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11. Juli 2009, 08:43 Uhr

Google-Chef war lange dagegen

Google-Boss Eric Schmidt hat sich lange gegen die Entwicklung eines Betriebssystems im eigenen Haus gewehrt. Das sagte er in einem Interview. Inzwischen sei er aber überzeugt. Ziel des von Google angekündigten Chrome OS sei, das Betriebssystem quasi verschwinden zu lassen.

Google, Chrome OS, Betriebssystem, Microsoft

Google-Gründer Page (li.) und CEO Schmidt attackieren Microsoft© Peter Foley/DPA

Googles neues Betriebssystem Chrome OS wird nach Meinung von Google-Chef Eric Schmidt auf Millionen von Computern genutzt werden und hat das Zeug, Microsofts Windows Marktanteile abzunehmen. "Wir haben keine Zahlen, aber wir wissen, es werden Millionen (Computer) sein", sagte Schmidt in einem Interview mit Bloomberg TV. Er erwarte aber, dass Microsoft mit einer veränderten Strategie auf die neue Konkurrenz antworten werde.

Der weltgrößte Suchmaschinen-Anbieter hatte Anfang der Woche das eigene Betriebssystem Chrome OS angekündigt, mit dem das Unternehmen direkt in das Kerngeschäft von Microsoft vordringt. Erste, mit Chrome OS ausgestattete Computer sollen nach Angaben von Google in der zweiten Jahreshälfte 2010 auf den Markt kommen. Er selbst habe sich lange Zeit gegen die Entwicklung ausgesprochen, sagte Schmidt auf einer Konferenz in Sun Valley im US-Bundesstaat Idaho. Abgeschreckt habe ihn damals der "Browser-Krieg", bei dem Microsoft Ende der 90er Jahre den einstigen Marktführer Netscape in einer beispiellosen Kampagne vom Markt gefegt hatte. Am Ende sei er allerdings überzeugt worden.

Pläne seit Google-Gründung

Seit der Gründung des Unternehmens hätten die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin Pläne für ein Betriebssystem verfolgt. Trotz der Einwände von Schmidt hätten die Beiden einige Entwickler aus der Mozilla Foundation eingestellt, die auch an der Entwicklung von Firefox beteiligt waren. Eine erste frühe Version des Browsers Chrome habe ihn schließlich überzeugt. "Sie war so gut, dass sie mich dazu gebracht haben, meine Meinung zu ändern."

Chrome OS sei allerdings mehr ein "Anti-Betriebssystem", das weniger einem herkömmlichen Betriebssystem als einem Browser ähnelt, betonte Google-Mitgründer Larry Page in Sun Valley. Die Computer und Netbooks müssten mit der Software nicht mehr lange hochfahren, sondern könnten nach dem Anschalten augenblicklich genutzt werden. Die Daten auf dem PC sollen über Chrome OS anders als üblich im Internet statt auf der Festplatte gespeichert werden. Ziel sei es, dass das Betriebssystem in gewisser Weise verschwinde. "Wenn Sie ein Telefon nutzen, denken Sie auch nicht an das Betriebssystem."

Anders als Microsofts Windows-Betriebssystem, das einen Marktanteil weltweit von rund 90 Prozent hält, basiert Chrome OS auf dem freien Betriebssystem Linux. Der Quell-Code soll später im spätern Jahresverlauf für die Entwicklergemeinde veröffentlicht werden. Chrome OS soll zunächst auf Mini-Laptops - so genannten Netbooks - eingesetzt werden. Mit den Geräteherstellern Hewlett- Packard, Asus, Acer, Lenovo und Toshiba werden bereits Gespräche über eine Zusammenarbeit geführt. Auch die Chiphersteller Freescale und Qualcomm hat Google mit ins Boot geholt.

"Nicht viele machen Betriebssysteme"

Inwieweit Google mit seinen neuen Plänen Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Googles Browser Chrome hatte es bislang nicht weit aus der Bedeutungslosigkeit geschafft. "Ein Betriebssystem ist ein ziemlich kompliziertes Ding", sagte Sameet Sinha, Analyst bei JMP Securities in San Francisco der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Wir wissen das, denn es gibt nicht besonders viele Leute, die Betriebssysteme machen." Andere Branchenbeobachter sehen aber in der neuen Initiative durchaus das Potenzial, die Karten in dem von Microsoft und dem Chiphersteller Intel dominierten Computer-Markt neu zu mischen.

Für Eric Schmidt könnte das neue Chrome-Betriebssystem allerdings weitere Folgen haben. Schmidt sitzt seit 2006 im Aufsichtsrat von Apple. Wiederholt hatte es deshalb kritische Stimmen gegeben, die einen Interessenskonflikt befürchten. Neben dem Browser-Markt konkurrieren Apple und Google inzwischen auch bei Handys, Apples iPhone tritt hier gegen Smartpones von HTC oder Samsung mit Googles "Android"-Betriebssystem an. Bislang sei das noch kein Problem gewesen, sagte Schmidt dem britischen "Guardian". Es werde aber Gespräche mit Apple geben.

DPA
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
mighty_bender (11.07.2009, 18:21 Uhr)
@DasBertl
Wo die Überlassung der eigenen Daten an Google und die Unsicherheit einer unkontrollierten externen Speicherung ein Schritt in die richtige Richtung sein soll, erschließt sich mir leider nicht...
traldors (11.07.2009, 14:08 Uhr)
Orwell (...)
würde das OS sicher lieben. Auch hier gilt, wer "bRaiN" hat kommt davon, die andere "beissen" die Hunde. So ist das nun einmal auf der Leiter der "Evolution"...
DasBertl (11.07.2009, 11:38 Uhr)
@vlcd
1. Das ChromeOS kommt von Google, Microsoft kündigt da sicherlich nichts an.
2. Cloud Computing, wie sich nennt, was Google da vorschwebt, ist kein neues Konzept, in einigen Bereichen ist es bereits am Marktanteile erobern, besonders in den USA
3. Eben in den USA gibt es Datenleitingen, die wesentlich schneller sind, als das was wir hier haben. Was noch hinzukommt, ist, auch in Deutschland gibt es inzwischen 19,8 Millionen Breitbandanschlüsse. Allerdings ist der Anteil von Anschlüssen über 5Mb/s gerade einmal bei etwas über 5% in Deutschland. Andere Länder sind dort bereits viel weiter, absoluter Spitzenreiter ist Südkorea.
Die Verfügbarkeit wird steigen und in naher Zukunft werden Internetzugänge mit Geschwindigkeit nur bis zu 128Kb/s von Markt verschwinden.
Also ist das Chrome OS keineswegs zum Scheitern verurteilt. Selbst Microsoft arbeitet derzeit an einem ähnlichen Konzept.
Vor allem wird es Zeit, das Betriebssysteme die erst lang geladen werden müssen, vom Markt verschwinden. Es gab Zeiten, da war ein Computer benutzbar, sobald er eingeschaltet war. Und dahin sollten wir wieder zurück kommen. Das derzeitige Konzept, BIOS läd OS muss durch BIOS ist OS ersetzt werden. Dafür muss aber die Updatesicherheit und -möglichkeit von ROMs deutlich verbessert werden. Ebenso deren Kapazität. Dadurch müssten lediglich die Einstellungen nachgeladen werden. Gleichzeitig hätten es Viren, Trojaner und Würmer schwer, Systemdateien zu attackieren (was mit einigem aufwand trotzdem möglich wäre). Dann müsste dann mit einem BackupRom, wie sie heute auf den meisten Mainboards üblich sind, das System wieder zurückgeschrieben werden.
Dennoch: BIOS=OS würde die Sicherheit in den Systemen verbessern und gleichzeitig die Arbeitsgeschwindigkeit erhöhen.
Und Googles Chrome OS ist ein Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn es noch ein weiter Weg bis dahin sein wird...
Sublucem (11.07.2009, 10:10 Uhr)
Konkurrenz ist gut, aber..
... lieber zahle ich für ein Betriebssystem als indirekt über Produkte und Dauerbelästigung für Werbung. Jetzt schon wird in Googlemail Werbung angezeigt, die zum Inhalt der Mails passend ist. Na Prosit.
vlcd (11.07.2009, 09:28 Uhr)
Konzept zum Scheitern?
Eigentlich kann man Chrome OS nicht wirklich als Betriebssystem bezeichnen. Was Microsoft dort ankündigt ist ja letztlich nur ein Linux-System mit Autostart vom Chrome Browser. Auch das zukünftig alles im Internet gespeichert wird ist derzeit absolut undenkbar. Man denke da allein an die vielen Leute die noch immer mit langsamen Internetverbindungen kämpfen müssen. Auch das Datenvolumen wäre für Provider zu groß, Infrastrukturen müssten erweitert werden.
antwone (11.07.2009, 09:11 Uhr)
Die Datenkrake bekommt mehr Arme ...
Schön und Gut das (fast) alles aus dem Hause Google Gratis ist aber dennoch gilt: Umsonst ist es nichts. Die Nutzer sollten sich von dem "Geiz ist Geil" Motto trennen wenn Sie auch in Zukunft eine gewisse Freiheit haben möchten.
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