HOME

Platte verkauft, Geheimnisse offenbart

Ob Kontostände, Passwörter oder auch sexuelle Vorlieben: Gebrauchte Speicher erzählen intime Details aus dem Leben ihrer Besitzer. Dennoch verkaufen Nutzer leichtsinnig ihre privaten Schätze - ohne sie vorher richtig zu löschen.

Von Kathrin Warncke

"Jetzt im Sonderangebot - meine Rentenbescheide, Urlaubsbilder und obendrein der Lebenslauf." Eine Verkaufsanzeige, die einmal der Realität entspräche. Regelmäßig bieten Nutzer im Internet private Festplatten zum Verkauf an - doch an eine sorgfältige Datenvernichtung denken die wenigsten. Laut einer aktuellen Studie bieten viele Menschen leichtsinnig ihre gebrauchten Festplatten zum Verkauf an. Die Berliner Softwarefirma O&O hat über eineinhalb Jahre 400 gebrauchte Datenträger online ersteigert und ausgewertet.

Die Firma ist darauf spezialisiert, Daten von beschädigten Speichermedien zu retten. Für die Studie haben die Tester Festplatten ersteigert und mit verschiedenen Methoden die Daten wiederhergestellt. Das Ergebnis: Zwei Drittel der Medien enthielten noch brisante Daten. Briefe an den Rentenbund, Lebensläufe, Urlaubsfotos und intime Mails - Speichermedien wie Festplatten, USB-Sticks und Digitalkameras boten tiefe Einblicke in das Leben der Verkäufer.

Dokumentation des Privatlebens

So dokumentiert die Studie den Fund von Daten in E-Mails und Fotos, die der Besitzer wohl nicht freiwillig rausgerückt hätte: "Dort waren neben Bestellungen bei einem Spezialladen für Fetisch-Gummiwaren auch Kontakte zu anderen Fetischliebhabern enthalten." Auch bei Lebensläufen und anderen privaten Dokumenten erhielten die Tester sämtliche Informationen aus dem Privatleben der Verkäufer.

Die privaten Bilder vom letzten Urlaub wirken im Vergleich zu einem anderen Fundobjekt noch harmlos: Auf den Festplatten, die auch in den USA ersteigert wurden, fanden sich bei der Studie militärische Informationen und Fotos von Soldaten aus dem Irak-Einsatz. Selbst auf die Web-Zugangsdaten der US-Air-Force konnten sich die Mitarbeiter der Softwarefirma Zugriff verschaffen. Eine leichtsinnige Verkaufsaktion, manchmal auch mit schwerwiegenden Folgen. Dennoch stellen selbst private Computernutzer den eigenen Datenschutz hinten an.

Besser wegschmeißen als weiterverkaufen

Aus gutem Grund: Der Markt der Lösch-Software und Vernichtungsprogramme ist vollgepackt von Angeboten, die das schwarze Nichts auf der Festplatte versprechen. Auf das Geschäft mit der Angst brauchen sich Privatanwender jedoch nicht einzulassen, mit einfachen Software-Tools lässt sich die Festplatte für die Weitergabe vorbereiten. Generell gilt jedoch: Wenn möglich, besser wegschmeißen als weiterverkaufen. Vor allem dann, wenn die Festplatte Daten enthält, die auf keinen Fall an Dritte weitergegeben werden können. Doch oft liegt es noch nicht einmal an der falschen Software, dass die Daten eingesehen werden können.

Vielmehr führt die Sorglosigkeit der Computernutzer zum unfreiwilligen Daten-Striptease. Dateien in den Papierkorb und fertig - so einfach scheint es für die meisten Anwender. Auch das vermeintlich praktische Formatieren der Festplatte bringt nicht viel - Profis stellen die Daten ohne Probleme wieder her. Laut O&O würden vor allem Betriebssysteme wie Windows beim Löschen der Daten und Formatieren der Festplatte suggerieren, dass alle Daten endgültig gelöscht würden. Dies sei allerdings nicht der Fall. Für die Neuinstallation des Betriebssystems reicht es vollkommen aus, die Daten auf diese Weise zu entfernen. Soll die Festplatte aber verkauft oder weitergegeben werden, braucht es mehr als nur eine kurze Formatierung.

Die Gefahr des Datenklaus darf nicht unterschätzt werden. Edmund Hilt, Managing Director des Anbieters für Datenrettungs-Software Kroll onTrack, hält im Gespräch mit stern.de eine simple Wiederherstellung von privaten Daten durch Laien für möglich: "Datenrettungsprogramme sind einfach zu bedienen und ermöglichen im Do-It-Yourself-Verfahren die Datenrettung von gelöschten oder beschädigten Dokumenten, Bildern, Emails, usw." Datenklau - so einfach wie noch nie. Umso wichtiger ist es, bei der Datenvernichtung genauer hinzusehen.

Gutmann schreibt's drüber

Das Zauberwort heißt "Gutmann-Methode", benannt nach ihrem Erfinder Peter Gutmann. Hierbei werden die Daten auf der Festplatte bis zu 35 Mal überschrieben. Für Software zur Datenvernichtung ist es wichtig, dass sie diese Funktion beinhalten. Unseriöse Anbieter locken oft mit klingenden Bezeichnungen wie "Shredder" oder "Eraser" - ohne Algorithmen zum Überschreiben ist dies jedoch nicht viel wert. Auch auf der Seite des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik wird diese Methode empfohlen.

Zwar ist die Datenvernichtung so besonders zeitaufwändig aber dennoch wirksamer als viele andere Methoden. Mit diesem Verfahren können Privatanwender sicherstellen, dass selbst Profis Probleme mit dem Zugriff auf die Daten haben. Allerdings bedeutet dass nicht, dass alle Datensätze komplett gelöscht sind. Am sichersten ist und bleibt die Zerstörung der Festplatte, vor allem wenn sie geheime Daten beinhaltet. Und dann Zerstörung nur im klassischen Steinzeit-Stil: Mit Hammer oder Feuer.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.

Partner-Tools