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8. Mai 2009, 15:15 Uhr

Eine unendliche Geschichte

Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte wird sich höchstwahrscheinlich weiter verzögern. Schon der Test in der Region Nordrhein beginnt nicht wie geplant, weil die teilnehmenden Ärzte Kritik an dem System üben - und vorerst doch nicht mitmachen wollen.

Gesundheitskarte, Gematik, Ärzte

Die Gesundheitskarte - wird sie je kommen?© Heribert Pröpper/AP

Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Die Ausgabe des neuen Kärtchens mit Bild und zusätzlichen Funktionen wird nach Angaben der zuständigen Gesellschaft Gematik wahrscheinlich nicht im nächsten Jahr, sondern erst 2011 abgeschlossen sein.

Geht es nach der Ärzteschaft, sind sogar noch weitere Verzögerungen absehbar. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe verlangte am Donnerstagabend in Berlin weitere großangelegte Tests, die das Projekt um mindestens ein weiteres Jahr verzögern könnten. Das sei für die Ärzte "Bedingung". In der offiziellen Startregion Nordrhein hätten die Praxen ihre Vorbereitungen jedenfalls einstweilen gestoppt. Auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein betonte, die Ausgabe der Karte werde nicht diesen Sommer, sondern frühestens Ende 2009 beginnen.

Keiner kauft die Lesegeräte

Nordrhein war als die Region ausgewählt worden, wo die Ausgabe der Karte dieses Jahr beginnen sollte. Danach sollten sie bis 2010 schrittweise alle 80 Millionen Krankenversicherten in Deutschland bekommen. Als Vorbereitung müssen aber zunächst die Arztpraxen neue Lesegeräte für die Karte anschaffen. Dies sei bislang nur vereinzelt geschehen, sagte Hoppe. Nachdem die Ärztekammer Nordrhein eine "Denkpause" empfohlen habe, hätten die Ärzte die Anschaffung der Geräte gestoppt. Derzeit sei damit zu rechnen, dass die Karte in Nordrhein erst Ende dieses Jahres eingeführt werde, sagte Gematik-Sprecher Daniel Poeschkens. Weitere Produktion und Verteilung der neuen Karte würden dann wahrscheinlich erst 2011 abgeschlossen sein.

Dabei seien die technischen Hindernisse für die Einführung inzwischen überwunden, versicherte er: "Es gibt aus technischer Sicht nichts, was dem Roll-Out entgegenstünde." Alles sei "in trockenen Tüchern".

Erst Test, dann Einführung

Das sieht Ärztepräsident Hoppe, der auch der Ärztekammer in Nordrhein vorsteht, völlig anders. Die Ärzteschaft hat nach wie vor Bedenken wegen der Datensicherheit, die die Gematik allerdings für nicht nachvollziehbar hält. Hoppe sagte, zunächst solle es einen großangelegten Test mit mindestens 100.000 Teilnehmern in der Region Bochum geben. Dieser werde mindestens ein Jahr dauern. Danach müssten die Ergebnisse verarbeitet werden. Einen solchen Test bereits als ersten Schritt der Einführung zu organisieren, wie es das Bundesgesundheitsministerium will, lehnt die Ärzteschaft Hoppe zufolge ab. "Das bekämpfen wir", sagte er.

Poeschkens räumte ein, wie schnell die Einführung laufe, hänge von der Umsetzung vor Ort ab. Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser müssten sich jeweils auf Finanzierungsvereinbarungen mit den Krankenkassen einigen.

Die Einführung der einst als wichtigstes deutsches IT-Projekt bezeichneten elektronischen Gesundheitskarte zieht sich bereits seit 2004 hin. Damals war sie gesetzlich festgeschrieben worden. Bereits 2006 sollte sie jeder in Deutschland in Händen halten. Versprochen wurden wichtige Zusatzfunktionen gegenüber der heutigen Krankenversicherungskarte. Dazu gehört nicht nur ein Bild auf der Karte als Identifizierung und das elektronische Rezept, das Papierrezepte ersetzen soll. Die Speicherung von Notfalldaten und Arzneien soll gefährliche Wechselwirkungen offen legen. In der letzten Ausbaustufe soll die Karte Schlüssel zu einer "elektronischen Patientenakte" sein, die überflüssige Doppeluntersuchungen vermeiden und die Krankengeschichte eines Patienten für alle behandelnden Ärzte transparent machen soll. Zu Beginn soll die Karte aber nur Grundfunktionen haben, die kaum über die bisherige Versichertenkarte hinausgehen, wie Poeschkens bestätigte. Erst später sollen die Funktionen Schritt für Schritt ausgebaut werden, ohne dass die Karte ausgetauscht werden muss.

Verena Schmitt-Roschmann/AP
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Countryjoe (11.05.2009, 09:52 Uhr)
Totale Überwachung?
Angesichts der Datrensicherheit ist diese Gesundheitskarten nichts als ein (weiteres) Mittel zur totalen Überwachung und letztlich Unterdrückung des Steuerviehs.
dentix07 (09.05.2009, 22:32 Uhr)
Hoffentlich unendlich
Möge die Karte auch eine unendliche Geschichte bleiben.
Vor kurzem wurde eine amerikanische prescription-Datenbank gecrackt und die Daten auf dem Rechner gelöscht. Der Cracker (das sind Hacker mit kriminellen fianziellen Absichten) verlangt nun 10 Millionen Dollar für ein Paßwort um ein von ihm eingerichtetes Backup freizugeben, andernfalls er die Daten auf dem „freien“ Markt verkaufen will.. Er hat jetzt die Daten von 8 Millionen Patienten (Name, Adresse, Sozialversicherungsnummer, etc.) + 35 Millionen ausgestellte Rezepte. Daraus läßt sich eine Menge über den Einzelnen erfahren.
Nur mal vorgestellt Ähnliches geschieht mit den Daten auf den zentralen Rechnern der eCard. Da soll viel mehr drin stehen. Und wie sehr manche Arbeitgeber hinter Mitarbeiterdaten (speziell Krankendaten) her sind lehren uns Bahn, Telekom, Müller, Lidl! (Hab' ich wen vergessen?) Na ja, das BKA, Steinbrück und auch Ulla würden sicherlich auch nicht zögern zuzugreifen, böte man sie ihnen an.
Ohne komplette Krankengeschichte (nur gleiche Funktionen wie jetzige KVK) wäre die eCard ein teurer Flop. Sie basiert auf veralteter Technik, ist unpraktisch, vermehrt die Bürokratie, verlängert Wartezeiten und was uns bei Server- (so schon in Österreiche passiert) oder Stromausfall erwartet mag sich jeder selbst ausmalen. Also wird man versuchen uns zu zwingen die Daten zentral speichern zu lassen. Was nur blöderweise mit dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung kollidiert! Aber was schert das Grundgesetz „unsere“ Volksvertreter? Siehe Schäuble, Ulla, Zensursula, u.a.
Stoppt die ecard! (Googeln!)
Dr_Dolittle (08.05.2009, 18:09 Uhr)
Datensicherheit
Nach all diesen Datenskandalen dieses Jahr möchte ich den sehen, der mir mit auch nur seinem kleinen Finger dafür haftet, daß "die Daten sicher" sind. Ich würde NIEMALS zu einem Rechtsanwalt gehen, der die Daten über meinen Besuch auf einem bundesweit einheitlichen Server ablegt. Hier geht es nur und ausschließlich darum, Datenströme zu generieren, die die Kassen und Gesundheitspolitiker zur "Gestaltung" sprich: Manipulation nutzen können. Jeder sogenannte medizinische Nutzen läßt sich mit einem Stück Papier oder einem USB-Stick viel bessr und einfacher - und billiger - umsetzen. Mir kommt die eCard NICHT ins Haus!
lucifer01 (08.05.2009, 17:13 Uhr)
Schwachsinn
Bis zum heutigen Tag wurden Milliarden Euros Steuergelder in die Entwicklung dieses Schwachsinns gepumpt. Bemerkenswert an der ganzen Sache ist allerdings, dass die Funktionen der "normalen" Chipkarte entsprechen.
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