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Mozilla schickt E-Mail an Microsoft

Mozilla setzt im Kampf um mehr Marktanteile bei E-Mail-Programmen auf frustrierte Nutzer von Microsoft Outlook. Dafür steht jetzt eine neue Version des Thunderbird-E-Mail-Programms vor dem Start.

Von Helene Laube, San Francisco

Mit dem Firefox hat Mozilla bereits einen großen Anteil am Browsermarkt. Nun soll auch die E-Mail-Software Thunderbird durchstarten. Worauf Mozilla setzt, um Geld zu verdienen, erklärt Messaging-Chef David Ascher. "Da Microsoft bei Windows 7 den kostenlosen E-Mail-Client nicht mit ausliefert, hoffen wir, Outlook-Express-Nutzer für unsere Software gewinnen zu können", sagte David Ascher, Vorstandschef von Mozilla Messaging, der "Financial Times Deutschland".

Microsoft zog Outlook Express, sein kostenloses, schnelles und einfaches E-Mail-Programm, bereits beim Windows-7-Vorgänger Vista aus dem Verkehr und ersetzte es durch Windows Mail. Mit Windows 7 liefert Microsoft gar kein E-Mail-Programm mehr aus. Interessenten sollen stattdessen das Gratisprogramm Windows Live Mail aus dem Internet herunterladen. Um möglichst viele Umsteiger anzulocken, veröffentlicht Mozilla Messaging diese Woche eine Vorschauversion von Thunderbird 3. Die finale neue Version des kostenlosen E-Mail-Programms geht in den kommenden Wochen an den Start.

Ascher und Mozilla Messaging wollen jede offene Flanke nutzen, um Anwender für Thunderbird zu gewinnen. Das Programm, dessen erste Version vor knapp fünf Jahren veröffentlicht wurde, soll in Märkten wie Japan zwar um die zehn Prozent Marktanteil haben. Weltweit liegt der Anteil jedoch deutlich darunter, während Microsoft mit dem Büropaket Office mit Outlook über 90 Prozent des Marktes beherrscht. "Ich strebe nicht 90 Prozent an, aber wir möchten schon deutlich zulegen", sagte Ascher im Mozilla-Hauptsitz im Silicon Valley. Ein großer Thunderbird-Nutzer ist laut Ascher die französische Finanzverwaltung, die von Outlook und IBM-Software umsteigt. Über 130.000 Arbeitsplätze sollen mit Thunderbird ausgerüstet werden.

Hoffnung auf Mund-zu-Mund-Propaganda

Ascher kann sein Produkt nicht wie Microsoft oder andere Anbieter mit einem großen Etat bewerben. Er muss sich auf Empfehlungen unter Nutzern verlassen. Thunderbird ist ein Projekt der gemeinnützigen Mozilla Foundation, die sich vor allem über Spenden finanziert. Die Stiftung gründete vor einem Jahr die Tochter Mozilla Messaging, die sich um Kommunikationssoftware wie Thunderbird oder die Kalendersoftware Lightning kümmert.

Der Manager hofft, dass der beträchtliche Erfolg der anderen Mozilla-Tochter auf Thunderbird abfärben wird. Die andere Tochter der Mozilla Foundation, die Mozilla Corporation, entwickelt den Webbrowser Firefox, der dem dominanten Internet Explorer (IE) von Microsoft zunehmend Marktanteile abtrotzt. Firefox ging am Montag vor fünf Jahren an den Start, ist heute nach IE der zweitgrößte Browser und kommt in Europa auf einen Marktanteil von knapp 35 Prozent, in Deutschland sogar auf über 40 Prozent. "Und das alles praktisch nur über Empfehlungen, ohne Werbung", sagt John Lilly, Chef der Mozilla Corporation.

Seine Gesellschaft verdient Geld durch Kooperationen mit Unternehmen wie Google. Dabei werden Suchmaschinen in Firefox vorinstalliert. Ascher bemüht sich auch um Umsatzquellen, weiß aber noch nicht, wie Mozilla Messaging Geld verdienen wird. Die Mozilla-Software soll kostenlos bleiben.

Konkurrenz aus der Datenwolke

Trotz aller Marktmacht ist Microsoft Outlook längst nicht mehr Aschers einziger Rivale. Mittlerweile muss sich Thunderbird gegen webbasierte E-Mail-Dienste von Anbietern wie Google oder Yahoo durchsetzen. Auch Microsoft versucht mit der Abschaffung von Outlook Express mehr Nutzer in für seine in der sogenannten Cloud angesiedelten Dienste zu gewinnen.

Bei Thunderbird 3 setzt Mozilla Messaging auch auf mehr Webintegration. So wurde die Firefox-Technologie integriert, mit der Webseiten dargestellt werden können. Das heißt, das Programm kann in separaten Reitern Webinhalte wie die Onlinekalender von Yahoo oder Google präsentieren. Zusätzliche Funktionen, sogenannte Add-ons, von internen und externen Entwicklern sollen Thunderbird 3 der Cloud näherbringen. Ascher hofft, mit dem Add-on Lightning, Mozillas eigenem Kalender, weitere Outlook-Nutzer gewinnen zu können.

Um mit Entwicklungen wie Googles Wave Schritt halten zu können, arbeiten Ascher und sein Team an Raindrop: In dieser webbasierten Weiterentwicklung von Thunderbird sollen alle Kommunikationsströme wie E-Mail, Twitter, Facebook und Instant Messaging zusammenfließen. Doch sei das Projekt noch in einer frühen Experimentierphase. Trotz der neuen Sofort-Kommunikationsmittel wie Twitter glaubt Ascher aber nicht an das Ende von E-Mail: "E-Mail wird es immer geben, weil sich diese neuen Werkzeuge nicht für alle Arten der Kommunikation eignen."

FTD

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