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23. Juli 2005, 08:05 Uhr

Eine gute Freundin wird 20

Reihenweise klappten die Kinnladen nach unten, als der Commodore Amiga 1985 mit bis dahin bei Heimcomputern unvorstellbaren Fähigkeiten erschien. Hergestellt wird er lange nicht mehr, doch eine kleine Szene hält sein Andenken wach.

Der Erste seiner Art: ein Amiga 1000. Erahnen lässt sich auf dem Bild die Benutzeroberfläche des legendären Amiga OS© Ralf Sander

Kaum hatte der Kleincomputer C64 weltweit Büros und Kinderzimmer erobert, da stellte Commodore mit dem Amiga 1000 schon die nächste Heimcomputer-Generation vor. "Das war nicht nur der Sprung vom Käfer zum Golf - sondern gleich zum schnellen BMW", vergleicht Computerhistoriker Stephan Slabihoud vom "8Bit-Museum.de" den Leistungszuwachs. Am 23. Juli 1985 feierte das Gerät Weltpremiere in New York.

"Anstelle des betagten 8-Bit-Microprozessors 6510 im C64 arbeitete ein schneller 16-Bit-Prozessor des Typs Motorola 68000 als technisches Herz im Amiga", beschreibt Slabihoud den technischen Fortschritt. Der Computer bot zahlreiche neue Möglichkeiten bei Bildbearbeitung und Animation. Das Gerät konnte 4096 Farben darstellen und bot vierstimmigen Digitalsound. "Es war ein richtiger Technologiesprung und der Durchbruch für grafische Animation", sagt Dusan Zivadinovic von der Fachzeitschrift "c't".

Im Brotkasten-Design kam der Amiga 500© www.abc80.net

Mit seinen Grafik- und Tonfähigkeiten übertrumpfte der Amiga den C64 und vor allem zahlreiche PCs. Diese waren Ende der 80er Jahre meist noch reine Bürocomputer für Textverarbeitung oder Abrechnung. Die Animation beschränkte sich auf das Blinken des Cursors. Einzige Geräuschquelle zusätzlich zum Summen des Lüfters war ein nervtötender Piepston bei Programmfehlern und Abstürzen.

Grafisch neue Dimensionen

Auch bei der Textverarbeitung war der Amiga diversen Konkurrenzprodukten seiner Epoche weit voraus: Zu einer Zeit, als monochrome Monitore Standard waren und Textprogramme ihre Benutzer mit ellenlangen Steuerzeichen und Sonderbefehlen verwirrten, bot der Amiga schon eine grafische Darstellung des gesamten Dokumentes. Damit zeigte der Bildschirm den Text in der passenden Typografie und dem Layout, wie es später auf dem Papier aussehen sollte.

Bei professionellen Anwendern in Werbeagenturen und Druckereien konnte sich der Amiga 1000 aber nie richtig durchsetzen und zum neuen Standard entwickeln. Hier hatten häufig Atari ST oder Apple die Nase vorn. Mit den neuen Modellen Amiga 500 und Amiga 2000 legte Commodore nach. Der Amiga 500 löste bei vielen Fans von Spielen und Animationen den C64 ab. Softwareanbieter modifizierten ihre Programme. Insbesondere zahlreiche Spiele boten auf dem Amiga mehr Möglichkeiten und bessere Grafik als auf dem C64.

Der Amiga 2000 stand von Anfang an in scharfer Konkurrenz zu dem immer erfolgreicheren MS-DOS und Windows-Systemen. Außerdem setzte sich bei Grafikbüros oder in den Layoutabteilungen von Verlagen der Apple Mac als Standard durch.

Auch der Amiga 1200 konnte den Niedergang von Commodore nicht retten© DDP

"Neben den USA waren Deutschland und Großbritannien die wichtigsten Märkte für den Amiga", sagt der "c't"-Spezialist. Nach Angaben des 8Bit-Museums wurden bis Ende 1993 in Deutschland rund 28.000 Commodore 1000, 124.000 Amiga 2000 und 1,1 Millionen Amiga 500 verkauft.

Mit treuer Fangemeinde

Auch wenn der Amiga im Vergleich zu heutigen Computern wie ein Dinosaurier wirkt, ist das Gerät nicht in Vergessenheit geraten und nur noch im Museum oder auf dem Elektroschrott-Recyclinghof zu finden. "Der Computer ist heute noch im Einsatz", sagt Slabihoud. Manche Kinobetreiber hätten zum Beispiel Anzeigetafeln mit Texten und Grafiken durch einen Amiga angesteuert. Außerdem gibt es noch viele Fangruppen und Amiga-Nutzer, die im Internet Erfahrungen und Software austauschen.

Im Web www.8bit-museum.de: Viele, viele alte Computer
Amiga history guide: Alles über die Geschichte des Amiga (Englisch)
Amigahistory V3: Deutschsprachige Site zum Amiga

Heiko Stolzke/DPA
 
 
 
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