Die diesjährige "Ars Electronica" mit dem Titel "Code - Language of our Time" beleuchtet in Ausstellungen, Performances und Symposien die Rolle und den Einfluss digitaler Codes auf Kunst und Gesellschaft.

Die Klangwolke "Europa" war eine symphonische Vision, musikalisch arrangiert von Christian Kolonovits und visualisiert von Christ Laska© ap
Als Requiem auf das alte Europa hat der österreichische Komponist Christian Kolonovits die Linzer "Klangwolke" beim Eröffnungsfest des Computerkunst-Festivals "Ars Electronica" gestaltet. Unter Donner und Blitz begann das sinfonische Spektakel im Lichtdesign von Chris Laska und Fotokünstler Fritz Fitzke im Donaupark. Das Brucknerorchester interpretierte die musikalische Geschichte Europas von der Zeit der Kreuzzüge bis zum Nationalsozialismus, das im zweiten Teil mit folkloristischen Klängen eine Öffnung der Grenzen anklingen ließ.

Der Japaner Maywa Denki entwickelt computergesteuerte Musikinstrumente und absurde Musikkonstruktionen.© dpa
Die Ausstellung "Cyberarts" im O.K. Centrum für Gegenwartskunst zeigt die Siegerprojekte des Wettbewerbs "Prix Ars Electronic", der am Montag in einer Gala in sechs Kategorien vergeben wird. Aus den mehr als 2200 Einsendungen wurde unter anderen die poetische Arbeit der deutschen Künstlerin Agens Beyer-Brandis gewählt, die mit einem "Elf-Scan" den Boden nach Elfen absucht. Die britische Gruppe Blast Theory schickt in dem zum Teil realen, zum Teil virtuellen Verfolgungsspiel "Can You See Me Now" Online-Spieler in eine virtuell repräsentierte Stadt. In anderen Werken kann der Besucher Licht und Geräusche im Raum mit einer Handbewegung verändern.
In einem spektakulären Projekt "Teleklettergarten" hat die Schweizer Gruppe "FO" die Fassade der Kunstuniversität Linz in eine überdimensionale Computertastatur verwandelt, die als Kletterwand dient. Um ein Programm zu schreiben, muss ein Kletterer an der Wand die Tastenkombination "erklettern" und durch Berührung die Signale auslösen.

Besucher der Ars Electronica sitzen auf Lastwagenschläuchen und betrachten auf Laptops die prämierten "u19 freestyle computing"-Werke in der Kategorie "Cyberarts 2003".© dpa
Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen beleuchten von Sonntag an die theoretischen und praktischen Aspekte der Entwicklung und des Einsatzes von Zeichensystemen in verschiedenen Lebensbereichen. Der finnische Kunsthistoriker Erkki Huhtamo etwa beleuchtet die Verwendung von Software als Medium der Kunst. Die Direktorin der Electronic Frontier Foundation, die sich für die Einhaltung der Bürgerrechte im Cyberspace einsetzt, Cindy Cohn, skizziert den rechtlichen Hintergrund. Der Programmierer Marc Canter beschreibt den Einfluss der Software-Hersteller auf die Wahrnehmung von Information.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Musik-Programms steht die Performance "Principles of Indeterminism", ein fünfstündiges Konzert, bei dem Musik von Steve Reich bis Iannis Xenakis zeitgleich in optische Bilder übertragen wird. Auch im Projekt "Messa di Voce" mit den Vokalkünstlern Jaap Blonk und Joan La Barbara wird Software als Instrument in einer Live-Performance eingesetzt.