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8. Mai 2006, 15:20 Uhr

Aus dem Leben eines "Noobs"

Wem die Begriffe "Cheater", "Noob" und "Camper" auch nichts sagen, ist hier genau richtig. Das Leben mit einem Counter-Strike-Verrückten offenbart viele Dinge, die für einen Nicht-Computerspieler böhmische Dörfer sind. Eine Glosse von Svenja Schierer

Über die Kopfhörer kommuniziert "Tingel" mit anderen CS-Spielern© Privat

Wer hat bloß dieses Spiel erfunden? Ich verfluche ihn! Abend für Abend dieses Gemetzel. Das ewige Geballere und Blutvergießen. Die Rede ist von Counter-Strike (CS), einem Online-Ego-Shooter. Die Spieler bekämpfen als Mitglieder einer Anti-Terroreinheit ein Team von Terroristen und umgekehrt. Weltweit hat dieses "Ballerspiel" eine riesige Anhängerschaft gefunden. "Tingeltangel Bob", sein Spitzname bei CS, ist so ein Anhänger.

Im Dunkeln auf Camper schießen

"Tingeltangel Bob" ist mein Freund, und seit beinahe drei Jahren leben wir zusammen. Da gewöhnt man sich zwar an Counter-Strike, aber nachvollziehen können muss man diese Spielleidenschaft deswegen noch lange nicht. Im realen Leben ist "Tingel" ein seriöser Typ, der eigentlich keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen fasziniert ihn das Ballern am Computer.

Es ist mal wieder soweit - "Tingeltangel Bob" ist in die virtuelle Counter-Strike-Welt abgetaucht und dem Lockruf des Computers einmal mehr gefolgt. "Ich geh' nur noch mal kurz an den PC", und schon war es das wieder mit einem gemütlichen gemeinsamen Fernsehabend.

Aus dem abgedunkelten Büro dringen seltsame Rufe: "Du Noob" oder "Dieser dreckige Camper". Ich öffne vorsichtig die Tür, um zu gucken, ob auch alles ok ist - und lande in der Welt der CS-Süchtigen. "Tingeltangel Bob" wurde gerade von einem "Camper" per "Headshot", also Kopfschuß, niedergestreckt. Diese "Camper" verstecken sich und warten nur darauf, dass ihnen jemand ins Fadenkreuz läuft, um ihn dann zu erledigen. Ah ja. Bisher dachte ich, Camper haben einen Wohnwagen und grillen gerne. Man lernt tatsächlich nie aus. Ich frage, ob ich das Rollo raufziehen könne, die Sonne scheint so schön. "Bloß nicht, das spiegelt sich doch alles auf dem Bildschirm, und ich seh' die verdammten Terroristen nicht mehr." Das Rollo bleibt also unten. Ich will schließlich nicht, dass "Tingel" von einem Terroristen getroffen wird.

"Cheater" sind überall

Auf dem Bildschirm läuft "Tingeltangel Bob" gerade zur Hochform auf. Die virtuelle Terroristenjagd führt ihn durch ein Bürogebäude. Er schmeißt Blendgranaten und geht in Schussposition. "Was machst Du denn da?". Während er weiter durch die virtuelle Welt läuft, erklärt "Tingel" mir das Spiel. Die aktuelle "Map" heißt "cs_office", und "Tingel" ist gerade als "Counter" - als ein "Guter" - unterwegs. Er ist also quasi "im Dienst", wie er voller Begeisterung berichtet. In der aktuellen Runde muss er Geiseln aus den Händen von Terroristen befreien. Nebenbei erschießt er noch ein paar "Böse". Plötzlich ein Schuss von hinten. Der virtuelle "Tingel" sackt in sich zusammen, Blut spritzt, und er ist tot. Der reale "Tingel" zuckt zusammen, als ob ihn der Schuss tatsächlich getroffen hätte. Wenn seine Geschäftskunden, denen er tagsüber im realen Berufsleben im feinen Anzug gegenüber sitzt, ihn so sehen könnten...

Mit Sturmgewehr auf der Suche nach virtuellen Terroristen© Privat

Die Zeit ist schon wieder um, und die nächste Baller-Runde beginnt. "Tingeltangel Bob" hüpft wieder quicklebendig auf dem Bildschirm herum. Ein "Noob" - "die, die es einfach nicht drauf haben" - läuft "Tingel" in den Weg. Begleitet von Flüchen schießt er sich den Weg frei. Immer den gleichen Weg, "man weiß ja, wo die Gegner lang laufen." Eine Fensterscheibe zersplittert, "Tingel" springt hindurch, und schon stehen ihm die Terroristen gegenüber. Ein wilder Schusswechsel entbrennt, und "Tingel" neutralisiert drei feindliche Terroristen. Doch plötzlich fällt ein Schuss, und seine Lebenskraft ist erneut am Ende. "So ein Cheater, der konnte mich überhaupt nicht sehen". Der böse Schummler hat "Tingel" angeblich durch die Wand gesehen und hinter der Tür auf ihn gelauert. Normalerweise kann man in der virtuellen Welt nicht durch Wände sehen, das ist ja selbst mir als "Noob" klar.

"Messern", die besondere Demütigung

Die "Map" wechselt, und "Tingel" findet sich auf "de_dust2" wieder. Das Szenario hat sich geändert. Er muss nun keine Geiseln mehr befreien, sondern eine Bombe entschärfen. Die Terroristen haben sie gelegt und müssen sie bis zur Explosion verteidigen. Mit einem "Defuse Kit" kann "Tingel" die Bombe schneller entschärfen. Bewaffnet mit Blendgranaten, einem M4A1-Sturmgewehr, dem "Defuse Kit" und einem Messer geht es auf die Suche nach den Terroristen und der tickenden Zeitbombe. "Tingel" ist in seinem Element. Mit dem Sturmgewehr streckt er den ersten Terroristen nieder. In der wüstenähnlichen Umgebung schleicht er sich von hinten an den nächsten Terroristen heran und erledigt ihn. Mit dem Messer sticht er mehrmals auf sein Opfer ein. Unter Counter-Strike-Spielern wird dies schlicht "messern" genannt - eine besonders große Erniedrigung. "Tingel" freut sich über seinen Überraschungsangriff wie ein kleines Kind. Aber nicht nur er jubelt. Auf dem Bildschirm und über sein "Headset" feiern ihn seine Team-Mitglieder für diese gelungene Attacke.

Aber selbst diese Heldentat veranlasst mich nicht, in Euphorie auszubrechen. Ich beende meinen Ausflug in die Welt von Counter-Strike. Die Leidenschaft für solch ein Ballerspiel werde ich nie nachvollziehen können. Voller Unverständnis verlasse ich den abgedunkelten Raum des Terrors und wende mich wieder der realen, sonnendurchfluteten Welt zu. Dort freue ich mich auf den Moment, wenn der reale "Tingel", mein Freund, wieder in die Realität zurückkehren wird - auch wenn ich dort in seinen Augen immer ein "Counter-Strike-Noob" bleiben werde.

Ihre Meinung

Leiden Sie auch unter der Computer-Sucht ihres Freundes? Oder können Sie die Leidenschaft von "Tingeltangel Bob" nachvollziehen?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (41)
Eine Glosse von Svenja Schierer
 
 
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Ballerspiel Counter-Strike Messer Rollo Sturmgewehr
KOMMENTARE (10 von 41)
 
bioXar.PerLe (16.05.2006, 23:51 Uhr)
oehm ja
Hallo ich bin selber eine Frau und zock Counter Strike seid einem Jahr bin mama zweier kinder und finde es echt übertrieben wie es oben hingestellt wird...aber ich dnek es liegt daran das mein mann und ich diese leidenschaft teilen=) Und spacken die der meiung sind Frauen haben keine ahnung und sollten es lassen hat noch nie eine Frau in Aktion gesehn =)
DaKillah (16.05.2006, 17:45 Uhr)
{S.W.a.']['} sKµLLz
Ich bin selbst ein aktiver CSler,führe einen eigenen "CLan" und ich finde diesen Artikel sowas von übertrieben dargestellt.
Eine Schande über die Menschen die so einen Kack labern.
Todesschwadron (15.05.2006, 05:06 Uhr)
Counter Strike als Hobby
Ich sehe CS nur als Hobby, wie andere Fussball oder Kegeln. OK, man kann schon davonbesessen werden, doch welcher Fussball-Fan ist das nicht von seiner Mannschaft. Eine Menge Fans fahren viele Kilometer um Ihrer Mannschaft beim Fussball zuzusehen und wir CSler sitzen halt zu Hause am PC und vergnügen uns damit andere verlieren zu sehen. Gut, das Mädchen im Bericht hat schon Recht, wenn sie damit aussagen will, das Sie Ihren Freund dadurch zu selten im realen Leben hat,denn der Nervenkitzel, in der nächsten Runde eines Spiels, es besser zu machen entwickelt sich sehr schnell. Und ehe man sich versieht, vergehen schonmal einige Stunden. Ob wir CSler nun einige Stunden am PC sitzen oder mit unserer Freundin oder Frau einige Stunden beim Einkaufsbummel hinterher schlendern, ist doch das gleiche. Jeder hat dabei etwas auszusetzen was der andere macht.
BeZo (14.05.2006, 00:22 Uhr)
Hmm
www.dks4ever.de
BeZo :)
CellPipe (13.05.2006, 15:40 Uhr)
@All
bevor ihr euch alle ueber die erklaerungen von cs beschwerd solltet ihr mal daran denken das es eine frau ist und sie nicht wirklich was mit dem spiel zu tuhn hat sondern nur das schreibt was sie denkt und leider mit erleben muss
Robby_Lee (13.05.2006, 14:36 Uhr)
Äußerst amüsant
Ich spiele selbst CounterStrike und fand es sehr lustig diesen Artikel zu lesen. Man hätte diese "CS-Szene" jedoch noch viel weiter vom "RL" (Real-Life = Wirkliches Leben) absondern können indem man die fachlich richtigen Ausdrücke für die Waffen und "Tools" (Werkzeuge) benutzt hätte.
Zum Bleistift wirft man keine Blendgranaten und geht in Schussposition, sondern man "flasht" die Gegner (In dem Falle "Ts" für "Terrorists") mit 2 "Flash" und macht einen "Rush" (Schnelles Vorstoßen zum Gegner) um die "Ts" dann zu "Bashen" (Äußerst eindrucksvolles Töten), meintewegen mit einem "Headshot" (Punktgenauen Kopfschuss) beim "strafen" (Seitwärtsbewegen) oder während des Sprunges.
Wie auch Sheitan und bestimmt einige andere nach ihm gesagt haben, ist das das normale Vokabular eines CounterStrike-Spielers, wobei diese Wörter im Kontext auch noch sehr verschieden ausgelegt werden können, selbst wenn sie orthographisch nur geringfügig anders sind.
Meintewegen ist ein "Noob" durchaus auch als kein Schimpfwort zu gebrauchen, da es sich von "Newbie" (Neuling) ableitet. Ein "Boon" ("Noob" rückwärts) ist jedoch schon eine Beleidigung, die das totale Unwissen eines Diskussionsteilnehmers ausdrücken will. "Campen" ist durchaus auch sehr taktisch, falls man wie die "Ts" auf einer "De-Map" (DEfuse-Map [Entschärfungs-Karte]) wie "de_dust" oder "de_train" die Bombe an einem "Bombspot" (Bombenzünd-Platz) "geplantet" (gezündet) hat, sollte man sich an eine taktisch gute Stelle "hincampen" (Positionieren und taktisch warten) um die "CTs" (Bombenentschärfer) zu töten und die Runde für sich zu entscheiden.
Mitlerweile hat dieses Spiel und andere Online-Spiele so viele "Anhänger" (Tschuldigung, ist CounterStrike eine Sekte?) gefunden, dass sich der sogenannte eSport herauskristalisiert hat. Die Electronic Sports League (Elektro-Sport Liga [ Wortwörtlich ]) hat verschiedene Spielkategorieen wie z.B. "1on1" (Ein Spieler gegen einen anderen), "2on2", "5on5" (Ein 2er/5er-Team spielt gegen ein anderes) eingerichtet in denen täglich allein in CounterStrike 592,3 "Matches" (Spiele) pro Tag ausgetragen werden.
Alles in allem finde ich es durchaus schön, dass man sich in einer etwas eigenen Sprache unterhalten zu können, damit keine nervenden Kinder einem dazwischenbrabbeln, diese Naps..
Frohes Schaffen an alle "CSler" (CounterStrike-SpieLER), und basht die Nubs ordentlich weg.
laZee (11.05.2006, 18:20 Uhr)
Uiuiui :)
Jungs, nich gleich angegriffen fühlen :)! Ich find den Artikel klasse und erkenne mich bei Public Sessions 100% wieder :)
Einige fordern hier, dass diese Art von Artikel nicht geschrieben werden darf sondern erstmal ernsthafte Artikel erscheinen sollen. Blödsinn :)! Es gibt bereits ernsthafte Artikel, ausreichend. Nur bekannter sind die einseitigen "Killerspiele" Artikel. Und den Bekanntheitsgrad von "ernsthaften" Artikeln können wir eh schlecht beeinflussen, oder?
Jemandem verbieten zu wollen solche Artikel zu schreiben wie dieser (sehr gelungene) Artikel hier ist doch Humbug :). Alle haben Angst, dass das hier ein schlechtes Licht wirft - wieso? Denkt ihr echt, jemand der das liest glaub das alle CS Spieler so sind? Und selbst wenn, was wäre daran schlimm? Warum setzt ihr nich einfach ein gepflegtes "wayne" unter sowas :)?
Eins noch: irgendjemand schrieb hier dass CS kein Sport sein kann sondern dieses Argument nur eine Ausrede für Süchtige ist. Public Zocken ist sicher kein Sport, aber wenns um Ligaspiele, Turniere und Cups geht sehe ich das definitiv als Sport an :)
mrt1N (11.05.2006, 14:17 Uhr)
teils richtig....
Ich habe selbst bis vor kurzem aktiv Counter Strike, das allseits bekannte "Ballerspiel", aktiv gespielt. Ich muss sagen teilweise kann ich den Aussagen der Freundin schon zustimmen. Es kann echt nervig für die Mitmenschen sein, wenn man viel Zeit mit CS verbringt.
Zum Fachjargon kann ich nur sagen: Wird das nicht bei vielen Sportarten oder sonstigem getan? Ich kenne genug Sportarten bei denen es genauso spezielle Bergriffe gibt, die niemand sonst kennt. Klar, die Begriffe "Lamer" "Camper" etc. kommen einem Laien komisch und verrückt vor, aber sie gehlren einfach zum Spiel.
Ein entscheidender Nachteil des Spieles ist einfach, dass es bei manchen Menschen einen extremen Suchtfaktor darstellt. Viele Leute machen nichts anderes mehr, wenn sie von Der Schule/Beruf heimkommen und ich spreche da aus Erfahrung......
Wie bei allem gilt hier ein gesundes Maß zu finden unter dem keine anderen Dinge wie Schule, Familie, Freundin/Freund, Freizeit etc. leiden. Ich bin froh den Ausstieg aus der aktiven Szene geschafft zu haben, es hatte schon nen Grund warum ich ca. 10kg zugenommen hatte. Zudem habe ich durch CS viele Leute kennen gelernt mit denen ich mich auch außerhalb die Spieles sehr gut verstehe und zu tun habe. Ach und könnte man bitte mal das Wort "Ballerspiele" auf den Index setzen? ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN!
rOCkStaR-jEAn (11.05.2006, 08:00 Uhr)
[Team-DoA]rOCkStaR
Sehr witziger Artikel!
www.team-doa.de
Fnd.FreakeR (11.05.2006, 00:11 Uhr)
wtf
Ein gamer würde wohl zum Abschluss folgende Laute benutzen:
im 2 1337 4 u n4ps, hdf dieses ch34t0r gelaber kann nobody mehr hören. geh mal ein paar lamer fraggen, und den camp0rn sniper ich nen heady rein. diese b00ns auf dem server ziehen meine clanmates, mit mir über ts eh weg. am schlimmsten dabei sind eh nur die flamer. doch auf die achte ich eh nicht mehr ;-) all right?
good night, good fight.
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