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Windows XP verkommt zur Virenschleuder

Am 8. April endet der Microsoft-Support für Windows XP. Das Betriebssystem ist hoffnungslos veraltet und unsicher - und läuft trotzdem noch auf acht Millionen deutschen PCs. Es wird Zeit, zu wechseln.

Von Christoph Fröhlich

  Das betagte Microsoft-Betriebssystem Windows XP wird in wenigen Wochen zur unkalkulierbaren Virenschleuder.

Das betagte Microsoft-Betriebssystem Windows XP wird in wenigen Wochen zur unkalkulierbaren Virenschleuder.

Es ist ein Ende mit Ansage: Vor zwei Jahren gab Microsoft bekannt, dass das Unternehmen am 8. April 2014 den Support für das Betriebssystem Windows XP und die Bürosoftware Office 2003 einstellen wird. Dann wird es keine neuen Updates geben, Sicherheitslücken werden nicht mehr gestopft. Das technologische Umfeld habe sich zu sehr verändert, die Software sei vielen modernen Anforderungen schlicht nicht mehr gewachsen, sagte Microsoft damals. Deshalb sollten alle Nutzer auf sicherere Alternativen wie Windows 7 oder das später veröffentlichte Windows 8 umsteigen.

Das war nicht nur Marketinggeplänkel, um den Kunden eine neue Software anzudrehen. Viele Experten warnen immer wieder vor dem unsicheren Windows XP. Denn mit jeder neu entdeckten Schwachstelle wird das Betriebssystem anfälliger für Kriminelle. Wer es über das von Microsoft diktierte Verfallsdatum weiter nutzt, riskiert, Opfer von Hackern und Virenprogrammierern zu werden. Und er wird zur unfreiwilligen Virenschleuder, wie eine Studie des tschechischen Antivirus-Unternehmens Avast zeigte. Demnach betreffen drei Viertel aller Trojaner-Infektionen den Betriebssystem-Oldtimer. Auch Microsoft-Analysen zeigen, dass XP-Besitzer doppelt so oft mit Schadsoftware zu kämpfen haben wie Windows-7-Besitzer und sogar viermal häufiger als Nutzer von Windows 8.

Windows XP weit vor Winodws 8.1

Doch genützt hat es nur wenig: Weltweit ist Windows XP noch immer auf fast 30 Prozent der Computer installiert. Damit liegt es hinter Windows 7 (47,3 Prozent) und meilenweit vor dem Ladenhüter Windows 8 samt Erweiterung 8.1 (10,7 Prozent). Allein in Deutschland ist das Betriebssystem, das bald 13 Jahre auf dem Buckel hat, auf acht Millionen Computern installiert. Besonders schockierend: Nicht nur viele Privatnutzer haben den Umstieg verpennt, sondern auch Unternehmen und Organisationen.

Wie das Techportal "Heise Online" herausfand, ist das selbst beim Deutschen Bundestag der Fall: Auf den 7238 IT-Arbeitsplätzen, die die Bundestagsverwaltung betreut, laufen noch 5419 Geräte mit Windows XP. Das sind 75 Prozent - und sie alle stehen ab Anfang April ohne Support da. Auch die US-Bankenbranche zittert vor dem 8. April, denn knapp 95 Prozent aller Geldautomaten nutzen noch Windows XP und sind damit ein gefundenes Fressen für Cyberkriminelle.

Ein zu langes Zögern kann nicht nur aus Sicherheitsgründen zum Problem werden. Viele Hardware-Hersteller unterstützen Windows XP gar nicht mehr. Treiber für Scanner, Drucker oder Smartphones sucht man immer häufiger vergebens. Die Inkompatibilitäten mit dem Uralt-Windows werden zunehmen, moderne Programme werden nur für neuere Windows-Versionen geschrieben. "PC-Leistungen werden mit XP nicht adäquat ausgenutzt, beispielsweise in Bezug auf Bluetooth, Wlan, schnellere USB-Ports, hochauflösende Bildschirme oder Touchscreens", sagte ein Microsoft-Sprecher auf Anfrage von stern.de.

So gelingt Ihnen der Umstieg

Bis zum 8. April ist noch genug Zeit, auf ein moderneres Betriebssystem umzusteigen. Ob Ihr Computer technisch dazu überhaupt in der Lage ist, können Sie mit Microsofts Upgrade-Assistenten herausfinden. Das Tool ist kostenlos und untersucht den PC, die Desktop-Apps und angeschlossene Geräte auf ihre Kompatibilität mit einer höheren Version von Windows. Auf Wunsch kann das neue Betriebssystem direkt gekauft und installiert werden.

Wichtig: Da sich die Systemarchitektur der Betriebssysteme im Laufe der Jahre grundlegend geändert hat, gehen beim Umstieg von XP-Rechnern auf Windows 7, 8 oder 8.1 persönliche Daten und Einstellungen verloren. Am besten sichern Sie Ihre Videos, Bilder, Fotos und E-Mails auf einer externen Festplatte. Microsoft stellt dafür das Tool Windows-EasyTransfer zur Verfügung. Außerdem gibt es eine ausführliche Anleitung für den Umstieg. In Kürze wird Microsoft zusätzlich das Programm PCmover Express unter www.windowsxp.com zum Download anbieten, mit dem sämtliche persönlichen Daten und Einstellungen vom einen auf den anderen Rechner transferiert werden können.

Doch Microsoft versucht nicht nur, mit nett gemeinten Hinweisen und Tools die Nutzer zum Umzug zu bewegen. Ab 8. März, einen Monat vor Ablauf der Suport-Frist, werden XP-Nutzer mit einem Popup auf dem Desktop genervt. Das Infofenster weist den User permanent darauf hin, dass sein Betriebssystem ab 8. April nicht mehr mit kritischen Sicherheitspatches versorgt wird.

Tipps für Wechselunwillige

Wer das Betriebssystem nicht wechseln will oder kann, sollte ab 8. April auf der Hut sein. Der Madgeburger Sicherheitsexperte Andreas Marx empfiehlt, alle verfügbaren Sicherheitsupdates und Programmaktualisierungen für Windows XP zu installieren. "Dazu zählen auch neue Versionen des Internet Explorers, selbst wenn man diesen gar nicht zum Surfen nimmt, da er auch viele Windows-Sicherheitsverbesserungen von Version zu Version mit sich bringt", empfiehlt Marx.

Außerdem sei es empfehlenswert, auf einen alternativen Browser wie Chrome oder Firefox umzusteigen. In diesem Test erfahren Sie, welcher Browser am besten ist. Ein neuer Browser sei zwar sicherer, doch längst nicht ausreichend, sagt der Experte: "Wenn Sie einen weiteren Rechner oder ein Tablet haben, dann sollte man lieber dieses zum Surfen zu verwenden."

Nicht benötigte Programme sollten am besten deinstalliert werden. Software wie Java oder Adobe Flash müssen unbedingt auf dem neuesten Stand gehalten werden, denn diese werden oft als Einfallstor für Schadsoftware missbraucht. Wie Sie die neueste Flash-Software installieren, erfahren Sie hier.

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