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15. August 2008, 15:02 Uhr

Einfach mal spielen

Nintendo-Präsident Iwata macht alles anders: Die Konsole Wii ist simpel statt teuer. Die Games Convention wird ausgelassen - und neue Kunden sollen Frauen und ältere Herrschaften sein. Das Konzept geht auf. Von Carsten Görig

Nintendo-Präsident Satoru Iwata glaubt, dass jeder Spaß am Spielen hat© AP

"Wir haben unsere alten Fans nicht vergessen", beteuert Satoru Iwata. Der Nintendo-Präsident weiß, dass der jüngste Auftritt des Spielkonsolenherstellers auf der Messe E3 in Los Angeles bei eingefleischten Fans kaum Begeisterungsstürme ausgelöst hat. Fast nur Casual Games wurden gezeigt, Spiele für jedermann - die neue Zielgruppe.

"Jeder hat Spaß am Spiel, nicht nur eingefleischte Spieler", glaubt der 48-Jährige. "Nur sind Videospiele zu kompliziert geworden." Er hat es an Freunden beobachtet, die lange begeistert spielten und dann aufhörten. "Wir haben viele Spieler verloren. Die müssen wir zurückgewinnen." Und so kommt für Nintendos Konsole Wii demnächst etwa "Fun Park" in den Handel. In dem virtuellen Vergnügungspark kann die ganze Familie Autoscooter fahren oder Ringe werfen. Aufwendige Grafik, komplexe Handlungsstränge - Fehlanzeige.

Die nächste Enttäuschung für eingefleischte Spieler steht bevor: Nintendo spart sich die Präsenz auf der größten europäischen Branchenmesse, der Leipziger Games Convention. Die Japaner wollen lieber auf einer Roadshow neue Zielgruppen erschließen, die in Leipzig nur selten zum Publikum gehören: Frauen, Familien, ältere Menschen. Die Erzrivalen Sony und Microsoft dagegen verzichten keinesfalls auf die Leipziger Schau.

Weg vom Mainstream

Nintendo schert damit aus dem Mainstream aus, wie zuvor schon mit der Konsole Wii. Die setzt weniger auf hochpreisige Grafikchips, sonder auf kinderleichte und innovative Bedienbarkeit. "Ich war davon überzeugt, dass die neuen Konsolen erfolgreich werden", sagt Iwata. "Ich war mir nur nicht sicher, ob das geschehen würde, bevor ich gefeuert werde oder danach." Der Nintendo-Manager hat selbst an den neuen Konsolen mitgetüftelt. "Ich habe immer noch Spaß daran, gute Spiele zu machen", sagt er. Er weiß, wie Spieler ticken und was sie mögen. Die beste Inspiration sitzt zu Hause. "Es ist schwer, meine Kinder von der Konsole wegzubringen. Wäre es einfach, dann wäre es auch kein gutes Spiel."

Nintendo hat sich in den letzten Jahren so stark gewandelt wie kein anderer Videospiele- oder Konsolenhersteller. Das Konzept zahlt sich aus. Vor wenigen Tagen erst hat die Gesellschaft einen Quartalsgewinn von 638 Mio. Euro bekannt gegeben, eine Steigerung um gut ein Drittel zum Vorjahreszeitraum. Das einfache Konzept der Wii kommt schlicht besser an als das von Sony und Microsoft.

"Als ich vor fünf Jahren Präsident von Nintendo wurde, war ich sicher, dass nicht nur Nintendo, sondern auch der japanische Videospielemarkt langsam sterben würde, wenn sich nicht ein paar Dinge grundsätzlich ändern würden", sagt Iwata. Neue Käufer seien mit immer leistungsfähigeren Konsolen nicht mehr zu begeistern gewesen, so der Nintendo-Chef. Iwata stößt den größten Umbruch in der Geschichte Nintendos an.

Der Manager folgte auf Hiroshi Yamauchi, den letzten Patriarchen des bald 120 Jahre alten Konzerns. Allein 53 Jahre lang stand Yamauchi an der Spitze von Nintendo und hat aus einem Spielkartenproduzenten einen führenden Videospielhersteller gemacht. Anfang des neuen Jahrtausends drohte Nintendo dann in Bedeutungslosigkeit zu versinken. "Yamauchi hat immer gesagt, dass wir wenig verändern sollen", sagt Iwata, "ich habe das nicht geglaubt." Die Widerstände gegen seine neuen Ideen waren beachtlich.

Die Konkurrenz lacht nicht mehr

Das war Iwata von zu Hause durchaus gewohnt. Sein Vater sprach ein halbes Jahr lang nicht mit ihm, nachdem er den ersten Job als Spieleprogrammierer angenommen hatte: "Er dachte, ich wäre einer Sekte beigetreten." Iwata hat bereits in der Schule sein erstes Spiel auf dem Taschenrechner programmiert, um dann Computerwissenschaften zu studieren. Er arbeitete bei verschiedenen Spielestudios und kam erst im Jahr 2000 zu Nintendo.

Mit Nintendo-Urgestein und "Super Mario"-Erfinder Shigeru Miyamoto hat er Dinge gewagt, über die die Konkurrenz gelacht hat. Während die Wettbewerber aus Konsolen teure Lifestyle-Produkte machen wollte, ging Iwata den umgekehrten Weg: Günstig sollten die Konsolen sein, praktisch und viel Platz für kreative Ideen der Spieledesigner erlauben.

Iwata kann es sich mittlerweile leisten, sich auf Pressekonferenzen selbstironisch lächerlich zu machen, ebenso wie Miyamoto, der manchmal mit Schwert und Schild auf die Bühne stürmt, um neue Spiele anzukündigen.

In Leipzig wird das Publikum darauf wohl verzichten müssen - beide Manager schwänzen die Veranstaltung.

Von Carsten Görig
 
 
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