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8. Mai 2006, 13:10 Uhr

Pro Auge eine Grafikkarte

Wer den PC ernsthaft als Spielemaschine nutzt, ist ständig der Versuchung ausgesetzt, seine Hardware aufzurüsten. Neuester Trend: zwei Grafikkarten. Doch im Gegensatz zum Preis verdoppelt sich die Leistung nicht.

Zwei Grafikkarten bringen nicht doppelte Leistung© Nvidia/DPA

Liebhaber von 3D-Computerspielen legen viel Wert auf die Darstellung. Die Grafikkarte ist daher die wichtigste Komponente für "Gamer". Da verspricht sich mancher durch den Einbau von zwei Grafikkarten besonders schöne Bilder.

Doch ein Dual-Grafikkarten-System sorgt nicht immer für die gewünschte Leistung. "Dazu greifen Spieler, die stets die aktuellen Titel in höchsten Auflösungen mit bester Bildqualität und flüssiger Darstellung spielen wollen", erklärt Björn Bartsch, Sprecher vom Computerversandhandel Alternate in Linden (Hessen). Die Idee, 3D-Spiele auf diese Weise aufzuhübschen, ist nicht neu. So mancher Computerspieler erinnert sich noch an Karten mit dem "Voodoo²"-Chip, die Ende der Neunziger im Doppelpack in den PC eingebaut werden konnten. Der Hersteller Nvidia ließ 2004 diese Möglichkeit mit "Scalable Link Interface", kurz SLI, wiederaufleben.

Auch der zweite führende Grafikchiphersteller ATI hat mit "CrossFire" ein entsprechendes Verfahren im Angebot. Weil viele Grafikkartenproduzenten ihre Produkte mit den entsprechenden Chips von Nvidia und ATI ausstatten, gibt es eine relativ gute Auswahl.

Die Hauptplatine muss mitspielen

Allerdings müsse der Computer verschiedene Voraussetzungen erfüllen, so Bartsch. Dazu gehört ein Mainboard, dass den Betrieb der SLI- oder CrossFire-Verfahren unterstützt und zwei Grafikkarten-Steckplätze bietet. Ein schneller Prozessor und mindestens 1024 Megabyte RAM sollten zudem im Rechner stecken.

Der Einbau des Grafikkarten-Doppelpacks ist nicht schwer. Sie werden nebeneinander im PC eingesetzt und teilweise noch mit einem Kabel oder einer Brücke verbunden. "Wer sich zutraut, eine Steckkarte zu wechseln, hat auch mit zwei Grafikkarten kein Problem", sagt Holger Schmidt, Sprecher des Hardware-Herstellers Asus in Ratingen.

Wichtig sei jedoch die Wahl der Karten selbst, so Schmidt. Dem SLI-Verfahren genügen demnach zwei gängige Karten der gleichen Baureihe. CrossFire funktioniert bei manchen Chipmodellen nur, wenn eine spezielle Masterkarte mit einer Standardversion kombiniert wird. Dualfähige Karten sind jeweils ab 100 Euro erhältlich.

Zwei Karten bedeuten nicht zweifache Leistung

Der Einsatz von zwei Grafikkarten bringt keine Leistungsverdopplung. "Etwa 80 Prozent mehr sind realistisch. Bei der internen Datenverarbeitung entsteht so etwas wie ein Reibungsverlust", erklärt Carsten Spille, Redakteur bei der in Fürth erscheinenden Zeitschrift "PC Games Hardware".

Zudem vertragen sich längst nicht alle Spiele mit zwei Grafikkarten. "Bei den meisten aktuellen Spielen wird darauf Rücksicht genommen." Doch bei älteren Programmen komme es vor, dass kein Leistungszuwachs spürbar ist oder sie in Ausnahmefällen sogar langsamer laufen, so Spille.

Eine Fehlerquelle mehr

Um die Nutzung beider Grafikkarten zu aktivieren, muss in der Einstellungsmaske des Treibers ein Häkchen gesetzt werden. Dumm nur, wenn der Dualbetrieb dann trotzdem nicht funktioniert. "Die Lösungssuche kann viel Zeit und Nerven kosten", sagt Spille. Deshalb lohnen sich zwei Grafikkarten in einem PC derzeit nur für Technikenthusiasten. "Wer sein Spiel unkompliziert starten möchte, ist mit einer Karte noch besser aufgehoben."

Berti Kolbow/DPA
 
 
 
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