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20. August 2008, 10:49 Uhr

Adressen aller Deutschen im Umlauf

Erschreckend: Die Adressen aller Deutschen sollen mittlerweile für Marketingzwecke und Akquise im Umlauf sein. Dazu schwirren Millionen Kontodaten illegal umher. Davon gehen jedenfalls Datenschützer aus. Vor allem Call-Center sollen sich bei den Adressen bedienen.

Zoom

Millionen Daten sollen mittlerweile im Umlauf sein und können missbräuchlich genutzt werden© Hans Wiedl/DPA

Nach Einschätzung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz in Schleswig-Holstein (ULD) sind die Adressen "der gesamten bundesdeutschen Bevölkerung" für Marketingzwecke und Verkaufsakquisen im Umlauf. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, vagabundierten außerdem "etwa 10 bis 20 Millionen Kontodaten" illegal herum. Sie würden insbesondere von Call-Centern für dubiose Geschäftspraktiken genutzt, sagte ULD-Leiter Thilo Weichert der Zeitung. Die sensiblen Daten würden vor allem beim Telefonverkauf, bei Glücksspielen und Preisausschreiben, aber auch bei Verkaufsbörsen im Internet abgeschöpft.

Nach Einschätzung von Weichert stehen die Behörden bei der Aufdeckung des Datenskandals erst am Anfang. "Wir sehen jetzt immer mehr von der Spitze des Eisbergs", sagte er der "SZ". Wie die Zeitung weiter berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln mittlerweile aufgrund von Strafanzeigen gegen die in Dortmund und Köln ansässige Firma LottoTeam. Das Unternehmen soll dem Bericht zufolge aufgrund fingierter Verträge aus Call-Centern die Konten von Verbrauchern geplündert haben. "Wir haben ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsverdachts eingeleitet", bestätigte Oberstaatsanwalt Günther Feld der "SZ". Er gehe davon aus, dass gegen die Firma zwischenzeitlich "überall in Deutschland Strafanzeigen vorliegen werden".

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, die den jüngsten Datenmissbrauch-Skandal aufgedeckt hatte, geht davon aus, dass vor allem in Wirtschaftsunternehmen Personendaten abgeschöpft werden. "Dazu braucht man nur ein bisschen IT-Kenntnisse und kriminelle Energie", sagte Sprecher Thomas Hagen der "SZ". Alle Branchen, in denen Daten gesammelt würden, seien von Datenklau-Skandalen bedroht. Der Kieler Verbraucherschützer will dem Bericht zufolge auch belastbare Indizien dafür vorliegen haben, dass selbst unter Behörden ein illegaler Datenaustausch stattfindet. "Wenn sie ihr Auto beim TÜV angemeldet haben, steht doch meistens einige Wochen später die GEZ wegen der Anmeldung des Autoradios vor der Tür", sagte er der Zeitung.

AFP
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Mechmo (20.08.2008, 14:13 Uhr)
Datenschutz - antiquierter Zierkram
Das Volk bzw. der Wähler wird von den Politikern schon lange nicht mehr ernst genommen. Warum sollte man dann persönliche Daten ernst nehmen? Persönlichkeitsrechte sind für die Macher von Politik und Wirtschaft antiquierter Zierkram, mit dem man heute nicht mehr steuern und lenken kann.
520i (20.08.2008, 12:47 Uhr)
Einer geht noch:
Wenns mit dem Datenschutz bergab geht, hat Schäuble gut rollen.
Aber was solls. Was vernünftiges wird beim Regeirungs-Krisengipfel eh nicht rauskommen, da hat die Opposition schon recht wenn Sie meint, das dies Augenwischerei ist. Schließlich sind die Datenschutzbedenken nicht neu, passiert ist aber bisher nichts. Da werden Nebelkerzen gezündet ohne Ende. Aber die Politker haben ja auch wichtigeres zu tun. Zum Beispiel Ü-Eier verbieten oder sowas. Oh mann....Ich hoffe es gibt so eine derbe Watsche für diese korrupten Wirtschaftsfunktionäre, die sich Volksvertreter nennen bei der nächsten Bundestagswahl...
guzziman (20.08.2008, 12:31 Uhr)
Ist doch nix neues.
Das ist doch schon immer so gewesen. Datenschutz gabs doch noch nie in Deutschland. Beispiel: Vor ca. 12 Jahren hab ich mal mit einem Immobilienmakler zusammengearbeitet, wollte mich da ein anlernen lassen. Dieser hatte früher in einer Bank gearbeitte. Bei einem potentiellen Klienten hat der erst mal bei der Bank seine ehemaligen Kollegen angerufen und sich über die Liquidität des Interessenten erkundigt. "Alles kein Problem, wenn du Kontakte hast." hat er gesagt. Mit ein wenig beziehung wird doch alles preisgegeben und gehandelt. Das wird sich auf nie verhindern lassen. Und einfach abbuchen? Wer seine Konten nicht regelmässig checkt ist selber schuld. Immerhin kann meine eine Abbuchung bis zu 6 Wachen stornieren lassen. Anruf und fax mit Unterschrift genügt.
Und dann war da noch.... die bezeichnung "Rollstuhlgöbbels". VOLL GEIL!!! Hab ich ja noch nie gehört. Selten so gelacht, hat mal wieder etwas Stimmung in meinen triesten Büroalltag gebracht...
whismerh2 (20.08.2008, 12:19 Uhr)
zum Thema wer kennt wen
Ich wollte nicht das jeder, den ich nicht kenne mit ein paar mausklicks
herausfindet, wen ich alles so kenne.
Nicht das ich Paranoia habe oder irgendwas Dramatisches zu verbergen habe, teile ich den Leuten das doch lieber selber mit wenn ich kenne.
Alles andere ist mir zu Joker, auch wenn man diese Seite wohl weniger für Werbeanlysen nutzen kann.
claudking (20.08.2008, 11:42 Uhr)
Mal ehrlich...
sollte nicht besser Telefonwerbung und sonstige Belästigung durch ungewünschte Angebote in welcher Form auch immer verboten werden?
Dann kann auch jeder getrost seine Daten veröffentlichen.
Mit Kontodaten verhält es sich anders. Da bleibt wohl künftig keinem erspart, alle 2 Wochen alle Kontobewegungen zu überprüfen. Kann aber auch nicht schaden.
520i (20.08.2008, 11:37 Uhr)
Zum Thema Wer-kennt-wen und soziale Netzwerke
Natürlich ist es schizophren sich um Datenschutz zu sorgen und seine Daten dort halböffentlich preiszugeben.
Dennoch ist die Argumentation falsch: Nur weil ich meine Daten zu NICHT-WERBEZWECKEN irgendwo angebe soll ich quasi selbstverständlich davon ausgehen, dass Adresshändler diese Daten verwenden und verkaufen und das so akzeptieren? Sehe ich nicht so. Datenweitergabe NUR nach AUSDRÜCKLICHER, persönlich Unterschriebener Einverständniserklärung. Ab damit ins Grundgesetz.
Aber Datenschutz ins Grundgesetz, ohje ohje, das würde Schäuble und den anderen Datenkraken ja garnicht passen.
Clibanarius (20.08.2008, 11:25 Uhr)
Vorsicht...
..einem Händler für Camping- und Caravanzubehör und Reiseportartikel bei Google eingeben: "Neumarkt" und "Campingzubehör" - der erste Treffer ist das Gesuchte!).
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Dieser Händler hat meine Adresse aus einer einmaligen Bestellung im Jahr 2006 an die Marketingfirma Mail Select Group in Hamburg "weitergegeben" (sollte besser gesagt werden: verkauft), die es dann gleich für die Fa. Bose nutzte. Für eventuelle Mitleser aller dieser Firmen: Ich kann alles schriftlich dokumetieren.
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Die Fa. Bose reagierte auf meine Drohungen rechtlicher Schritte, worauf mich das Marketingunternehmen anschrieb, daß sie meine Adresse von dem Campinghändler habe.
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Als ich dann diesen Anschrieb, was für eine unglaubliche Schweinerei ich das finde, bei Wiederholung sie mit rechtlichen Schritten, publikmachens ihres Umganges mit Kundendaten zu rechnen hätten und sie niemals eine Erlaubnis von mir für eine Adressweitergabe, antworteten sie an allen ernstes, ich hätte mit meiner Bestellung (!!) meine Einverständnis gegeben - was natürlich völlig unsinnig und nachweislich falsch ist.
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Das ist insofern bemerkenswert, weil ich seit vielen Jahren sehr viel Online bestelle und bei sicherlich 10-15 Shops registriert bin, aber in all den Jahren nur diese eine Bosewerbepost erhielt, dank einer Fa., die Adressen verkauft und glaubt es kommt schon nicht heraus. Seriöse Firmen geben nun mal keine Adressen ihrer Kunden weiter, auch nicht mit halbseidenen und fadenscheinigen Begründungen.
claudking (20.08.2008, 11:20 Uhr)
Telefonbuch
Ich verstehe die Aufregung nicht. Meine Adresse steht im Telefonbuch, die kann jeder haben.
whismerh2 (20.08.2008, 11:13 Uhr)
@blacky007
Da bin ich ja froh, das ich nicht zu
den,jeder zweite zählt dazu gehöre.
Aber in einem hast Du Recht, Nur als Beispiel, es gibt da diese berühmte Internetseite " Wer kennt wen ",
seit dem die Seite bei uns in der Firma bekannt ist, ist jeder zweite
darauf mit Bildern und Infos vertreten.Auf mein Bedenken das man sich dadurch ziemlich gläsern machen würde,ernte ich denberühmten
" Mirdochegalblick", tja was soll man machen, gläsern werden wir so oder so,und die diversen Foren machen einen gewiss auch nicht unsichtbarer.
Trotz alledem gewisse Daten gehören nicht ins Netz, da fehlt halt noch bei vielen die eignetlich wichtige
Sensibilität in diesem Bereich.
Und was die mit dem Bundestrojahner vorhaben ist schier unverschähmt ;-)
Blacky007 (20.08.2008, 10:59 Uhr)
Datenschutz - was regen sich Menschen bloß unnötig auf
Datenschutz ist ein Märchen - sonst nichts und wird sogar vom Gesetzgeber völlig legal ausgehebelt. Wer heute eine Website - kommerziell oder nicht kommerziell betreibt- ist verpflichtet konkrete Adressdaten (bei komerziellen auch Banlverbinding und Steuernummer)- auf der Website anzugeben. Damit schwirren doch ohnehin millionen Adressdaten völlig frei zugänglich für jedermann im Internet rum und nun regen sich Menschen über diese "ach so neue Erkenntnis der Datenweitergabe" mal richtig auf? Dabei ist jeder zweite ohne Probleme bereit, siene Daten anzugeben, sobald es um ein Glücks- oder Gewinnspiel gibt.Irgendwie sind Menschen ganz schön schizophren.
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