Ausgediente Altstars oder die dritte Schauspielerriege: Die Verbindung von Film und Computerspiel scheiterte in der Vergangenheit häufig an einer entscheidenen Stelle - an der Besetzung. Branchenführer Electronic Arts baut daher jetzt auf amerikanische Serienstars und Topmodels. Von Udo Lewalter

Vom Laufsteg ins Computerspiel: Tricia Helfer arbeitete zehn Jahre lang als Topmodell© Splash News
Seit einigen Jahren schon rücken Film- und Spieleindustrie enger zusammen. Sie greifen wechselseitig auf Inhalte, Marken und Namen zurück. Hollywood-Regiesseure schreiben Geschichten für Videospiele, und Videospiele werden verfilmt - der Erfolgstitel "Tomb Raider" gilt als ein Paradebeispiel für dieses Zusammenspiel. Zudem leihen sich die Spielehersteller gerne mal den einen oder anderen Hollywood-Schauspieler aus, der in Filmsequenzen zwischen den Missionen der Geschichte des virtuellen Abenteuers Leben und ein Kino-Gefühl einhaucht.
Bislang tummelte sich jedoch bestenfalls die dritte Schauspielerriege am Set der Computerspiel-Dreharbeiten. Oder abgehalfterte Akteure wie Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill, der Anfang der neunziger Jahre in den Videosequenzen der Computerspiel-Serie "Wing Commander" den Hauptcharakter Colonel Christopher Blair mimte.
Das ganz große Filmgefühl blieb für den Spieler bislang aus. Das erkannte auch Branchenführer Electronic Arts und engagiert für das neue PC-Strategiespiel "Command & Conquer 3" 20 Schauspieler, die vornehmlich im nordamerikanischen Raum Starruhm genießen. Akteure wie Michael Ironside ("Starship Troopers") und Josh Holloway ("Lost"). Oder die attraktive Kanadierin Tricia Helfer. Das ehemalige Topmodel arbeitet seit 2002 als Schauspielerin. Ihren Durchbruch erlangte sie 2003 als rätselhafter Zylon "Number Six", eine der Hauptrollen in der erfolgreichen Science-Fiction-Serie "Battlestar Galactica".
Wie sie nach Hollywood kam, was sie von Games hält und wie sich die Arbeiten in der Film- und Computerspielbranche voneinander unterscheiden, verrät Tricia Helfer im stern.de-Interview.
Nein, absolut nicht. Ich bin auf einer Farm in Kanada groß geworden. Inmitten von Nichts. Mit neun Jahren habe ich zum ersten Mal den Traktor in den Graben gesetzt. (lacht)
Eigentlich wollte ich Psychologie studieren.
Ich bin in einer Besucherschlange vor dem Kino in meiner Heimatstadt Alberta von einem Scout der Modebranche entdeckt worden. Es ging dann alles rasend schnell.
Ich habe sehr viele Jobs gemacht. Für Ralph Lauren, Chanel, Giorgio Armani, Carolina Herrera, Christian Dior, Claude Montana, Givenchy, John Galliano oder Dolce & Gabbana war ich auf Laufstegen unterwegs. Es war eine interessante Zeit, denn während der zehn Jahre, in denen ich als Model gearbeitet habe, bin ich sehr viel herum gekommen. Deutschland habe ich auch einige Male besucht. Ich war in Hamburg, München und Düsseldorf. Tolle Städte, ein tolles Land.
Ja, der Name Helfer ist deutsch. Die Vorfahren meines Vaters kamen aus Deutschland. Woher genau, das weiß ich leider nicht. Vielleicht meldet sich ja einer Ihrer Leser. (lacht)
Na ja, modeln kann man nicht ewig. Daher habe ich mir sehr viele Gedanken um die Zeit danach gemacht. Ich hatte Gefallen an Kameras gefunden, und irgendwie glaubte ich, Talent zu haben.
Also besuchte ich eine Schauspielschule. Abends, nach der Arbeit. War 'ne harte Zeit. 1999 zog ich dann von Vancouver nach Los Angeles und hing kurze Zeit später den Model-Job an den Nagel.