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7. Dezember 2006, 10:15 Uhr

Das denken Sie über Videospiele!

Die Gesellschaft neigt schnell dazu eine einfach Problemlösung anzustreben. Die Verwendung von Online-Egoshootern ist nicht das Hauptproblem dieser Jugendlichen. Ein Verbot von Egoshooter wird auch nicht die heutige Jugend verändern. Ein Kind bzw. ein Jugendlicher welcher nicht mit seiner Gesellschaft sowie mit seiner Zukunftsperspektive zurecht kommt, muss durch die Gesellschaft getragen und unterstützt werden. Die Eltern, die Lehrer sowie die unmittelbaren Nachbarn müssen erkennen, in welcher Lage sich diese Person befindet. Ich denke diese Egoshooter können nur die Neigung in eine Richtung fokusieren, jedoch sollte nicht durch die Presse der Computer als Hauptproblem dargestellt werden.
Robert Kaluza

Hallo! Ich bin 34 Jahre alt und ein Massenmörder. Zumindest wenn ich den momentanen Berichten über Counter Strike glauben schenken darf. Natürlich finde ich auch, das der Amklauf in Emsdetten eine Schreckenstat war. Und ich verstehe auch den Wunsch und das Bedürfnis einen Schuldigen dafür benennen zu können. Doch wenn wir ehrlich wären, dann müssten wir alle zugeben, das es in diesem Fall nicht nur um die Suche nach einem Schuldigen geht, sondern auch um das Verdrängen der eigenen Mitschuld. In einer Zeit, in der die eigene Leistung keinen Wert mehr genießt, sondern nur noch die Statussymbole, die wir uns dadurch haben leisten können, werden Menschen, die diese nicht aufweisen können, schnell zu Aussenseitern. Hinzu kommt noch die Tatsache, das es am einfachsten ist sich besser zu fühlen, indem man sich gedanklich über Menschen stellt, die vermeintlich weniger haben als man selbst. Und werd würde sich dafür nicht besser eignen als Aussenseiter. So werden diese Menschen noch weiter an den sozialen Rand gedrückt. In unserer heutigen sehr Ich bezogenen Gesellschaft in der jeder von uns, vorallem aber auch die Politik, dabei mit hilft soziale Auffangnetze abzubauen, muss es zwangsweise dazu kommen, das Aussenseiter, wie der Amokläufer aus Emsdetten in ein tiefes Emotionales Loch fallen. An diesem geistigen Tiefpunkt war Counter Strike nicht mehr nötig. Er hätte auch, wie ich in meiner Kindheit, Räuber und Gendarm spielen können, oder sich die Folterbeispiele aus den Grimms Märchen zum Vorbild nehmen können. Wir alle haben es vermisst, ihn in die Gesellschaft zurück zu holen, uns um ihn zu kümmern und ihm seinen Wert für uns klar zu machen. Solange wir uns alle nicht an diese soziale Verantwortung erinnern, wird das Verbot eines Spieles nicht viel bringen. Denn sonst wird es nicht mehr sein als eine Hexenjagt.
Martin Gehrke
Duisburg

Meiner Meinung nach ist es viel zu kurz gegriffen, wenn nach einem weiteren Amoklauf in beliebiger Reihenfolge als Ursache immer dieselben Dinge präsentiert werden: Videospiele, bestimmte Musikrichtungen oder in früheren Zeiten auch Comics. Natürlich lässt sich dies populistisch ausschlachten, verschiebt aber den Fokus weg von den eigentlichen Ursachen, sprich der Anleitung der oft jugendlichen Täter in ihrem Leben, welches durch die Eltern und die Schulen geschehen sollte. Das Jugendliche keine Killerspiele spielen sollten, da diese meistens keine Jugendfreigabe erhalten, sollte meiner Meinung nach selbstverständlich sein, nur liegt das Problem, das ganz offensichtlich die entsprechenden Institutionen versagt haben, die den Medienkonsum der Jugendlichen zumindest zeitweise und/oder stichprobenartig kontrollieren, sprich die Eltern. Zu oft wird im Elternhaus vollkommen gleichgültig weg gesehen, wenn das 15-jährige Kind anfängt virtuelle Gegner zu erschiessen. Wo bleibt die inhaltliche Kontrolle und Auseinandersetzung der Eltern mit den Kindern und Jugendlichen an dieser Stelle? Wo die Förderung anderer Interessen, das gemeinsame Erlebniss des Medienkonsums? Das Problem in der Politik liegt darin, dass um obiges zuzugeben, die Politiker auch ihre eigene Schuld in einer gescheiterten Familien- und Jugendpolitik eingestehen müssten. Und sowas darf anscheinend nicht sein, also werden ganz einfach ein paar Schuldige gesucht, die sich selber nicht wehren können um so vom eigenen Versagen abzulenken. Jedem mündigen Bürger müsste das doch auf Anhieb einfallen. Bevor ein Jugendlicher ein sogenanntes Killerspiel spielen kann, haben daher schon etliche Institutionen vorher versagt. Und in diesem Kontext ist der satirisch gemeinte Kommentar "90% aller Amokläufer haben in den letzten 24 Stunden vor dem Amoklauf Brot gegessen, also verbietet Brot" durchaus seine Berechtigung.
Peter Hermanns
Düsseldorf

 
 
 
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