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Sieg der Pixelarchitekten

So sieht ein Kino- Blockbuster unter Computerfreaks aus: Auf der Evoke in Köln wurde das beste programmierte Kurzvideo gekürt. Aus aller Welt reisten Programmierer und Künstler an - und feierten die besten digitalen Kunstwerke.

Von Kathrin Warncke

"Wir haben überhaupt nicht mit dem Sieg gerechnet!" Christian Melsa ist noch sichtlich überwältigt. Eben haben er und seine drei Teamkollegen die Intel Demo Competition auf der zweitgrößten Demoparty Deutschlands gewonnen. "Wir gehen erst mal ein Bier trinken, Fragen können wir jetzt noch nicht beantworten."

In der Zwischenzeit laufen auf einer Großleinwand Demos aus den letzten 20 Jahren. Für Laien sind sie ein paar einfache Kurzvideos. Für Profis das Maß aller Dinge. Sie programmieren die mehrminütigen Kurzfilme frei nach dem Weniger-ist-mehr-Prinzip. Atemberaubende Animations-Fahrten, Musik und Effekte werden in wenige Kilobyte gepresst. Eine Herausforderung für Programmierer - und erst recht für die Hardware. Der Chip-Hersteller Intel hat auf der 10. Evoke in Köln die Intel Demo Competition ausgerufen. Die besten Demos haben hier die Chance auf eine breitere Öffentlichkeit- und Respekt, der ihnen für die Arbeiten gebürt. Per Online-Voting konnten Internetnutzer auf der Intel-Website abstimmen - die Gruppe Still hat gewonnen.

"Schreien ist das größte Lob"

Rund eine Stunde später haben sich drei von ihnen auf einem Sofa wieder zusammengefunden. In der Szene ist die Gruppe Still den meisten nur als Pixtur, Sire, Map und Nero bekannt. Nero feiert von zu Hause das doppelte Glück - er wurde zum zweiten Mal Vater. "Wir sind immer noch ganz überrascht vom Sieg. ASD und Fairlight hatten auch klasse Demos", erzählen die drei Demo-Entwickler drauflos. Doch die Gruppe ASD belegte den dritten Platz, Fairlight den vierten. Was war ihr Erfolgskonzept, brachte doch die Entwicklung erst erhebliche Probleme mit sich? Erst sprang der Musiker ab, dann der Zeitdruck. "Es war schwierig", erinnert sich Thomas "pixtur" Mann, der sich selbst als "Pixelarchitekt" bezeichnet. Doch die findige Gruppe sorgte schnell für Ersatz. Christian "Sire" Melsa übernahm die Komposition. "Da haben wir gemerkt: Das kann noch richtig was werden! Und dann haben wir noch mal ordentlich Energie reingesteckt."

Alle drei arbeiten im normalen Leben als Programmierer. "Ich programmiere Spiele im Alltag. Aber da kann ich nicht immer alles an Ideen umsetzen." Stefan "Mad" Mader ist mit 28 der jüngste in der Demo-Gruppe. Die meisten Demo-Entwickler in der Szene sind Mitte dreißig. Demos haben für die Gruppe Still einen hohen Stellenwert: "Das Programmieren ist ein wichtiger Ausgleich zum Arbeitsalltag. Auf der Demoparty gibt es immer ein direktes Feedback vom Publikum. Und man kann sich kreativ richtig austoben." Für Still hat es sich gelohnt - sie sind die diesjährigen Gewinner der Intel Demo Competition. Und Besitzer von zwei nagelneuen Commodore-Spiele-PCs mit Intel-Prozessoren. Doch das war nicht der Grund für ihre Teilnahme. "Die Reaktion der Zuschauer ist immer am schönsten. Wenn sie schreien und jubeln, ist es das größte Lob." Und sie haben geschrieen. "Hey, geiles Video!" tönte es immer wieder unter den Zuschauern. Jubel, Applaus, Pfiffe. Nicht anders als im Kino bei einem Blockbuster-Film.

"Instant Zen" von Synesthetics

Familienalbum für die Demoszene

Noch zwei weitere Tage bleiben den Besuchern, um die Gruppe Still persönlich kennenzulernen. Geschätzte 150 Demo-Anhänger haben sich in der Vulkanhalle in Köln-Ehrenfeld eingefunden, in den nächsten Tagen erwartet der Veranstalter Digitale Kultur e.V. rund 350 Besucher. Auf der Evoke treffen sich Computerfreaks und Künstler aus aller Welt. Am C 64 lassen sie bei einem Kölsch die alten Zeiten wieder aufleben. Oder wurschteln die ganze Nacht durch für den Feinschliff an ihren Demos. Denn auf der Evoke stehen noch weitere Wettbewerbe an.

Die Kategorien haben klangvolle Namen wie Wild, Graphics und Music. Je nach Titel muss das Demos sich dafür auszeichnen. Dieses Jahr tritt noch eine zusätzliche Kategorie hinzu, Memories. Mit ihr erhält das familiäre Image der Evoke ein wenig Futter: Die Teilnehmer können aus zehn Jahren Evoke Kurzgeschichten, Fotos, Videos oder auch Audioschnipsel einreichen, natürlich nur in Demoform. So basteln sie gemeinsam ihr eigenes Demo-Familienalbum. Aber erst einmal wird gefeiert. "Einige haben noch nicht mal einen Schlafsack mit, die wollen nur feiern und Demos bauen", berichtet ein Demo-Anhänger. Dann muss er weiter programmieren, die Zeit drängt. Und was fängt das Siegerteam mit der angebrochenen Nacht an? "Och, wir gehen jetzt noch was feiern und danach wird wieder programmiert. Es gibt noch viel zu tun bis morgen."

"Hofn" von Xplsv

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