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Hacken ist nicht alles

Der Chaos Computer Club hat geballte technische Expertise. Er will diese noch stärker nutzen, um auf die Politik Einfluss zu nehmen und den "Internet-Ausdruckern" die digitale Welt zu erklären. Das wird auf der Jahrestagung des Hacker-Vereins deutlich wie nie.

Auch im Jahr 2010 wird beim Chaos Computer Club (CCC) an Platinen gelötet, ein eigenes Handynetz installiert oder die Sicherheit von Kreditkarten auf den Prüfstand gestellt. Doch bei der 27. Auflage des Jahreskongresses wird deutlich wie nie, dass der CCC längst mehr als ein Verein für verspielte Technik-Freaks ist. Die Netzaktivisten wollen Einfluss auf die Politik nehmen - für Datenschutz, gegen Netzsperren oder Vorratsdatenspeicherung.

Schon heute ist der CCC eine anerkannte Instanz in technischen Fragen. Sprecherin Constanze Kurz kämpfte als Sachverständige vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Vorratsdatenspeicherung. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) lobte die Expertise des Clubs, auch wenn diese manchmal in einem "rotzigen Ton" daherkomme.

Andererseits sehen die Hacker das völlig freie und offene Netz, wie sie es liebgewonnen haben, immer mehr bedroht: durch staatliche Regulierung wie auch Unternehmen, die beispielsweise Urheberrechts- Verstöße verfolgen wollen.

Problem: "altes Medienverständnis"

Alvar Freude klagte, das Internet werde aus einem "alten Medienverständnis" heraus reguliert. Das Netz sei kein Rundfunk, jeder Nutzer habe die Kontrolle darüber, welche Information ihn wann und wie erreiche. "Deswegen lieben wir doch alle das Internet!", rief das Mitglied des Arbeitskreises Zensur und der Internet-Enquete des Bundestages.

Einschränkungen der Internetfreiheit wie durch den jüngst gescheiterten Jugendmedienschutz-Staatsvertrag oder Netzsperren lehnt er ab - eine unter Hackern verbreitete Position, mit der mancher Politiker so seine Probleme haben dürfte.

Der niederländische Hacker Rop Gonggrijp sieht gar einen "Krieg um die Privatsphäre", wenn es um Vorratsdatenspeicherung oder die Online-Durchsuchung von Computern geht: "Der Kampf geht weiter, wir haben ihn noch nicht verloren", sagte er in seiner - natürlich kämpferischen - Eröffnungsrede. Das sei in Deutschland aber allein dem Verfassungsgericht zu verdanken.

"Wir brauchen mehr Netz-Lobbyisten"

Alvar Freude sagte, es bringe nichts, auf die "Internet- Ausdrucker-und-wieder-Einscanner" zu schimpfen - eine Steigerung des beliebten Schimpfworts für Politiker, denen die Netzgemeinde wenig Ahnung vom Internet unterstellt. Die Aktiven müssten mehr für ihre Anliegen in der Politik kämpfen und dabei technisch komplexe Themen erklären. "Wir brauchen mehr Netz-Lobbyisten", sagte der Aktivist.

Auch andere Gruppen betrieben "massives Lobbying" - als Beispiel nannte Freude die Musikindustrie. Man muss wissen: Gerade die großen Labels gelten den Hackern als natürlicher Gegner. Freude träumt von einer Art "ADAC der Internetnutzer", also einer mächtigen und gut finanzierten Organisation.

Wo sind die Grenzen?

Zumindest die Redner auf den Podien sehen allerdings Grenzen im Engagement. Der Niederländer Gonggrijp forderte die Hacker dazu auf, sich nicht an Angriffen auf Unternehmen wie Mastercard oder Amazon zu beteiligen, die der Enthüllungsplattform Wikileaks die Kooperation aufgekündigt haben. Das sei eine "Sache der Reife", so der Aktivist, der in der Szene unter anderem für seinen Einsatz gegen Wahlmaschinen bekannt ist.

Ob das jeder der 3000 bis 4000 Kongressbesucher so sieht? Auf dem vergangenen Kongress hatten einige Hacker Web-Plattformen geknackt, die vor allem von der rechten Szene frequentiert werden. Der Verein äußerte sich dazu nie öffentlich.

Raus aus der Nische, rein in die Politik oder zumindest die Mitte der Gesellschaft - das steckt auch hinter dem Versuch der Aktivisten, nicht mehr als "Netzgemeinschaft" bezeichnet zu werden. "Das Wort dient dazu, uns abzuwerten", sagte CCC-Mitglied Martin Haase, der sich mit den Metaphern fürs Internet und seine Nutzer beschäftigt. Es suggeriere, dass die Internetnutzer eine verschworene Gemeinschaft seien. "Es sagt doch auch niemand: die Telefon-Community."

Christof Kerkmann, DPA/DPA
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