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21. August 2008, 14:36 Uhr

Spiele ohne Kick

Europas größte Computerspielmesse Games Convention zeigt mehr Aussteller und Premieren als je zuvor. Doch in die Freude der Veranstalter mischt sich Wehmut. Im nächsten Jahr soll das Spektakel unter dem Namen GAMESCom in Köln stattfinden. Dabei braucht die Branche keinen neuen Standort, sondern vor allem eines: kräftige Innovationen. Von Thomas Soltau

Ansturm auf die Games Convention: Diesmal werden bis zu 200.000 Besucher erwartet© Jan Woitas, dpa

Es ist so, als ob man in die Rolle von Bill Murray im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" schlüpft. Der Besucher der Games Convention in Leipzig fühlt sich zuweilen in einer Wiederholungs-Schleife gefangen. Denn jedes Mal zeigen die Hersteller Spiele oder Add-Ons, die kaum einen neuen Dreh haben. Einen wirklichen Schritt auf der Evolutionsleiter stellt bislang einzig Nintendos Wii da, die es geschafft hat, aus dem Daddler im Sessel einen aktiven Spieler zu machen. Bei anderen Formaten im PC- und Konsolenbereich sucht man vergeblich nach großen Innovationen.

Der renommierte Spieledesigner Steve Meretzky kennt das Metier und die Probleme. Auf der Games Convention hielt er einen emotionalen Vortrag unter dem Titel "A Culture of Innovation" und erzählte, woran es der Spieleindustrie mangelt. Vor allem im Bereich Story gebe es keine Innovationen. Brettspiele bieten viele Rollen, in die man schlüpfen kann, die Videospielewelt ist dagegen statisch. Man spielt Krieger, Soldaten, Zwerge oder Magier. Es gebe zwar viele technische, aber kaum kreative Innovationen. In 90 Prozent aller Spiele ginge es immer nur ums Töten. Meretzky prophezeite, dass den Spielen genau dasselbe Schicksal drohen könnte, was den Comics vor einigen Jahren passiert ist. Durch ständiges Recycling von Figuren und Geschichten stagnierten die Verkaufszahlen. Das sich gute Ideen auszahlen können, beweist laut Meretzky der enorme Erfolg der Wii-Konsole. Auch einzelne Spiele wie "Portal" zeigen, dass sich kreative Konzepte und Ideen auszahlen.

Änderungen im Markt

Trotzdem feiert sich die Branche wie gewohnt: Bis zum Sonntag werden erstmals mehr als 200.000 Besucher erwartet. 547 Aussteller aus 32 Ländern präsentieren rund 300 Premieren - ein Rekordergebnis. Die Messe hat sich seit 2002 von einer Fach- zur Publikumsmesse entwickelt, die mittlerweile alle Gesellschaftsschichten anspricht. Was sich vor allem in den ständig steigenden Absätzen der Spieleindustrie widerspiegelt: Wie der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware mitteilte, wurden im ersten Halbjahr 2008 insgesamt 24,3 Millionen Spiele verkauft. Während Konsolenspiele einen Zuwachs von 27 Prozent verzeichneten, ging der Absatz bei den PC-Spielen um 7 Prozent zurück. Handheld-Spiele waren mit einem Plus von 38 Prozent ebenfalls sehr begehrt.

Frauen als Zielgruppe

Im Segment der Handheldspiele konnte die Branche vor allem weibliche Spielefans gewinnen: 54 Prozent aller verkauften Spiele im ersten Halbjahr 2008 wurden von Mädchen und Frauen erworben. Zudem entdeckt die Branche Familien. Immer mehr Gelder wandern in die Entwicklung gewaltfreier Spiele.

Casual-Gaming lautet das Zauberwort unter dem alle Altersgruppen firmieren, die gemeinsam Spaß an der Konsole oder dem PC zu haben. Maßgeschneiderte Titel wie "Baby Life" über "Boogie Superstar", "Rock Band" bis zu "Dancing Stage" sollen der gemeinsame Nenner für die Familie werden. "Bei den Casual-Online-Spielen sind es in Deutschland vor allem die 36- bis 55-jährigen Frauen, die sich bei Solitär, Bejeweled und Krimi-Adventuren vergnügen", erklärte Ariella Lehrer von vom Hersteller Legacy Interactive während einer Podiumsdiskussion in Leipzig.

Fortsetzung folgt

Ego-Shooter oder Fortsetzungen von Klassikern machen aber immer noch den Löwenanteil der Neuvorstellungen auf der Games Convention aus. Kurz vor der Messe hat die britische Spieleschmiede Eidos ihr neues "Lara-Croft"-Model vorgestellt: Alison Carroll soll in "Tom Raider Underworld" die Lara-Croft-Tradition fortsetzen. Weitere Highlights sind Spiele wie "Far Cry 2", "Street Fighter IV" oder das Action-Rollenspiel "Diablo III" und die Fußball-Simulation "FIFA 09". Auch hier lautet das Motto: Lieber auf bewährten Pfaden wandeln, als Neuland zu entdecken.

Seit einer Woche sind Spiele nun offiziell Kulturgut. Der Entscheidung waren lange Debatten über die Einordnung der Spieleindustrie vorangegangen. Während Musik und Filme bereits lange den Status als Kulturgut besitzen, führten Videospiele in der öffentlichen Wahrnehmung lange ein Nischendasein. Der Kulturrat begründete die Aufnahme von Games vor allem mit den zahlreichen Künstlern, die im Spielemarkt ihren Arbeitsplatz haben. Dabei reicht die Spanne von Grafikern, über Komponisten bis hin zu Drehbuchautoren. In Japan verehren Fans Spieledesigner wie ernsthafte Künstler. Bis es hier soweit sein wird, muss sich die Industrie aus der Endlosschleife des Game-Recyclings befreien.

Mit Material von dpa, ap

Von Thomas Soltau
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Lechef (22.08.2008, 14:19 Uhr)
Einseitig...
...find ich die Berichterstattung.
Mehr Zuwachs bei Konsolengames als bei PC-Games. Blubb.
Die richtigen Kracher im PC-Bereich waren im 1.Halbjahr nicht wirklich dabei.
Anders siehts bei Konsolenspielen aus. Als Beispiel nur mal GTA. Das erschien im April und wurde bis Mai ganze 6 Millionen Mal verkauft. Soviel zum Zuwachs von 27%.
Ende des Jahres wird die PC-Version erscheinen. Schaun wir dann nochmal nach.
Übrigens: Nicht nur immer auf die Wii schaun. Die ist auch nicht dieses Jahr neu erfunden worden.
Ryan2k (22.08.2008, 12:55 Uhr)
me too !
finde den Artikel auch nicht wirkich passend. Ok Nintendo hat wirklich einen riesen schritt damit gemacht der sich wahrlisch gelohnt habt. Und ? Die richtigen Zocker Freunde freuen sich auf die fortsetzung ihrer Lieblingspiele mehr als Kinder auf Weihnachten. Allein meist die verbesserte Grafik macht Lust auf das Spiel. Meine 2 Lieblingspiele werden bald kommen und da freu ich mich riesig drauf(Starcraft2 und Diablo 3). Also einfach nur weiter so. Und das die Messe in bald in Köln sein soll ist auch viel geiler, dann muss ich nur noch 20min fahren statt 6-8 Stunden ^^
Cienne (22.08.2008, 11:15 Uhr)
Der fussball braucht Innovationen....
Ich verstehe das Geschreie ebenfalls nicht. Mit Spielen wie Far Cry2, left 4 Dead, Dead Space, mirror's Edge, Spore usw... stehen uns doch neue "Innovationen" ins Haus. Wer dennoch lieber "alte" kost spielen will findet bald mit Starcraft 2, Diablo3, Crysis Addon, dem neuen Anno usw... ebenfalls genügend Spiele.
Für die Frauen/Kinder und die älteren gibt's die Wii bzw. Casual games im Allgemeinen und gut ist.
Ich würde sogar behaupten, dass es ebenfalls schödlich ist, nur diese Spiele alà Rockband, singstar und Co zu machen. Die Mischung macht's.
Motzerator (21.08.2008, 23:00 Uhr)
Es kommen doch geile Spiele!
Ich versteh die Überschrift nicht, es kommen doch allerlei tolle neue Spiele auf den Markt, ich denke nur an Resident Evil 5 im März 2009, den letzten Teil habe ich 5 mal durchgespielt also freue ich mich tierisch auf die neue Version!
Grundsätzlich wünscht man sich immer Innovationen im Spielebereich, aber in letzter Zeit bedeutet Innovation oft nichts anderes als Casual Games und mit so einem Scheiss kann ich garnichts anfangen.
Darum finde ich es nur gut, das viele Firmen auf bewährtes setzt, denn bewährtes unterhält oft hervorragend, wenn es mit einer Priese neuem gewürzt wird.
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