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Fernseher mit Augen und Ohren

Apple hat die Idee einer Sprachsteuerung nicht exklusiv. Schon bald kann man auf Zuruf zappen: Denn auch die TV-Hersteller suchen nach Alternativen zur guten alten Fernbedienung.

Von Nora Schlüter und Helene Laube, Las Vegas

  Samsungs Fernseher der ES8000-Serie können in Zukunft Gesichter erkennen

Samsungs Fernseher der ES8000-Serie können in Zukunft Gesichter erkennen

Der geschniegelte junge Mann in Samsungs Werbevideo lächelt freundlich. "Hallo, Fernseher", sagt er. Und schon stellt das Gerät die Mikrofone scharf. Umschalten, Anwendung wechseln, Sendungen im Internet suchen: Alles funktioniert auf Zuruf. Wem es die Sprache verschlägt, der kann seine Hände benutzen. Eine Kamera erkennt, ähnlich wie bei Microsofts Spielkonsole Xbox Kinect, die Position der Hand sowie bestimmte Gesten und wandelt sie in Befehle um.

"Der Fernseher hört, sieht - und tut, was du tun willst, ohne dass du jemals eine Fernbedienung berühren müsstest", frohlockt Yoon Boo-keun, Präsident von Samsungs Unterhaltungselektroniksparte, während der Pressekonferenz in Las Vegas. Gesichtserkennung macht es bei den kommenden Modellen der ES8000-Serie möglich, dass jedes Familienmitglied sich auf dem Fernseher sein eigenes Menü zusammenstellen kann.

Es ist die Software, Dummerchen!

Auf der laufenden Elektronikmesse CES rücken Hardwarespezifika zunehmend in den Hintergrund. Die Hersteller von Fernsehern und PCs sind gleichermaßen gezwungen, sich zu Softwarespezialisten zu wandeln. Nicht nur Samsung setzt auf neue Interaktionsformen. Auch LG und Lenovo versprechen Fernseher mit Augen und Ohren. Intel kündigt an, dieses Jahr Sprachsteuerung auf die superdünnen Ultrabooks zu bringen. Auch die Gestensteuerung dafür existiert bereits als Prototyp.

Microsoft-Chef Steve Ballmer kündigte bei seiner vorerst letzten Eröffnungsrede auf der Elektronikmesse an, dass die für Microsofts Spielkonsole Xbox 360 entwickelte Gestensteuerung Kinect ab 1. Februar auch mit Windows-PCs eingesetzt werden kann. Ballmer nannte keine Einzelheiten, aber PC-Nutzer dürften Programme auf ihrem Rechner dann auch mit der Stimme oder Gesten steuern. Ballmer nannte keine Einzelheiten, sagte aber, dass Microsoft mit über 200 Unternehmen wie Mattel und Boeing an entsprechenden Anwendungen arbeite. Die Kinect-Technologie, mit der Nutzer bereits Xbox-Spiele und über die Spielkonsole empfangene Fernsehprogramme und Videos bedienen können, gehört zu den erfolgreicheren Erfindungen von Microsoft. "2012 ist das Jahr der Benutzeroberfläche", sagt Shawn DuBravac, Chefökonom des Branchenverbands CEA. Zu tun gibt es gerade bei Fernsehern mit Internetverbindung einiges. "Seine E-Mails auf einem Bildschirm mit 55 Zoll Bildschirmdiagonale zu checken, ist eine sehr miese Erfahrung", witzelt DuBravac.

Weniger ist mehr beim TV-Menü

Die Fernsehhersteller konzentrieren sich daher darauf, die Menüs auf dem Bildschirm aufzuräumen und Inhalte leichter zugänglich zu machen. Auch die Fernbedienungen, zwischenzeitlich zu Monstren mit Volltastatur verkommen, werden wieder schlanker. LGs Magic Remote funktioniert ähnlich wie der Controller der Wii-Konsole, mit der man einen Mauszeiger durch Bewegungen steuern kann.

Wie viel Spaß Nutzer daran haben, ihren Fernseher mit Bewegungen und Befehlen zu steuern, wird von der Qualität der Software abhängen. Die Sprachsteuerung von Handys reagiert bis heute oft mit quälendem Unverständnis. "Komplexe Nutzeroberflächen sind sehr schwierig mit der Stimme zu steuern - man stelle sich etwas mit vielen Auswahlmöglichkeiten wie einen elektronischen Programmführer vor", sagt Paul Gray, Analyst beim Marktforscher NPD Display Search. "Ich bin noch nicht überzeugt. Andererseits hat sich die Fernbedienung in den letzten 30 Jahren nicht weiterentwickelt, es ist also an der Zeit, aufzuholen." Oliver Ahrens, der für Acer die Geschäfte in Europa, Afrika und dem mittleren Osten leitet, sieht Sprachsteuerung auch für Ultrabooks nicht als Revolution, sondern Zusatzfunktion. "Ich denke Sprachsteuerung ist eine Ergänzung zur Steuerung über die Tastatur, und es wird eine Ergänzung bleiben in den nächsten Jahren." Als größeres Thema sieht er die Vernetzung verschiedener Geräte via Internet. "Die Überall-Verfügbarkeit auf eigene Daten, eigene Dateien, eigene Bilder - das ist ein Thema, das überfällig war und das eine Selbstverständlichkeit wird."

Alle Fernsehhersteller kündigten verbesserte Lösungen für die Synchronisation verschiedener Geräte an. Obwohl die Branche mit den Geräten in der Regel kaum Gewinn macht, werden sie nicht müde, die Bedeutung des Gerätes zu betonen. In einer Welt, in der Inhalte über das Netz mühelos von einem Gerät aufs andere gespielt werden können, soll er die zentrale Anlaufstelle werden - "das Herz des Ökosystems", so Yoon.

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