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20. Juni 2007, 10:20 Uhr

Schüttel Dein Pixelhaar für mich, Baby

Shrek, der grüne Oger, trägt auch in seinem dritten Abenteuer Glatze. Doch viele andere Märchenfiguren in dem Animationsfilm schütteln wallendes Haupthaar. Was die Computergrafiker fast verzweifeln ließ. Von Karsten Lemm, Glendale

Wenn Prinz Charmings blonde Mähe flattern soll, geraten die Animationskünstler ins Schwitzen© UIP

Computeranimation ist eine haarige Angelegenheit. Das lässt sich nirgends besser beobachten als bei den Shrek-Filmen, deren jüngste Folge - "Shrek der Dritte" - am Donnerstag ins Kino kommt. Als der grüne Oger 2001 zum ersten Mal über die Leinwand stapfte, klebte vielen Figuren die Frisur noch am fest am Kopf, und Prinzessin Fiona musste ihr Haar im Zopf gebunden tragen. Alles andere hätte die Rechner der Trickfilmer beim Shrek-Studio Dreamworks überlastet.

Im zweiten Teil zeigten sich schon Fortschritte: In einer Szene weht der blonde Schopf von Prinz Charming golden und in Zeitlupe umher wie in der Shampoo-Werbung. Aber auch das reichte den Filmemachern nicht. "Diese eine Szene hat Monate gedauert", stöhnt Andrew Pearce, Leiter der hauseigenen Dreamworks-Forschungsabteilung. Deshalb blieben luftige Tollen, mit wenigen Ausnahmen, für die Filmemacher weiter tabu. "Beim dritten Film hieß es: 'Hört auf, immer nein zu sagen, wir wollen echtes Haar zeigen!'", erzählt Pearce, ein jugendlicher Mittvierziger, der in einem Vorführraum auf dem Studiogelände im kalifornischen Glendale bei Los Angeles sitzt.

Lasst das Haar wallen!

In Teil drei bekommen die Kinogänger nun eine ganze Parade prächtiger Mähnen zu sehen, wenn Shrek sein jüngstes Abenteuer im Märchenland Weit Weit Weg besteht: Daheim am Hof des Königs schwirren Prinzessin Fionas Föhnfrisur-Freundinnen umher, von Schneewittchen über Aschenputtel bis hin zu Rapunzel (die, ganz klar, ihr Haar herablässt); anderswo zeigen der bärtige Zauberer Merlin und der wuschelköpfige Thronfolger Artie, welche Fortschritte die Technik gemacht hat. Nur der grantelige grüne Hauptdarsteller darf weiterhin kahlen Hauptes bleiben - aber dafür schimmert seine blanke Platte, dank neuer digitaler Beleuchtungstechnik, ganz besonders plastisch in der Sonne.

Rechenpower aus Dresden

Schiere Rechenkraft ist ein Teil der Erklärung für die realistischere Märchenwelt auf der Leinwand: "Früher haben wir mit Pentium-3-Systemen gearbeitet, heute sind es 64-Bit-Workstations mit Doppelkern-Prozessoren", sagt Pearce. Was Shrek, genaugenommen, zu einem Sachsen macht. Denn in den HP-Rechnern, mit denen er zum Leben erweckt wird, stecken "Opteron"-Chips von AMD aus Dresden. 4000 Rechenhirne schnaufen in einem klimatisierten, nach Chemie riechenden Raum um die Wette: Dies ist eine der beiden Dreamworks-"Renderfarmen", in denen Hunderte von "Proliant"-Servern (Stückpreis: 1000 Euro und aufwärts) die künstlichen Welten erschaffen. In mannshohen Regalen liegen sie da, mattschwarze, anonyme Kisten, die geschäftig mit ihren Leuchtdioden blinken, und arbeiten sich durch Zahlenkolonnen, die früher Tausende von Mathematikern jahrelang ins Schwitzen gebracht hätten. Ein paar hundert Kilometer nördlich, im Silicon Valley, steht die zweite Dreamworks-Renderfarm mit 3000 weiteren Prozessoren, und alles in allem brauchten die Rechner 20 Millionen Stunden für Shrek, den Dritten - viermal so lange wie beim ersten Film.

Shrek trägt immer noch Glatze, Fiona bleibt beim Pferdeschwanz© UIP

"Der technische Fortschritt in den vergangenen zehn Jahren war einfach atemberaubend", sagt Dreamworks-Mitgründer Jeffrey Katzenberg. Aber je mehr die Rechenhirne können, um so mehr verlangen ihre Nutzer auch von ihnen. "Der Appetit unserer Künstler scheint dem, was möglich ist, immer einen Schritt voraus zu eilen", sagt Katzenberg. Deshalb müssen die Trickfilm-Techniker genauso kreativ sein wie ihre Kollegen mit dem Zeichenstift: Um ihr haariges Problem in den Griff zu bekommen, entwickelten die Dreamworks-Experten spezielle Software, die automatisch berechnet, wie es aussieht, wenn Tausende von einzelnen Strähnen um den Kopf flattern.

Gefälschte Naturkräfte

"Das Problem war anfangs, dass es zu glatt, zu sauber aussah", erklärt Entwicklungschef Andrew Pearce. "Die Regisseure sagten: 'So sieht kein Haar aus, das wollen wir nicht!'" Also bauten die Programmierer statische Elektrizität in ihre Computermodelle ein. Das sollte dafür sorgen, dass sich die Strähnen eher zufällig - und damit realistischer - bewegen. Wieder nichts. Jetzt klebte die Frisur zu stark am Kopf, und die Filmemacher klagten: "Lasst es dynamisch aussehen, aber passt auf, dass es nicht vor dem Gesicht herumhängt", erzählt Pearce. Am Ende verfielen die Techniker auf die Idee, künstlich Schwerkraft zu erzeugen und mit zu berechnen, damit das Haar der Trickfiguren lebensecht über die Leinwand schwebt.

Damit ist eine Hürde genommen, aber es bleiben genug andere für den nächsten Shrek-Film. Teil vier der Saga, die in den Kinos bisher weltweit über 1,5 Milliarden Euro eingespielt hat, ist bereits in Vorbereitung. "Langes Haar ist schwer, Wasser ist schwer, Menschenmengen sind schwer", sagt Pearce. "Ich seh's kommen: Eines Tages lassen sie sich eine Szene einfallen, in der ein Haufen Leute im Wasser steht und kämpft. Und alle haben langes Haar."

Von Karsten Lemm, Glendale
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
SuperJuliusKrause (20.06.2007, 21:56 Uhr)
joa
wenn man in 100jahren rechner hat, mit denen man die welt und haare perfekt nachahmnen kann, wird man sich fragen warum man nicht die ganze zeit filme mit echten leuten gemacht hat
sundancer (20.06.2007, 15:06 Uhr)
Haarig
Hab gar nicht gewußt, daß Silicon Valley nur ein paar hundert km nördlich von Dresden liegt!
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