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Das unterschätzte Format

Wer seine Foto- oder MP3-Sammlung auf CDs oder DVDs ausgelagert hat, kann in einigen Jahren eine böse Überraschung erleben: Die Medien sind nicht mehr lesbar, die Daten verloren. Für die Langzeitarchivierung gibt es ein besseres Medium: die weit gehend unbekannte DVD-Ram.

Von Rainer Mersmann

Die Hersteller von beschreibbaren CDs und DVDs werben zwar mit einer Haltbarkeit von zehn Jahren, die gilt jedoch nur dann, wenn die Medien unter optimalen Bedingungen gelagert werden. Aber welcher Verbraucher bewahrt seine Silberscheiben schon bei 18 Grad Celsius, 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit und im Dunkeln auf? Im Wohnzimmerregal verkürzt sich die Lebensdauer der selbst gebrannten Scheiben auf drei bis vier Jahre - wird in dem Zimmer geraucht, ist sie noch kürzer. Schuld daran ist das so genannte Dye, eine organische Farbschicht, in die der Laser des Brenners die Daten schreibt. Zwar ist das Dye mit einem Schutzlack überzogen, aber Umwelteinflüsse wie Sauerstoff, Luftfeuchtigkeit oder Zigarettenrauch durchdringen langsam diese Schicht und zerstören die Farbe. Noch aggressiver sind die UV-Strahlen des Tageslichts - sie bleichen den Farbstoff regelrecht aus.

RW-Medien: Metall statt Farbe

Langlebiger sind die wieder beschreibbaren Medien DVD-RW, DVD+RW (im Folgenden als DVD±RW bezeichnet) und DVD-Ram. Die Schicht, in die die Daten geschrieben werden, besteht hier nicht aus einem organischen Farbstoff, sondern aus einer Metall-Legierung. Damit sind diese Medien weit gehend lichtunempfindlich und auch gegen Umwelteinflüsse resistenter. Auch die Art, wie die Daten auf die Scheiben gebrannt werden, ist bei allen drei Formaten ähnlich: Der Laser des Brenners erhitzt die Metallschicht. Je nach Energie und damit Temperatur des Laserstrahls bilden sich kristalline (gut reflektierende) oder amorphe (schlecht reflektierende) Bereiche. Doch abgesehen von dieser Metallschicht und der Speicherkapazität von 4,7 Gbyte haben DVD±RW und DVD-Ram nichts gemeinsam.

Gravierende Unterschiede

Während die DVD±RW auf maximale Kompatibilität zur Video-DVD ausgelegt ist und in allen DVD-Playern abgespielt werden kann, setzt die DVD-Ram auf maximale Datensicherheit. Nur wenige hochwertige DVD-Player können auch diese Medien abspielen. Das liegt an der Art, wie die Daten gespeichert werden. Eine DVD-Ram ist, wie eine Festplatte oder Diskette, in Sektoren unterteilt, die in konzentrischen Ringen angeordnet sind. Bei einer DVD±RW werden die Daten dagegen in einer langen Spirale von innen nach außen gebrannt - und das hat Nachteile: Weil immer wieder die gleichen Stellen überschrieben werden, macht sich nach einiger Zeit Materialermüdung bemerkbar. Zwar soll die DVD±RW nach Herstellerangaben 1000-mal wieder beschreibbar sein, bei normalem Gebrauch liegt der Wert jedoch weit darunter. Ob die geschriebenen Daten in Ordnung sind, überprüft eine DVD±RW in einem zweiten Durchgang - erst wird geschrieben, dann gelesen. Treten dabei Lesefehler auf, ist sie reif für die Entsorgung.

Anders die DVD-Ram - ihr Aufbau ist mit einer Festplatte vergleichbar, und sie wird vom Betriebssystem als Wechseldatenträger behandelt. Die Daten werden schon während des Brennens überprüft - lässt sich ein Sektor nicht beschreiben oder lesen, wird er als defekt markiert, und die Daten werden in einen anderen Sektor geschrieben. Auch wenn eine Stelle der DVD-RAM erst nach mehreren Versuchen lesbar ist, wird sie als defekt gekennzeichnet. Ein intelligentes Schreib-Management sorgt außerdem dafür, dass alle Sektoren gleichmäßig beschrieben werden. Besonders wichtig ist dies für das Inhaltsverzeichnis der DVD-Ram - bei häufigem Überschreiben wird so Materialermüdung einzelner Sektoren vermieden.

Das Formatieren einer DVD-Ram dauert aufgrund der Sektorierung nur einige Sekunden. Üblicherweise stehen die Scheiben vorformatiert im UDF-Dateisystem (Universal Disk Format) in den Regalen. Sie lassen sich theoretisch aber auch mit jedem anderen Dateisystem formatieren. Allerdings ist dann die Performance nicht immer gut und die Lebensdauer kann sich verkürzen. Für Linux, Mac OS (ab OS 8.6) und Windows Vista sind weder spezielle Treiber noch spezielle Software nötig. Windows XP kann eine DVD-RAM zwar lesen, aber nur beschreiben, wenn diese mit dem Dateisystem von Windows 95/98 (FAT32) formatiert sind. Alle anderen Betriebssysteme benötigen eine Software wie "InCD". Mit "InCD" kann auch Windows XP eine UDF-formatierte DVD-Ram beschreiben. Diese Software liegt normalerweise dem Brenner bei.

Der Dauerbrenner

Defekte-Management sowie intelligentes Beschreiben der Sektoren sorgen dafür, dass die DVD-Ram, solange sie nicht mechanisch zerstört wird, äußerst lange haltbar ist - die Hersteller garantieren 30 Jahre. Die Medien mit 2- und 3-facher Brenngeschwindigkeit sind 100.000-mal überschreibbar. Medien ab 5-facher Geschwindkeit - das Maximum liegt derzeit bei 12-fach - können laut Herstellerangaben 10.000-mal neu beschrieben werden. Für die Langzeit-Archivierung wichtiger Daten, wertvoller Fotos oder der Musik-Sammlung ist die DVD-Ram also das ideale Medium.

DVD-Ram-Medien gibt es mit 80 Millimeter Durchmesser und einer Kapazität von 2,58 Gigabyte im so genannten Cartridge, einer Schutzhülle. 120-Millimeter-Scheiben können 4,7 Gigabyte (einseitig) oder 9,4 Gigabyte (zweiseitig) speichern. Es gibt sie wahlweise im Cartridge oder in einer normalen CD-Hülle.

Phönix aus der Asche

Die DVD-Ram ist übrigens das älteste der wieder beschreibbaren Medien. Bereits 1996 einigten die Mitglieder der Industrievereinigung "DVD Forum" sich auf diesen Standard. Marktpolitische Interessen führten aber dazu, dass die DVD±RW promotet wurde und die DVD-Ram fast in Vergessenheit geriet. Erst seit vor einigen Jahren die Hersteller von DVD-Camcordern und DVD-Videorekordern die Scheiben wegen ihrer problemlosen Wiederbeschreibbarkeit und einfachen Handhabung als Standard etablierten, gewinnt die DVD-Ram wieder an Bedeutung. Fast alle heute erhältlichen PC-DVD-Brenner sind so genannte "Multi-Format-Brenner" oder "Super Multi DVD-Brenner" und können das Format verarbeiten. Allerdings sind DVD-Ram-Medien um einiges teurer als die DVD±RW-Medien - ein Fünfer-Pack in normaler CD-Hülle kostet ab 18 Euro. Mit steigender Beliebtheit dürften aber auch hier die Preise sinken.

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