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27. November 2008, 10:48 Uhr
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Einfach mal spielen

Nintendo-Präsident Iwata macht alles anders: Die Konsole Wii ist simpel statt teuer. Die Games Convention wird ausgelassen - und neue Kunden sollen Frauen und ältere Herrschaften sein. Das Konzept geht auf. Von Carsten Görig

Nintendo-Präsident Satoru Iwata glaubt, dass jeder Spaß am Spielen hat© AP

Wir haben unsere alten Fans nicht vergessen", beteuert Satoru Iwata. Der Nintendo-Präsident weiß, dass der jüngste Auftritt des Spielkonsolenherstellers auf der Messe E3 in Los Angeles bei eingefleischten Fans kaum Begeisterungsstürme ausgelöst hat. Fast nur Casual Games wurden gezeigt, Spiele für jedermann - die neue Zielgruppe.

"Jeder hat Spaß am Spiel, nicht nur eingefleischte Spieler", glaubt der 48-Jährige. "Nur sind Videospiele zu kompliziert geworden." Er hat es an Freunden beobachtet, die lange begeistert spielten und dann aufhörten. "Wir haben viele Spieler verloren. Die müssen wir zurückgewinnen." Und so kommt für Nintendos Konsole Wii demnächst etwa "Fun Park" in den Handel. In dem virtuellen Vergnügungspark kann die ganze Familie Autoscooter fahren oder Ringe werfen. Aufwendige Grafik, komplexe Handlungsstränge - Fehlanzeige.

Die nächste Enttäuschung für eingefleischte Spieler steht bevor: Nintendo spart sich die Präsenz auf der größten europäischen Branchenmesse, der Leipziger Games Convention. Die Japaner wollen lieber auf einer Roadshow neue Zielgruppen erschließen, die in Leipzig nur selten zum Publikum gehören: Frauen, Familien, ältere Menschen. Die Erzrivalen Sony und Microsoft dagegen verzichten keinesfalls auf die Leipziger Schau.

Weg vom Mainstream

Nintendo schert damit aus dem Mainstream aus, wie zuvor schon mit der Konsole Wii. Die setzt weniger auf hochpreisige Grafikchips, sonder auf kinderleichte und innovative Bedienbarkeit. "Ich war davon überzeugt, dass die neuen Konsolen erfolgreich werden", sagt Iwata. "Ich war mir nur nicht sicher, ob das geschehen würde, bevor ich gefeuert werde oder danach." Der Nintendo-Manager hat selbst an den neuen Konsolen mitgetüftelt. "Ich habe immer noch Spaß daran, gute Spiele zu machen", sagt er. Er weiß, wie Spieler ticken und was sie mögen. Die beste Inspiration sitzt zu Hause. "Es ist schwer, meine Kinder von der Konsole wegzubringen. Wäre es einfach, dann wäre es auch kein gutes Spiel."

Nintendo hat sich in den letzten Jahren so stark gewandelt wie kein anderer Videospiele- oder Konsolenhersteller. Das Konzept zahlt sich aus. Vor wenigen Tagen erst hat die Gesellschaft einen Quartalsgewinn von 638 Mio. Euro bekannt gegeben, eine Steigerung um gut ein Drittel zum Vorjahreszeitraum. Das einfache Konzept der Wii kommt schlicht besser an als das von Sony und Microsoft.

"Als ich vor fünf Jahren Präsident von Nintendo wurde, war ich sicher, dass nicht nur Nintendo, sondern auch der japanische Videospielemarkt langsam sterben würde, wenn sich nicht ein paar Dinge grundsätzlich ändern würden", sagt Iwata. Neue Käufer seien mit immer leistungsfähigeren Konsolen nicht mehr zu begeistern gewesen, so der Nintendo-Chef. Iwata stößt den größten Umbruch in der Geschichte Nintendos an.

Der Manager folgte auf Hiroshi Yamauchi, den letzten Patriarchen des bald 120 Jahre alten Konzerns. Allein 53 Jahre lang stand Yamauchi an der Spitze von Nintendo und hat aus einem Spielkartenproduzenten einen führenden Videospielhersteller gemacht. Anfang des neuen Jahrtausends drohte Nintendo dann in Bedeutungslosigkeit zu versinken. "Yamauchi hat immer gesagt, dass wir wenig verändern sollen", sagt Iwata, "ich habe das nicht geglaubt." Die Widerstände gegen seine neuen Ideen waren beachtlich.

Die Konkurrenz lacht nicht mehr

Das war Iwata von zu Hause durchaus gewohnt. Sein Vater sprach ein halbes Jahr lang nicht mit ihm, nachdem er den ersten Job als Spieleprogrammierer angenommen hatte: "Er dachte, ich wäre einer Sekte beigetreten." Iwata hat bereits in der Schule sein erstes Spiel auf dem Taschenrechner programmiert, um dann Computerwissenschaften zu studieren. Er arbeitete bei verschiedenen Spielestudios und kam erst im Jahr 2000 zu Nintendo.

Mit Nintendo-Urgestein und "Super Mario"-Erfinder Shigeru Miyamoto hat er Dinge gewagt, über die die Konkurrenz gelacht hat. Während die Wettbewerber aus Konsolen teure Lifestyle-Produkte machen wollte, ging Iwata den umgekehrten Weg: Günstig sollten die Konsolen sein, praktisch und viel Platz für kreative Ideen der Spieledesigner erlauben.

Iwata kann es sich mittlerweile leisten, sich auf Pressekonferenzen selbstironisch lächerlich zu machen, ebenso wie Miyamoto, der manchmal mit Schwert und Schild auf die Bühne stürmt, um neue Spiele anzukündigen.

In Leipzig wird das Publikum darauf wohl verzichten müssen - beide Manager schwänzen die Veranstaltung.

Von Carsten Görig
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Slapmastert (17.08.2008, 09:23 Uhr)
PS3 ist der Standard!
Also, ich hab mir vor ca. einem halben Jahr ne Playstation 3 gekauft und bin, abgesehen vom Stromverbrauch ;), total zufrieden. Der Kontroller könnt etwas schwerer sein, man hat manchmal echt das Gefühl nix in der Hand zu halten, das ist ärgerlich. Die Spiele sind momentan zwar immer noch ausbaufähig, aber den ein oderanderen Kracher gibt es bereits jetzt, wie z.B. GTA IV, Star Wars FU, Brothers in Arms HH,... Die Wii macht immer nur dann Spaß, wenn man mit vielen Leuten vor dem Gerät zockt, da ich dazu, genau wie meine Freunde, einfach meist nicht die Zeit finde ist die PS3 glaub ich schon die richtige Wahl gewesen.
Freaker (16.08.2008, 15:17 Uhr)
Ich habe
seit einem jahr die Wii und seit einem halben die Xbox 360. Bei beiden hab ich die Blockbuster Spiele und muss echt sagen, das mich nach einer woche spielen die xbox langweilt. ich werd sie vermutlich demnächst verkaufen. wii finde ich nach wie vor klasse, was am meisten spass macht sind party spiele wie mario party.
Motzerator (16.08.2008, 13:11 Uhr)
Bin längst bei der XBOX360 gelandet!
Nintendo macht hier einen großen Fehler, der Casual Gamer spielt mal und dann eben wieder nicht. Im Moment ist die Wii und das DS gerade "in", aber das wird nicht immer so sein und dann folgen die Casual gamer einem neuen Trend und zocken nicht mehr und dann ist nintendo angeschmiert!
Die Altkunden wenden sich hingegen mit Grauen ab. Microsoft hat es geschaft, einen Controller zu bauen der noch besser ist als der vom alten Nintendo Gamecube und liefert eine Konsole mit hervorragender 3D Grafik in HDTV Auflösung.
Nach NES, Super Nintendo, Nintendo 64 und dem Gamecube habe ich mich zum ersten mal für eine andere Konsole entsdchieden und vermisse die alten Aufgüsse an Nintendo Spielen keineswegs.
Die Wii ist nicht mal mehr die billigste Konsole, die XBOX360 kostet mit einer Festplatte nicht mehr als eine Wii mit Speicherkarte, bietet aber bessere Grafik, einen hervorragenden Controller der sich BEQUEM bedienen lässt und ist somit genau richtig für mich als durchschnitts Zocker.
Ich habe den Umstieg auf XBOX360 bisher jedenfalls nicht bereut.
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