HOME

Kunst auf vier Kilobyte

Kunst und Informatik vereinen sich in der Demo-Szene: Programme erschaffen kompakte und in Echtzeit berechnete Musikvideos. Längst sind Demos die Visitenkarten der besten Programmierer. Zum Szenetreffen der "Evoke" in Köln läuft derzeit ein Wettbewerb um das beste Demo.

Von Kathrin Warncke

Das Raumschiff rast durch den rötlichen Abendhimmel, links und rechts flitzen Wolken vorbei. Das Ziel ist direkt vor Augen: Der Wüstenplanet ähnelt einem rot leuchtenden Feuerball. Dies ist keine Szene aus einem Star-Trek-Film, sondern die Sequenz aus einem so genannten Demo.

Demos sind computergenerierte Musikkurzfilme, die Grafik- und Klangeffekte zeigen. Die Programme erschaffen die Kunst in Echtzeit und reizen so die Hardware bis zum letzen aus. Bei großen Demo-Events treffen sich Hunderte von Demo-Fans, die ein Public-Viewing der kreativen Filme veranstalten. Waren es anfangs noch familiäre Runden mit wenigen, befreundeten Programmierern, finden heute schon teilweise tausende Zuschauer zusammen. Die Szene löst sich von ihrem Kellerkinder-Image und mausert sich langsam zum Massenphänomen.

Die Entwicklung eines solchen Demos würde manchen Programmierer ins Schwitzen bringen: Ein Kurzfilm soll programmiert werden, kreativ und visuell herausragend gestaltet, mit Musik und Animationseffekten. Die Herausforderung besteht in der Größe des geschriebenen Programmes: die kleinsten Demos dürfen nur 4 oder 64 Kilobyte groß sein. Das ist weniger Speicherbedarf als bei einem leeren Word-Dokument.

Visitenkarte für Programmierer

Kreative Programmierer erstellen in einem lockeren Zusammenschluss regelmäßig Demos. Die Geschichte der Demo-Szene ist jung und kriminellen Ursprungs: In den achtziger Jahren waren die ersten Demo-Programmierer Cracker. Beim Knacken kopiergeschützter Spiele hinterließen sie ihre persönliche Signatur, die möglichst wenig Speicher verbrauchen durfte. Die Signatur bestand aus einem Intro, das vor Beginn des Spieles angezeigt wurde. Sie war das Statussymbol des erfolgreichen Crackers. Mit zunehmend leistungsfähigeren PCs und Notebooks konnten aufwändigere Intros erstellt werden.

Von da an widmeten sich viele Cracker nur noch der Programmierung der Intros und weniger dem Knacken von Games. Die Demoszene war geboren. Es begannen erste, lockere Wettbewerbe unter befreundeten Demo-Fans. Sie konkurrierten darum, wer das spektakulärste und gleichzeitig kleinste Intro entwickeln konnte. Die Videos wurden zu den Visitenkarten der Programmierer. Ein anerkanntes Demo zu produzieren war sehr viel anspruchsvoller als einen Kopierschutz zu knacken.

"Instant Zen" von Synesthetics

Je aufwändiger die Demos, desto mehr künstlerischer Einfluss kommt von außen dazu. Zu den Entwicklerteams gesellen sich Musiker für die Komponierung und Abstimmung der Musik. Auch Grafiker und Künstler arbeiten mit eigenen Kreationen an den Projekten mit. Sie erstellen Bilder, Animationen und Schriftzüge. Einige Entwicklerteams gewinnen dabei große Bekanntheit für ihre Werke. Zu ihnen gehören Teams wie ASD, Farbrausch, Fairlight und Gruppen mit ähnlich exotischen Namen. Dahinter verbergen sich Programmierer, die ihre Kreativität in der Freizeit ausleben wollen. Viele unter ihnen programmieren hauptberuflich Spiele, die von Vorgaben nicht abweichen dürfen. Die Demoszene ist ihre Spielwiese. Trotz der regen Beteiligung agierte die Szene bislang noch im Untergrund.

Demos mit Qualität eines Kurzfilms

Neuerdings sorgen Veranstaltungen, Partys und Wettbewerbe für mehr Aufmerksamkeit. Die Intros haben die Qualität eines Kurzfilmes und werden mit viel Aufwand produziert. Auf der Evoke, der zweitgrößten Demo-Party in Deutschland, werden im August die Sieger der Intel Demo Competition gekürt. Die Sieger erwartet viel "fame", Ruhm, wie es in der Demoszene genannt wird.

Veranstaltungen wie Breakpoint und Evoke sind das Zentrum der deutschen Demoszene. Hier treffen sich die Entwicklerteams und verfolgen über Beamer die kreativsten Projekte aus der internationalen Demo-Szene. Bei den zusammengewürfelten Gruppen kann es schon vorkommen, dass die Musik aus Finnland, die Bilder aus Polen und die Programmierung aus Spanien stammt. Vor allem europäische Teams wetteifern bei den Events um das beste Demo.

Dafür überraschen die Werke damals wie heute mit einer erstaunlichen Vielfalt. Jeder Schatten und Effekt muss genau zum Ton passen, Bewegungen im Bild synchron ablaufen. Auch für die Hardware ist ein solcher Demo-Wettbewerb eine Herausforderung.

Den ehemaligen Gewinnerteams ist an sich schon ein Ruf gesichert, der über die Landesgrenzen hinausgeht. Auf den Szenepartys treffen sie zusammen, kämpfen um die besten Plätze, feiern und trinken. Demo-Anhänger aus der ganzen Welt reisen über tausende Kilometer Entfernung nach Europa, um an den Veranstaltungen teilzunehmen. Dies ist für künftige Siegerteams wichtig, denn vor Ort können sie Techniken austauschen und neue Kontakte knüpfen. Zum Schlafen kommen die Besucher während der paar Tage kaum.

Assembly als Mekka des Demo-Kults

Die Disziplinen der Wettbewerbe sind ebenso exotisch wie seine Besucher. Sie reichen von den besten Musikstücken über die beste ASCII-Art bis hin zum Diskettenweitwurf. Die "Wild"-Kategorie sucht den exotischsten unter den Beiträgen aus. Damit die Demos in Bezug auf den Speicherbedarf vergleichbar sind, gibt es verschiedene Kategorien mit einer maximalen Speichernutzung.

Die Veranstaltungen sind keine Treffen mehr von Nerds allein. Auch auf Messen und Kunstausstellungen werden Demos und Intros immer häufiger gezeigt. Doch Interessierte müssen noch nicht einmal zu den Treffen fahren: Im Internet lassen sich die Beiträge runterladen. Die Demos sind so konzipiert, dass sie auch auf Handys, Gameboys und Spielekonsolen angeschaut werden können.

"Hofn" von Xplsv

Weltweit haben sich große Vorführungen etabliert, die zum Mekka des Demo-Kults wurden. Die größte unter ihnen ist die Assembly Demo Party, die seit 1992 jedes Jahr in Helsinki stattfindet. Rund 5000 Programmierer, Entwickler und Interessenten pilgern mittlerweile zu den Vorführungen. Damit ist die Szene längst dem Untergrund entwachsen.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.

Partner-Tools