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6. Juli 2010, 17:44 Uhr

Spionagetechnik aus dem Einkaufszentrum

James Bond und seine Kollegen bräuchten heutzutage keinen Supertechniker Q mehr, um an Informationen zu kommen. Die kürzlich in den USA gefassten russischen Agenten nutzten handelsübliche Technik aus dem Verbrauchermarkt.

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Moderne Agenten nutzen zur Spionage handelsübliche Smartphones und Computer© Jürgen Schwarz/DDP

Wenn James Bond zu einem Einsatz aufbricht, dann schaut er zunächst einmal im Labor von Q vorbei, um sich mit neu konstruierten Geräten wie einer explodierender Uhr auszurüsten. Die jetzt in den USA festgenommenen russischen Agenten nutzten offenbar vor allem handelsübliche elektronische Geräte, wie man sie in jedem Verbrauchermarkt findet.

"Früher hatten sie eine spezielle KGB-Ausrüstung. Jetzt benutzen sie normale Computer, normale Laptops", sagt Sujeet Shenoi, Professor für Computerwissenschaften an der Universität von Tulsa und Berater der US-Bundespolizei FBI. "Die Technik ist inzwischen so leistungsfähig, dass man eine spezielle Ausrüstung gar nicht mehr braucht."

Laut den FBI-Unterlagen, die Grundlage der Haftbefehle gegen die elf Verdächtigen waren, nutzten diese Laptops, verschiedene Speicherkarten und mindestens ein Prepaid-Handy. Zudem sollen sie auch alte Spionagetechniken wie Kurzwellenfunk, unsichtbare Tinte und Verschlüsselung benutzt haben. Kurzwellenfunk war früher durchaus nicht unüblich, würde heute aber wohl sofort den Verdacht des FBIs erregen. Bei Laptops und Handys ist das zwar nicht der Fall. Die Art und Weise, wie die Verdächtigen die Geräte benutzten, lieferte dem FBI, das jahrelang observierte, aber genug Hinweise auf ihre Tätigkeit.

Datenaustausch über Wlan-Verbindung

Ein wichtiger Punkt in der Beweisführung des FBIs ist das "Spy-Lan". Nach Polizeiangaben ging eine der Verdächtigen, Anna Chapman, mittwochs in ein Cafe in Manhattan und schaltete ihren Laptop ein. Kurze Zeit später fuhr dann dort ein Kleinbus vorbei, von dem das FBI wusste, dass er von russischen Diplomaten genutzt wurde.

Für Außenstehende passiert eigentlich gar nichts. Das FBI fand aber heraus, dass Chapmans Rechner so eingerichtet war, dass er über den integrierten WLAN-Chip schnell eine Verbindung zu einem anderen Laptop in dem Kleinbus aufbaute. In der kurzen Zeit, in der die beiden Rechner verbunden waren, wurden dann verschlüsselte Daten ausgetauscht. Das entdeckte das FBI mit ganz normaler Netzwerk-Software, auch hier war nichts aus Qs Labor im Einsatz.

Ein Experte, Glenn Fleishman, der das Blog Wi-Fi Net News betreibt, erklärt, aus technischer Sicht sei das Wlan sehr amateurhaft und einfach abzufangen gewesen. Da hätte es auch andere Techniken wie die Ultra-Breitband-Technologie gegeben, die das FBI nicht hätte abfangen können. Ein anderer Experte, Keith Melton, verweist hingegen darauf, dass die Idee mit der Wlan-Verbindung zwischen den Rechner schon recht clever war, da nichts über das Internet gesendet wurde. Die Verbindung wäre fast unmöglich zu entdecken gewesen, wenn das FBI es nicht geschafft hätte, die Ausrüstung zur Wlan-Analyse zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben.

Falscher Name beim Kauf von Prepaid-Handy angegeben

Melton erklärt, die Technik erinnere an einen Vorläufer der heutigen BlackBerrys, mit denen die CIA in den 70er Jahren Spione in Russland ausgerüstet hatte. So konnten auch diese völlig unauffällig Nachrichten an einen Empfänger schicken. Der Nachteil der Geräte war, dass man, wenn man mit ihnen erwischt wurde, mit der Todesstrafe rechnen musste.

Besonders beliebt bei Spionen und auch Terroristen sind Prepaid-Handys, bei deren Kauf man in den USA bislang keinen Ausweis vorlegen muss. Das soll sich aber bald ändern, im US-Senat liegt schon ein entsprechender Gesetzentwurf. Ein solches Gerät kaufte auch Chapman. Ein verdächtiges Telefonat konnte die Polizei zwar nicht festhalten, ihr Verhalten beim Kauf war aber auffällig. Sofort danach warf sie nämlich die Verpackung und den Kaufvertrag weg. Das FBI stellte diese Dinge sicher und fand heraus, dass sie einen falschen Namen und eine falsche Adresse angegeben hatte.

Alte Ermittlungsmethoden schlagen neue Technik

Eine moderne Variante der klassischen unsichtbaren Tinte ist die digitale Steganographie. Nachrichten werden dabei in anderen Dateien versteckt, zum Beispiel in Liedern oder Bildern. Wer nicht genau weiß, wonach er suchen und welche Verschlüsselung er benutzen muss, wird die versteckten Botschaften wohl nie finden. In drei Wohnungen, die Verdächtigen gehörten, fand das FBI Hinweise auf den Einsatz von Steganographie. Und in einer, die von Richard and Cynthia Murphy genutzt wurde, fanden die Agenten auch ein auf Papier geschriebenes Passwort. Das erlaubte es ihnen, Hunderte Botschaften zwischen den Murphys und Moskau zu entschlüsseln.

Auch wenn das FBI einige seiner Ermittlungserfolge dem Einsatz moderner Technik verdankt, so hing doch viel von althergebrachten und zeitaufwendigen Methoden wie verdeckten Überwachungen und Hausdurchsuchungen ab. Und alle Technik zur Verschleierung von Spuren hilft nichts, wenn das geheime Passwort dann offen auf dem Tisch liegt.

AP
 
 
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