Er ist der Mitgründer von Apple und der zweite "Steve" neben dem Firmenchef Jobs: Steve Wozniak. Im stern.de-Interview spricht "Woz" über das iPhone, die Liebe zu Produkten - und die Bedeutung von Steve Jobs für das Unternehmen.

Steve Wozniak stand immer im Schatten des eher lauten Steve Jobs© David Paul Morris/Getty Images
Apple hat immer mehr als Computer verkauft. Das ist ein Erbe unserer Vergangenheit. Als uns in den Achtzigern IBM überholte im Markt, wurden wir kleiner und kleiner, bis nur ein verschworener Haufen übrig blieb, der Angst hatte, dass die Unternehmen sagen würden: "Nun aber raus mit allen Macintosh-Computern aus unserer Firma." Wir waren also gezwungen, immer noch härter für unsere Leidenschaft zu kämpfen. Alle unsere Produkte mussten die schönsten sein, die man bekommen konnte. Und wenn wir etwas bauten, musste es leichter zu bedienen zu sein als alle anderen Produkte.
Es geht um Kultur. Die Leute bemerken, was wir wollen, wenn sie ein Produkt von Apple benutzen. Es bedeutet vielen Menschen viel, wenn sie sehen, dass uns Menschen wichtiger sind als die Technologie. Die Leute liebten irgendwann den Apple II, ihren Macintosh - und das ist bis heute so. Viele werden Ihnen sagen: Ich liebe diesen Computer einfach, und er ist so schön. Er ist so, wie er sein sollte. Wie ein Freund sein sollte. Über einen PC würden sie niemals so reden, den benutzen sie nur. Das ist ein Teil der Magie, die Apple verkauft...
Natürlich. Viele kreative Leute, Musiker und Künstler, sind "Macintosh-People". Alle Leute, denen ich begegne und mit denen ich befreundet sein könnte, nutzen Macs.
Ich denke, ein Grund dafür, dass Apple das iPhone vorstellt und so großen Zuspruch erntet, ist die Liebe zu unseren Produkten, von der ich gerade gesprochen habe. Der andere ist, dass bei unseren Produkten das menschliche Element im Mittelpunkt steht. Ich habe jedes Smartphone ausprobiert, das es gibt, und das für einige Wochen, nicht nur ein paar Tage oder Stunden - und jedes hat mich enttäuscht: Sie waren nicht so einfach zu benutzen wie mein Computer. Und das iPhone macht vieles wie mein Computer. Ich habe ein paar Probleme mit der Geschwindigkeit des Geräts, aber im Wesentlichen ist es das, was ich will. Man merkt, dass es vom Menschen her gedacht ist. Und das mag ich, und ich mag den Style. Es sieht nicht aus wie ein Telefon. Denn Technik darf nie aussehen wie Technik.
Apple macht im Moment den Fehler, einige recht offensichtliche Softwarefehler und -probleme nicht zu reparieren. Jeder hat sich erst darüber beschwert und dann einen Weg um solche Fehler herum gefunden - so dass inzwischen viele vergessen haben, dass da etwas falsch war. Dinge, die falsch laufen, haben mir aber immer viel bedeutet.
Formal bin ich noch Mitarbeiter bei Apple - weil ich die Person bleiben will, die am längsten dort angestellt ist. Ich war noch nie ganz raus. Und ich sehe Steve zwar nicht jeden Tag, aber ich habe ihm immer Sachen gesagt, die schief laufen.
Er ist entscheidend. Als er wiederkam, hat er die Firma wieder in gute Verfassung gebracht. Man braucht jemanden als Symbol, der für Apple und unsere Produkte steht, der sie mit seiner Person erklärt. Er kann ein Publikum in den Bann ziehen - und er weiß, wie man eine Firma führt. Steve ist ein guter Manager, ein guter Geist und ein guter Denker, was die Zukunft betrifft. Ich denke, als Person wäre er für jede Firma wichtig und in jeder erfolgreich. Für Apple ist er noch dazu eine Art Model: Wir haben so viele Leute bei uns, die inspiriert sind von Aspekten seines Denkens - was viel aussagt über die Unternehmenskultur.
Ich denke, Bill Gates ist nicht so entsch... nicht so ein Model. Bill Gates hat einige technische Arbeiten gemacht ganz am Anfang - ich denke aber nicht, dass er eine so große Rolle spielt und einen so großen Einfluss hat wie Steve Jobs. Er könnte sich zurückziehen, und Microsoft ginge es ausgezeichnet auch ohne ihn.
Apple ohne Steve Jobs? Das wäre ein harter Schlag. Und das ist etwas, mit dem er sich beschäftigen müsste vielleicht.