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27. Januar 2010, 21:53 Uhr

Ein Tablett für alle Fälle

Sieht so die Zukunft aus? Apples iPad ist die neue digitale Wundertüte. Allerdings: Bisher sind Tablet-PCs immer gefloppt. Schafft Steve Jobs ein neues iWunder? Von Karsten Lemm, San Francisco

Apple, iPad, iPhone, iPod, Steve Jobs, Apps

Auf der Pressekonferenz im Yerba Buena Center of Arts stellte Steve Jobs das iPad vor, eine Mischung zwischen Smartphone und Notebook© Justin Sullivan/Getty Images

Pünktlich um 10 Uhr morgens erschien der Zauberer auf der Bühne und versprach seinem Publikum etwas "wirklich Magisches". Und dann ließ er sie, wie das so üblich ist im Schaugeschäft, alle noch etwas warten: die versammelten Massen, die atemlos an seinen Lippen hingen, im Yerba Buena-Center in San Francisco genau wie die Live-Blog-Leser im Internet. Erstmal verkündete Steve Jobs, dass Apple seit 2001 mehr als 250 Millionen iPods verkauft habe, dazu noch das iPhone, und so sei sein Unternehmen, alles in allem, schon jetzt "die größte Mobilfirma der Welt". Dank der großen Neuheit des Tages allerdings soll sie noch viel größer werden.

Seit Wochen schon tobten die Gerüchte über ein Apple-Tablet durch die Netzwelt - einen Rechner ohne Tastatur und Strippen, flach wie eine Flunder, eine Art großes iPhone und garantiert zum Stauen cool. "Das letzte Mal, als eine Tafel so viel Aufsehen erregt hat, standen Gebote darauf", bemerkte unlängst das Wall Street Journal in Anspielung auf biblische Zeiten - und Steve Jobs, der Gott der Apple-Jünger, ließ es sich nicht nehmen, das Zitat meterhoch an die Projektionswand zu werfen, ehe er tatsächlich, endlich, bestätigte, was alle längst geahnt hatten: Jawohl, Apple baut einen Tablet-PC, "iPad" genannt (abgeleitet vom englischen Wort für Schreibblock), um die Lücke zu schließen zwischen Mobiltelefon und Laptop.

Das neueste Mitglied der Apple-Familie

Mit seinem berührungsempfindlichen Bildschirm von knapp 25 Zentimetern Durchmesser und der drahtlosen Wlan-Verbindung zum Internet ähnelt das neueste Mitglied der Apple-Familie einem großen iPod-Touch. Das 680 Gramm schwere, 1,3 Zentimeter dicke Gerät ist gedacht als Surfbrett für die Online-Welt, ein ständiger Begleiter für die ganze Familie im ganzen Haus: Für E-Mail soll es sich genauso eignen wie für Facebook, YouTube, Spiele, Musikhören und überhaupt das ganze Internet. Sechs Versionen wird es geben mit 16, 32 und 64 Gigabyte an Speicher, die Batterie soll bis zu zehn Stunden lang durchhalten, verspricht Apple.

Preislich bleibt Apple deutlich unter dem, was Analysten erwartet hatten: Das günstigste reine Wlan-Modell kostet 500 Dollar, etwa 360 Euro; das teuerste mit 64 Gigabyte Speicher soll 830 Dollar kosten, bietet allerdings zusätzlich zu Wlan noch eine 3G-Mobilfunkverbindung fürs Surfen unterwegs. In den USA hält Apple dabei seinem Partner AT&T die Treue. Details für den deutschen Markt gab die kalifornische Firma nicht sofort bekannt, allerdings kündigte Jobs an, dass das iPad weltweit innerhalb der nächsten 60 Tage als Wlan-Version und knapp einen Monat später mit zusätzlichen UMTS-Chip ausgeliefert werden soll.

Bisher waren alle Tablet-PCs ein Flop

Revolutionär ist das Apple-Tablet nicht - andere haben Ähnliches versucht: Seit Langem müht sich die PC-Industrie, ihren Kunden Rechner ohne Tastatur schmackhaft zu machen, doch bisher waren alle Tablet-PCs ein Flop. "Die Geräte erfüllten nie einen richtigen Zweck", erklärt der Analyst Michael Gartenberg die Misserfolge. "Sie taugten weder als vollwertige PCs, noch waren sie echte Mobilgeräte." Apple dagegen hofft, das bewährte Prinzip von iPhone und iPod Touch auch in groß zum Erfolg zu machen: Gesteuert wird das neue Tablet mit den Fingern - antippen, wo man normalerweise mit der Maus klicken würde, dazu noch Gesten zum Vergrößern oder Verkleinern von Bildern und Internetseiten. Eine Tastatur gibt es ebenfalls nur auf dem Bildschirm, wie vom iPhone gewohnt. Wer sich daran nicht gewöhnen mag, kann sein iPad allerdings auch an eine Docking-Station anschließen, die eine echte Tastatur bietet.

Software gibt es für den Neuling schon reichlich, ehe er überhaupt auf den Markt kommt: Das Apple-Tablet kann praktisch alle Anwendungen nutzen, die es im "App Store" auch für iPhone und iPod Touch gibt. Das sind gut 140.000 Programme aller Art, von Spielen über Sprachenlernen, Fotobearbeitung und Social Networking, bis hin zu Internettelefonie. "Damit hat das iPad einen deutlichen Vorsprung vor der Konkurrenz", sagt Roger Kay, langjähriger Apple-Kenner und Präsident der Unternehmensberatung Endpoint Technologies Associates. Andere Tablet-PCs, die vor kurzem auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas angekündigt wurden, sollen nicht nur später auf den Markt kommen, sondern müssen auch mit weniger speziell entwickelter Software auskommen.

Kindle im Visier

Neu im App Store ist Apples "iWork" für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen. Außerdem nehmen die Kalifornier ganz gezielt Amazon ins Visier: Mit fünf großen Buchverlagen hat Apple Verträge abgeschlossen, um das iPad zu einem elektronischen Lesegerät zu machen. Aus dem "iBooks"-Buchladen lassen sich diverse Titel für Preise zwischen 8 und 15 Dollar kaufen und sekundenschnell auf das iPad laden - ganz ähnlich wie bei Amazons erfolgreichem Kindle. "Das ist ein Angriff auf Amazons Kerngeschäft", sagt Kay. Allerdings habe Amazon im Augenblick weit mehr Bücher im Angebot, und zudem stelle sich die Frage, wie angenehm langes Lesen auf dem Farbbildschirm des iPad tatsächlich sei. Der Kindle nutzt eine speziell entwickelte "E-Ink"-Anzeige, schwarzweiß und für Lesen optimiert.

Alles in allem, urteilt Kay, gehe Apple mit seinem Maxi-iPod durchaus ein Risiko ein: "Dies ist Neuland", sagt der Analyst. "Leute sollen sich an etwas ganz Anderes gewöhnen, und ob das klappt, ist völlig offen." Andererseits: Wenn es jemandem gelingen könnte, den Tablet-PC endlich zum Erfolg zu machen, dann wohl Apple. "Der Markt ist schwierig, aber Apples Ausgangsbasis ist so gut, wie es nur geht", sagt Kay. Die Börse stimmt ihm zu: Kaum hatte Steve Jobs sein magisches iPad aus dem Hut gezaubert, schoss die Apple-Aktie steil in die Höhe. Nach seiner Präsentation legte sie zeiweilig um neun Dollar zu; das macht bei 900 Millionen Aktien, die im Umlauf sind, einen Mehrwert von 8 Milliarden. Kein schlechtes Ergebnis für eine Zaubershow am Mittwochmorgen.

Von Karsten Lemm, San Francisco
 
 
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Spielerei
KOMMENTARE (10 von 36)
 
STR_EDDS (29.01.2010, 02:00 Uhr)
Nachtrag
Die Tippfehler kommen nicht von mir. Die hat Win7 generiert. Ehrlich, jetzt. :-)
STR_EDDS (29.01.2010, 01:58 Uhr)
@ruedi
Ich komme aus dem VMS-Ecke. Also mittlere bis große Datentechnik. Arbeite mit *NIX seit den alten SCO-Zeiten. Ich war Jünger von AMIGA-OS und kenne so ziemlich jeden Maschinencode vom 68000er über ARM bis hin zu Intel x86. Meine Firma entwickelt Lösungen auf verschiedenen Plattformen. Seit 2008 auch Apps als End Peer-Clients für ein DMS. Bis einer meiner Entwickler mir das Teil zum "Spielen" mitgegeben hatte, war ich sehr skeptisch gegenüber der Technik und dem zweifelhaften Preis- Leistungsverhältnis (und das obwohl ich mich in der Mach-Kernel Ecke seit NeXT-OS sehr wohl fühle). Naja. Drei Tage nach Übergabe habe ich mir selbst ein IPhone zugelegt. Zum einen weil es Spaß macht, ja - da wo bei Symbian Geräten die Arbeit auf undurchdachten Oberflächen (von Entwickler, für Entwickler) zur Qual wird, läuft es beim IPhone einfach reibungsloser. Weniger Gimmicks, dafür funktionrende. Dass IPhone-Gegner in letzter Konsequenz und als Ausdruck ihrers Mangel an Argumenten, auf dem Theme "nicht vorhandenes copy/paste" (bis OS 3.1) herumritten, ist mehr als vielsagend.
.
Apple macht nicht immer etwas Neues. Aber Ideen und Mathoden werden mit einer beeindruckenden Konsequenz und im Sinne des Benutzers umgesetzt. Darauf kommt es an. Ich kann meiner Mutter am Telefon erklären, wie sie beim IPhone auf den Mailserver der Familie per IMAP aufschaltet. Bei Symbian Geräten darf ich mich zuerst selbst durch völlig idiotische Menüs, unlogische Eingabeangebote und irrsinnige Dinge (erste Version E71 - Netzmaske als dezimaler Binäzähler - WTF!?!) quälen. Die Archos-Kiste ist nicht schlecht. Das behauptet niemand. Aber an ein IPad kommt sie unter Betrachtung des Einsatzfeldes niemals (SIC!) heran. Wer etwas Anderes behauptet, der hat die beiden Systeme noch nie aus Sicht eines Endanwenders ohne Nerd-Gen, betrachtet.
morini (28.01.2010, 23:37 Uhr)
Endlich wird ?Computern? so einfach wie telefonieren!
iPod, iPhone und nun das iPad machen ?Computern? so einfach wie telefonieren. Niemand braucht mehr einen Auskenner im Hintergrund, der bei den diversen Abstürzen und unverständlichen Aktionen und Fragen seines Computers heraushelfen muß (?Wollen Sie ein Heimnetzwerk anlegen??, und keiner weiß, was das eigentlich sein soll, wenn ich doch bloß die Daten von einem alten Rechner auf einen neuen sichern will...).

Ich arbeite seit Jahren als Softwareentwickler im Embedded-Bereich mit den unterschiedlichsten Betriebssystemen und so ziemlich allem, was Firmen sich an Arbeitsoberflächen ausgedacht haben. Ich kann nur sagen: Apples Umgebungen und die des iPhones und iPads mit ihrem gelungen Bedienungs-Feedback im besonderen sind definitiv am benutzungsfreundlichsten. In seiner Einfachheit hat das iPad beste Chancen endlich ein Gerät für jedermann und jedefrau zu werden. Ich kann auf einfache (!) Weise (iWork) komfortabel Briefe verfassen. Ich kann Emails lesen und verschicken, chatten und im Internet surfen. Der Geschäftsmensch und der Hobbybotaniker können unterwegs ein wenig Tabellen-kalkulieren. Meinen Freunden kann ich Fotos vorführen ohne einen Schlepptop mit mir herumschleifen zu müssen. Und das alles ohne ?Computer?! Sein großer Vorteil: Ein Allerweltsgerät - eben nichts besonderes. Das Ding ist tragbar sogar in einer mittleren Handtasche. Die Ärztin oder der Therapeut kommen an Informationen heran, ohne einen ?Computer? zwischen sich und dem Patienten stehen haben zu müssen.

Zugegeben, das alles gab und gibt es schon mit der einen oder anderen Einschränkung. Nur wird zum ersten Mal von einem Gerät nicht mit seinen Mega- und Giga-Hertzen und was weiß ich für technische Werte abgeschreckt, sondern mit Dingen geworben, die manchem Vertriebler einfach zu banal sein mögen: Nämlich, womit es seinem Benutzer gefallen wird. Mit Informationen, die für Otto-Normalverbraucher wertvoll sind. Ich will i.d.R. beim Telefon auch nicht wissen, ob ich da irgendwelche Erweiterungen reinstecken kann oder gar, welche CPU darin haust...

Das iPad beschränkt sich auf?s Wesentliche. Jeder, der bereits einmal eine Videophone-Verbindung über das Internet genutzt hat, wird gerne auf das Geruckel verzichten. Und meine visuellen Höhepunkte möchte ich auch nicht unbedingt damit erfassen - man stelle sich nur mal vor, einen Tablett-PC im Zoo oder auf der Strandpromenade vor sich halten zu müssen. Da bleib ich doch lieber bei kleineren Geräten. Dank Skype o.ä. ist das Fehlen von Telefonie bei den UMTS-fähigen Geräten auch kein Problem. So unverständlich das uns ?Auskennern? erscheinen mag: Auch Multitasking ist, zumindest an der Oberfläche, kein Muß. Viele Normal-Nutzer schließen ohnehin auf ihrem Rechner eine Applikation, bevor sie eine andere verwenden.

Fazit: Das iPad wird in der Nachfolge von iPod und iPhone die Medien- und Kommunikationsgewohnheiten revolutionieren. Ähnlich dem Schritt vom Morsen für Spezialisten zum Telefonieren für jedermann.
nerventanz (28.01.2010, 23:04 Uhr)
Mein Beitrag von vorhin
Sorry, wenn sich da jemand wegen Apple-Bashing auf den Schlips getreten fühlt. Was ich eigentlich meine ist, dass stern.de hier 4 Artikel zu einem Produkt innerhalb eines Tages geschrieben hat. Also kommt. Was soll der Blödsinn? Das kann man doch alles in einen packen.

Ich sehe hier auch nicht, dass stern.de andere Produkte so euphorisch ankündigt. Da kann man durchaus 1 und 1 zusammenzählen. Neue AMD-CPUs kommen zum Beispiel. Intel hat ein Smartphone auf Basis von x86 vorgeführt. DirectX11 für Notebooks gibt es bald. Lenovo hat neue Notebooks. USB3.0 kommt bald. PS3 wurde geknackt. So viele Sachen, die man schreiben kann. Und stern.de schreibt einen Artikel gleich 4 mal!

Und denjenigen, die meinen, dass man sowieso bei Apple landen wird, soll's gesagt sein, dass ich schon Apple-Rechner und Server hatte. Das ist doch alles Wurscht. Ich kann (fast) mit allen Kisten umgehen.
Recounter (28.01.2010, 19:56 Uhr)
Selbst wenn man sich mit dem Ding irgendwo hinbeamen könnte, würden sich immer noch einige aufregen, dass mans net braucht... Früher oder später hat jeder was von Apple zuhause stehn :D IHR WERDET SCHON SEHN!!!
Logan5 (28.01.2010, 19:31 Uhr)
Vergleich mit Kindle
Das Amazon-Kindle braucht weniger Strom und das elektronische Papier spiegelt nicht.
Recounter (28.01.2010, 19:24 Uhr)
LOL!!!
Des ja wohl absoulut die HÖHE!!! stern.de bekommt doch keine Werbe-Gelder, dasses mehr über Apple als über andere schreibt... Wurde auch schon oft weniger possitiv über Apple berichtet hier bei stern... also bitte! Außerdem besteht da NULL zusammenhang... weilde mal wieder keine Ahnung hast! wenn auf da Disney Seite Werbung für Apple wäre, dann isses ja klar warum... aber hier - ABSOULUT NULL ZUSAMMENHANG
Recounter (28.01.2010, 19:19 Uhr)
I love the iPad!
Sorry Leute... da bin ich ganz anderer Meinung... Egal was sich Apple vornimmt, es wird einfach immer geil und für mich gibs da gar keine Diskussion. Jedes Produkt das Apple herstellt, ist besser als jedes andere das es auf der Welt gibt... heißt wenn Apple nen Fernseher herstelln würde, wäre der genauso der beste den es weltweit gibt... Es kommt nämlich nicht nur auf Fakten wie technische Daten an sondern auf das Gesamtkonzept... siehe iPhone - spitzen Design, allerneuste Hardware, speziell dafür entwickelte Software und vor allen Dingen eine gute Infrastruktur in Sachen Musikdownloads, Apps etc.... Mir wärs ehrlich gesagt zu Schade mein Geld für minderwertige Ware rauszuschleudern... da spar ich lieber nen Monat länger und weiß aber dann auch, das es das beste ist, was gibt. Und wer sich jetzt noch über den Preis des iPad beschwert... sogar en HartzIVler kann sich des Teil leisten... also bitte
nerventanz (28.01.2010, 19:00 Uhr)
Langsam zum Kotzen hier
Macht doch mal was anständiges im Digital-Teil... alles zugespammt mit dem Apple-Schrott.

Müsst ihr das so offensichtlich machen? Wir wissen, dass ihr Geld dafür kriegt. Macht das aber besser in der Ecke bei Werbung, denn NACHRICHTEN sind es nicht!
gman537 (28.01.2010, 18:46 Uhr)
ruedi01, sehr lustig
ruedi01, daß sie außer dem Trackpad,nicht auf die Argumente von STR_EDDS eingehen spricht schon für sich. Daß ihnen zum Vergleich Trackpad <-> Fullsize-Touchscreen
jedoch nur '(vielleicht) ja nicht ganz so gelungen' einfällt, ist schon Comedy erster Güte, vor allem das 'vielleicht'. Sehr lustig.
Weiter so, in Ihnen scheint ein verborgenes Talent zu schlummern.
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