100 Millionen Stück. Keine angenehme Vorstellung für Hersteller wie Sony, Olympus oder Marktführer Canon. "Die zittern vor Angst", sagt Michael Arrington, Gründer des einflussreichen Blogs Techcrunch. Grund zu zittern hätten auch Microsoft und Nintendo. Denn mit dem iPod Touch und dem iPhone hackt Jobs ganz nebenbei den Markt für Spielkonsolen.
Schon heute macht Apple mit Spielen, die aus dem hauseigenen Internetshop App Store heruntergeladen werden, bis zu 200 Millionen Dollar Umsatz pro Jahr, schätzt die Investmentbank Wedbush Morgan Securities. Kommendes Jahr dürften es 300 Millionen Dollar sein. "Die Verkäufe von Spielen für den iPod Touch schneiden bereits in den Markt für tragbare Geräte ein, insbesondere im unteren Preisbereich", sagt Wedbush-Analyst Michael Pachter.
Zwar verkauft Marktführer Nintendo nach wie vor etwa zehnmal so viel Spielesoftware wie Apple. Doch Pachter ist sich sicher, dass der iPod Touch auf Dauer zum ernsthaften Gegner für Nintendos DS-Familie sowie für Sonys tragbare Konsolen wird.
Auf Dauer wird sich Apple wohl kaum mit ein paar Daddelspielen fürs Mobiltelefon begnügen. Das Geschäft mit dem Spieltrieb der überwiegend jugendlichen Kundschaft ist gigantisch: In den USA wanderten im vergangenen Jahr Geräte im Wert von mehr als 8 Millarden Dollar über die Ladentische, allein die Xbox verkaufte sich seit ihrer Einführung 2005 mehr als 30 Millionen Mal.
Eine Spielkonsole mit Apfellogo wäre also ein logischer Schritt, glaubt Pachter. In drei, vier Jahren vielleicht, möglicherweise integriert in die bislang ziemlich erfolglose Fernsehbox Apple TV. Andere Experten und Apple-Anbeter träumen bereits von einer Art Mac-Wohnzimmer mit internetfähigem Apple-Fernseher inklusive digitalem Videorekorder sowie eingebauter Spielkonsole und iTunes-Hi-Fi-Anlage.
Gene Munster, Analyst von Piper Jaffray, ist einer dieser Enthusiasten. Dass der Markt für Fernseher und Unterhaltungselektronik seit Jahren margenschwach dahinsiecht, lässt er als Einwand nicht gelten. "Ja, TV-Hardware ist ein problematisches Geschäft - aber nur wenn die Spielregeln so bleiben", schrieb er kürzlich in einem Bericht. Mit leistungsfähiger Hardware, bedienungsfreundlicher Software und perfektem Design habe Apple die Chance, direkt ins Premiumsegment einzusteigen, prophezeit Munster. Da tummelt sich unter anderem der deutsche Hersteller Loewe. Also Netbook und Kameras? Oder vielleicht doch eher die Spielkonsole als Vorstufe zum Hightech-Fernseher? Oder gleich alles zusammen?
Die Apple-Gemeinde traut Steve Jobs so ziemlich alles zu. Dass der Konzern mit dem Newton oder dem Macintosh TV - Apples erstem Versuch, PC und Fernseher zu integrieren - veritable technologische Flops landete, blendet sie gern aus. Die größte Attraktion ist ohnehin der 54-jährige Konzernchef selbst. Bei seinem ersten Auftritt nach einer Lebertransplantation feierten ihn die Fans mit stehenden Ovationen. Meldungen über Jobs‘ Gesundheitszustand bewegen die Apple-Aktie seit Jahren mehr als mancher Geschäftsbericht. An diesem Tag fiel der Kurs: Dünn und ausgemergelt sah Jobs aus, doch an Ausstrahlung hatte er nicht verloren. "Ich fühle mich großartig", sagte er. Zu seinen weiteren Plänen sagte er nichts. Nur so viel: "Sehr viel Eiscreme essen."