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Welcher ist der beste neue Browser?

Innerhalb von zwei Wochen sind von den wichtigsten Webbrowsern neue Versionen veröffentlicht worden. Nach Internet Explorer und Googles Chrome strahlt auch der Firefox in neuem Glanz. stern.de erklärt, was die Neuen können – und warum ein Update Pflicht ist.

Von Ralf Sander

  Wer ist besser? IE9 vs. Firefox 4 vs Chrome 10

Wer ist besser? IE9 vs. Firefox 4 vs Chrome 10

Alles neu macht der März – zumindest bei den Internetbrowsern. Die relevanten Programme für den Zugriff aufs Web sind in den vergangenen Tagen in neuen, schöneren und schnelleren Versionen veröffentlicht worden. Nach Googles Chrome 10 und dem Internet Explorer 9 von Microsoft steht nun auch der Open-Source-Browser Firefox 4 zum Download bereit. Angesichts dieser Auswahl stellt sich die Frage: Lohnt sich das Update? Ist vielleicht sogar ein Wechsel beim Surfbrett des Vertrauens sinnvoll? stern.de stellt die drei brandneuen Browser vor.

Streitpunkt Geschwindigkeit

Bevor die Programme im Detail besprochen werden, ein paar Worte zum Thema Geschwindigkeit. Über jedes der gerade veröffentlichten Updates sagen die Hersteller, es handele sich um den schnellsten aller Browser auf dem Markt. Und jeder wird ein Testverfahren finden, das seine Aussage unterstützt. Ergebnisse von Speedtests wie SunSpider, Kraken oder Peacekeeper sind für Webentwickler und Poweruser interessant und wichtig, nicht aber für den durchschnittlichen Normal-Websurfer. Für sie reicht eine Erkenntnis aus: Alle neuen Browser arbeiten wesentlich schneller als ihre direkten Vorgänger. Und die Unterschiede zwischen alt und neu sind deutlich größer als zwischen den einzelnen aktuellen Konkurrenten. Insofern steht eine Empfehlung schon fest: Ein Update auf neue Browsergeneration lohnt sich in jedem Fall. Welches Surfbrett welche Besonderheiten hat, das erfahren Sie jetzt.

  Neu Firefox 4: Die Menüleiste wurde zum Firefox-Knopf oben links, die meisten Schaltflächen sind weg

Neu Firefox 4: Die Menüleiste wurde zum Firefox-Knopf oben links, die meisten Schaltflächen sind weg

Mozilla Firefox 4

Der Firefox-Browser wird seit 2002 unter der Leitung der gemeinnützigen Mozilla Foundation als Open-Source-Projekt von einer internationalen Community entwickelt. Der Browser ist für die Windows-Betriebssysteme erhältlich, aber auch für Linux, Mac OS X und Smartphones. Der weltweite Marktanteil von Firefox beträgt laut dem Webanalysten Statcounter seit einigen Jahren rund 30 Prozent.

Aussehen und Bedienung

Firefox 4 hat abgespeckt. Mit der neuen, schlanken Oberfläche folgt er dem aktuellen Browsertrend, der dargestellten Website so viel Platz wie nur möglich zu lassen. Die Reiter der Tabs sind nun standardmäßig über der Adresszeile angeordnet, können aber an ihren alten Platz unterhalb der URL zurückgebracht werden. Die Zahl der Schaltflächen wurde reduziert: Groß erscheinen der Vor- und der Zurück-Pfeil, deutlich kleiner ist der Home-Knopf und der Zugang zu den Lesezeichen. Die Funktionen "Seite aufrufen", "Laden abbrechen" und "Neu laden" wurden alle in einem Knopf in der Adresszeile vereint, der seine Funktion je nach Situation anpasst. Sehr praktisch - wenn man es weiß. Ein Eingabefeld für Websuchen gibt es immer noch, obwohl man im Firefox 4 den Suchbegriff auch einfach in die URL-Zeile eingeben kann. Die offensichtlichste Änderung: Die gesamte Menüleiste wurde in ein Klappmenü gestopft, das über einen roten "Firefox"-Button oben links erreichbar ist. Wer die alte Menüleiste zurückwill, kann diese über einen rechten Mausklick am oberen Rand des Browser wieder einblenden.

Fortschritte hat der 4er-Firefox auch bei der Tab-Verwaltung gemacht. Die sogenannte Panorama-Funktion bildet alle geöffneten Reiter auf einer Seite ab. Praktisch für mehr Übersicht: In dieser Darstellung können Webseiten inhaltlich sortiert und zu Gruppen zusammengefasst werden. Ebenfalls für mehr Übersicht sorgt die Funktion des "Anpinnens" von Webseiten, die man sowieso ständig geöffnet hat, zum Beispiel Facebook oder den Webmailer. Deren Tabs können zu einem Knopf mit dem Symbol der Website zusammengeschrumpft und am Rand festgetackert werden. So sind sie immer erreichbar, verbrauchen aber kaum Platz auf dem Bildschirm. Und sie werden Teil des Browsers und müssen nicht nach jedem Programmstart von Neuem dort angebracht werden.

Wer Firefox auf mehreren Geräten benutzt, wird sich über die neue "Sync"-Funktion freuen. Sie synchronisiert die Lesezeichen oder die Liste der aufgerufenen Webseiten zwischen mehreren Browsern, sodass man an jedem Rechner oder Smartphone denselben Stand der Dinge vorfindet.

Sicherheit und Webstandards

Firefox hat einige neue Sicherheitsfunktionen verpasst bekommen, die bestimmte Formen von Hackerangriffen (Man-in-the-Middle-Attacken, Cross-Site-Scripting) unterbinden sollen. Außerdem kann der Nutzer durch einen einfachen Haken festlegen, dass bei keinem Aufruf einer Webseite sein Surf-Verhalten und – Verlauf gespeichert und nachverfolgt werden soll ("Do not track"-Funktion). Allerdings funktioniert das nur, wenn sich Werbetreibende und andere Webseiten an diese Regel halten.

Wie alle neuen Browser unterstützt auch Firefox 4 einen Großteil der Funktionen des neuen Webseiten-Standards HTML5.

Der Erfolg des Firefox beruht auch auf seiner riesigen Auswahl an Add-ons, mit denen das Programm um zusätzliche Funktionen erweitert werden kann. Inzwischen bieten die Konkurrenten etwas Vergleichbares, doch Firefox liegt mit mehr als 6000 Add-ons immer noch in Führung. Allerdings werden nach dem Update auf Firefox 4 zumindest für eine Übergangszeit nicht alle für frühere Versionen installierten Add-ons funktionieren.

Kurz und bündig

Firefox 4 ist ein hervorragender Browser geworden, der liebgewonnene Eigenschaften mit vielen Verbesserungen - und endlich wieder mehr Geschwindigkeit - veredelt. Wer mit Firefox bisher zufrieden war und sich an eine mühsam zusammengesuchte Add-on-Sammlung gewöhnt hat, wird auch mit der Version 4 glücklich sein. Und vielleicht ist es einigen Nutzern auch wichtig, dass hinter Firefox kein großes Unternehmen steht.

Zum Download: www.mozilla.com/de/firefox

In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass der neue Firefox-Button nur in Windows Vista und 7 zu sehen sei und nicht in XP. Das ist falsch. Der Knopf ist auch bei Windows XP vorhanden. Der Fehler wurde korrigiert.

  IE9: In dem transparenten Rahmen soll die Website im Vordergrund stehen, nicht der Browser

Neu beim IE9: aufgeräumtes Design und vereinigte Adress- und Suchzeile

Internet Explorer 9

Der Internet Explorer (IE) ist seit 1995 der Webbrowser aus dem Microsoft und seit 1996 Teil der Windows-Betriebssysteme. Die jüngste Version IE9 ist nur für Windows 7 und Vista erhältlich und nicht für ältere oder Microsoft-fremde Betriebssysteme. Der weltweite Marktanteil ist von einem Quasimonopol Ende der 1990er Jahre nun auf rund 45 Prozent gesunken (laut Statcounter).

Aussehen und Bedienung

Mit seinem dünnen, transparenten Rahmen und seinem aufgeräumten Interface hat der IE9 keine Ähnlichkeit mehr mit seinen Vorgängern. Menüs und Einstellungen wurden in die rechte Ecke verbannt. Registrierkarten (Tabs) ordnet der IE neben der Adresszeile an. Die hat es in sich - und ist nun gleichzeitig auch Eingabefeld für Suchanfragen. Tabs kann man flexibler als bei den früheren Versionen anordnen. Wird eine neue Registerkarte geöffnet, zeigt der IE9 automatisch eine Übersicht der am häufigsten besuchten Websites. Eine Funktion, die Konkurrenten wie Chrome und der norwegische Außenseiter Opera schon länger bieten. Einzigartig hingegen ist beim IE9 die neue Funktion "Anheften an der Taskleiste". Webseiten können in der Windows-Taskleiste verankert werden, wo sie direkt – ohne Umweg über den Browser – gestartet werden können. Richtig praktisch wird das durch die Einführung von sogenannten Sprunglisten, die einen direkten Zugriff auf einzelne Funktionen der gespeicherten Seite – beispielsweise Postfach, Einstellungen, oder Kontakte - ermöglichen.

Sicherheit und Webstandards

Microsoft hat den Schutz vor Phishing-Seiten weiter verbessert. Der Smartscreen-Filter wacht über schädliche Software und gefährliche Webseiten. Die dafür benötigten Informationen holt sich der Filter aus einer Datenbank. Ein ganz neues Sicherheitsfeature ist der Tracking-Schutz. Wie bei der ähnlichen "Do not track"-Funktion des Firefox geht es darum zu verhindern, dass Webseitenbetreiber und Werber unbemerkt Daten über das Surfverhalten des Nutzers sammeln. Bei Microsoft funktioniert der Schutz über Listen, in denen der Nutzer festlegen kann, welche Anbieter Informationen über den Anwender sammeln dürfen. So gekennzeichnete Seiten ruft der IE9 nur noch auf, wenn man sie direkt ansurft – und nichts über die vorher angesurften Seiten verraten kann.

Bei der Unterstützung der im Web üblichen Standards war der Internet Explorer über viele Jahre der Konkurrenz meilenweit hinterher. Inzwischen hat Microsoft aufgeholt, und Version 9 stellt den standardfreundlichsten IE aller Zeiten dar. Auch bei der Unterstützung von HTML5 ist Microsoft ein gutes Stück vorangekommen. Kritiker sind allerdings immer noch nicht zufrieden, und auch bei HTML5-Tests schneidet der IE9 immer noch deutlich schlechter als die aktuelle Konkurrenz ab.

Kurz und bündig

Der IE9 ist beste Internet Explorer aller Zeiten, Microsoft hat viel Boden gut gemacht. Doch die Konkurrenz hat zeitgleich ebenfalls hervorragende Updates veröffentlicht. So ist der Internet Explorer doch nur ein guter Browser, für den es sich nicht lohnt, Firefox, Chrome oder Opera zu verlassen. Wer schon immer gerne oder gezwungenermaßen mit dem Internet Explorer arbeitet, sollte sich das Update aber auf keinen Fall entgehen lassen.

Zum Download: www.internet-explorer9.de

  Neu bei Chrome 10: Die Optionen als Tab und das Anpinnen von häufig benutzten Websites (links oben)

Neu bei Chrome 10: Die Optionen als Tab und das Anpinnen von häufig benutzten Websites (links oben)

Google Chrome 10

Chrome ist der jüngste Mitspieler auf dem Browsermarkt und hat es seit seiner Erstveröffentlichung im Dezember 2008 bereits auf Versionsnummer 10 geschafft. Hohe Geschwindigkeit, schlankes Design und Stabilität beim Betrieb gehörten von Anfang zu seinen Eigenschaften. Das von Google entwickelte Programm ist sowohl für Windows XP, Vista und Windows 7 als auch für Mac OS X und Linux erhältlich. Chrome hat besonders in den vergangenen 18 Monaten seinen Marktanteil auf weltweit rund 18 Prozent steigern können.

Aussehen und Bedienung

Mit seinem extrem reduzierten Layout war Chrome der Vorreiter eines Trends, dem jetzt alle anderen Browser folgen. Dennoch ist Chrome an Schlichtheit immer noch nicht zu übertreffen. Die wenigen Schaltflächen sind sehr dezent, das einzige Menü befindet sich hinter einem Schraubenschlüssel-Symbol. In der aktuellen Version 10 werden die Einstellungen in einem eigenen Tab vorgenommen. Praktisch: Man kann die Optionen nach Begriffen durchsuchen. Außerdem bietet Chrome längst viele Features, die andere erst jetzt einführen: die kombinierte Adress- und Suchzeile; das Anheften häufig benutzter Websites am Rande des Browsers; die Synchronisierung mehrerer Browser.

Sicherheit und Webstandards

Bis zur Version 4.0 stand Chrome in der Kritik von Datenschützern, weil jeder installierte Browser eine eindeutige Identifikationsnummer hatte. Inzwischen verzichtet Google darauf.

Bei Chrome wurde darauf geachtet, dass die Tabs im Browser unabhängig voneinander sind und Fehler nur einzelne Tabs und nicht den ganzen Browser zum Absturz bringen können. In Version 10 werden außerdem erstmals Flash-Anwendungen in einen isolierten Bereich gesperrt, sodass sie keinen Zugriff auf den Computer bekommen können. Flash gilt als ein Haupteinfallstor für bösartigen Programmcode.

Zum Schutz vor Phising- und virenverseuchten Webseiten bietet Chrome die Funktion "Safe Browsing", die aufgerufene Adressen mit einer Datenbank gefährlicher Websites abgleicht.

Was die Einhaltung von Webstandards angeht, hat Chrome immer gute Noten bekommen. Das ist auch in der aktuellen Version so. Bei der Unterstützung von HTML5 führt Chrome immer noch die Tests an, obwohl die Konkurrenz massiv aufholt.

Kurz und bündig

Chrome hat sich zu einem ernsthaften Mitspieler im Browsermarkt gemausert, Google macht technisch vieles richtig. Sonst würden sich die Konkurrenten nicht so viel abschauen. IT-Profis und Webkenner schätzen Chromes strenge Ausrichtung an den Standards der Webentwicklung. Für normale Surfer bietet der Google-Browser aber keine signifikanten Vorteile gegenüber der Konkurrenz. Ein Ausprobieren aus Neugier kann sich dennoch lohnen. Das kantige Design des Google-Browsers ist allerdings Geschmackssache. Es gilt: Wechseln vielleicht, updaten unbedingt.

Zum Download: www.google.com/chrome

Fazit

In der neuen Browsergeneration sind die Qualitätsunterschiede zwischen den Konkurrenten so gering wie lange nicht mehr. Ob Firefox 4, Internet Explorer 9 oder Chrome 10 – sie alle haben spürbar an Geschwindigkeit, Sicherheit und klugen Funktionen gewonnen. Auch der Trend zum schlanken Interface ist eine schöne Entwicklung.

Insofern gibt es zurzeit keinen klaren Sieger und keine Wechselempfehlung. Firefox ist immer noch sympathisch, fast unbegrenzt erweiterbar und hat endlich zu alter Geschwindigkeit zurückgefunden. Googles Chrome ist hart und schnell wie ein Spartaner und verströmt immer noch ein wenig den Flair eines Entwickler-Werkzeugs, was man mögen kann oder eben auch nicht. Und der Internet Explorer 9 ist auf der Höhe der Zeit angekommen und bietet durch seine tiefe Einbettung ins Betriebssystem eine einzigartige Funktionen wie das Festtackern von Webseiten in der Windows-Taskleiste.

Also: Wer mit seinem bisherigen Browser zufrieden war, braucht nicht zu wechseln. Ein Update auf die neuen Versionen sollte sich allerdings jeder gönnen, die Fortschritte sind schon gewaltig.

Lesen Sie auch bei unserem Partner pcwelt.de: "Firefox 5 Beta am 17. Mai - finale Version im Juni"

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