. .
Computer - Neuigkeiten und Trends
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
26. Februar 2008, 18:27 Uhr

Die mit dem iPhone klimpern

Die Instrumente dieser Musikgruppe passen in Hosentaschen: Mit zwei iPhones und einem Nintendo DS erschafft die iBand Klänge, die an die Frühzeit elektronischer Musik erinnern. Auf Youtube ist ihr Video bereits ein Hit - obwohl es eigentlich nicht viel zu sehen gibt. Von Matthias Lauerer

Um dem iPhone Klänge zu entlocken, muss das Telefon "gehackt" und die Software "iAno" installiert werden© Mark Allen

Erst seit einer Woche existiert die iBand, und schon hat sie einen virtuellen Hit gelandet. Kein Wunder, denn was diese der Netzöffentlichkeit vorführt, hat es in sich. Ihre Musikinstrumente sind zwei iPhones von Apple und die tragbare Spielkonsole Nintendo DS.

Das Musikvideo der iBand wurde auf Youtube seit dem 18. Februar fast zwei Millionen Mal abgerufen. Die Zuschauer des 2:57 Minuten langen Filmchens hinterließen danach über 13.000 meist begeisterte Kommentare. Immerhin liegen die drei Musiker damit im Trend, denn das Musizieren mit einfachsten Mitteln und Geräten, die eigentlich für etwas anders gedacht waren, ist keine neue Idee des Jahres 2008.

Der Erfolg des iBand-Videos ist erstaunlich, denn eigentlich geschieht dort nicht viel. Zu sehen gibt es zunächst das iBand-Logo vor schwarzem Hintergrund, und die drei Geräte, die man für den Videodreh adrett nebeneinander gelegt hat. Dann tippen die Finger auf sie ein und entlocken diesen harmonische Töne. Fertig ist das Video zum elektronischen Musikstück "first session." Möglich macht das die "iAno-Software" von Mister.Aardvark, der im Februar die Piano-Software für das iPhone programmierte. Shinya Kasatani steuerte die Software für die "Pocket Guitar" bei. Diese Programme laufen allerdings nur auf iPhones, die vorher "gehackt" wurden, wodurch die Geräte die Herstellergarantie verlieren.

Drei Österreicher kamen auf die Idee, mit zwei Telefonen und einer Spielkonsole Musik zu machen. Hinter der iBand verbirgt sich der Wiener Sebastian, 24, der nur "Seb" genannt werden möchte. Die Bandmitglieder wollen anonym bleiben, um so ungestört ihre Musik zu machen. Gemeinsam mit Freund Roger, 25, und Marina, 26, gründete Seb die iBand. In ihrer Erklärung gegenüber stern.de heißt es: "Wir sehen die Reduzierung auf das iPhone als eine Möglichkeit, einen neuen Sound zu produzieren und neue Technologien zu nutzen."

Immerhin macht das Trio schon "seit längerer Zeit gemeinsam Musik". Ein Vorteil der Telefone: "Sie sind weder zu laut noch an einen bestimmten Ort gebunden, um sie zu nutzen." Zukünftig will die iBand ihre Musik nur noch mit Mobiltelefonen produzieren, denn: "Wir mögen die Idee, auf Handys zu spielen." Für diese Woche kündigte die Band dann noch ein neues Stück an.

Musik aus Computersounds

Doch die drei Wiener Musiker sind nicht die einzigen, die ihren eigentlich für einen anderen Zweck gebauten Geräten Musik entlockten. Denn bereits Mitte der 1980er-Jahre setzten sich die beiden Produzenten Michael Münzing und Luca Anzilotti hinter ihre Heimcomputer. Die alten Rechner sind nicht mit heutigen Standards zu vergleichen. Dennoch entlockten die Tüftler den Geräten erstaunliche 16-Bit-Klänge.

Mit Erfolg: Unter dem Namen "Off" veröffentlichen sie 1986 den Song "Electrica Salsa", der gar zu einem europäischen Sommerhit avancierte. In Deutschland schaffte es das Stück sogar auf den dritten Platz der Charts. Das Duo hatte damit bewiesen, dass es auch mit 16-Bit-Musik möglich war, musikalisch erfolgreich zu sein. Heute heißt die 4-, 8 oder 16-Bit-Musik Bitpop, Musiker kopieren dabei mit aktuellen Rechnern den Original-Sound der ersten Computerklänge.

Kay Lippert, in der elektronischen Musikszene als Hardsequenzer bekannt, vertraute bei der Produktion seiner ersten Musikstücke auf die Rechenleistung des Commodore Amiga 500. "Das Revolutionäre daran waren der Stereoausgang und die Möglichkeit, aus vier Stimmen acht zu machen", erinnert sich Lippert an seine ersten musikalischen Gehversuche. Mitte der 1980er galt sein Gerät als der fortschrittlichste Heim-Computer und kostete stolze 1200 D-Mark. Mitte Juli 1993 veröffentlichte der Dresdner DJ dann die "Amiga EP". Das Stück "Braincrash" entwickelte sich in der damaligen Techno-Szene zur Hymne und verkaufte sich gut 40.000 Mal. Geschrieben hat er es in nur drei Stunden am Vorabend der 1993er Techno-Veranstaltung "Mayday."

Auf die Idee, mit dem Computer Musik zu machen, hatten Lippert Videospiele gebracht. "'Wintergames' und 'International Karate' fand ich wunderbar", erinnert sich der heute 33-Jährige an die Anfänge. Und sagt weiter: "Die elektronische Tanzmusik war seit der klassischen Musik der erste erfolgreiche musikalische Export aus Deutschland seit Jahrhunderten."

Fraglich bleibt, ob die österreichische iBand nicht nur ideell, sondern vielleicht auch einmal wirtschaftlich erfolgreich sein wird. Aber die Frage nach dem schnöden Mammon stellt sich die Webgemeinde sicher nicht, denn sie wartet schon auf einen weiteren Hit der iPhone-Musiker.

Von Matthias Lauerer
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
mschiffi (27.02.2008, 10:58 Uhr)
Schlimm
Schlimm, wenn Unmusikalitaet, Nichtrythmik usw. mit minimalistischer Musik ala Kraftwerk gleichgesetz wird.
Hip ist hier haben, und zwar das neueste Gadget.
Schlimm, wirklich schlimm.
Countryjoe (27.02.2008, 09:33 Uhr)
Generation Doof?
Klingt nach Generation Doof wenn mit immer simpleren Instrumenten musiziert wird. Es endet dann sicher beim elektronischen Pendant des hohlen Baumstammes auf dem die Höhlenmenschen herumklopften.
Bumpinger (26.02.2008, 23:51 Uhr)
Ein Graus !
Für mich als Berufspianisten ist das ein Graus !
Kommentator2 (26.02.2008, 22:12 Uhr)
Interessant, was man mit dem IPhone machen kann
Wirklich ein sehr interessantes Stück, was die drei da auf dem IPhone gezaubert haben.
Das erinnert mich an Kraftwerk, denn die sangen einst:
Ich bin der Musikant
mit Taschenrechner in der Hand
MEHR ZUM ARTIKEL
Apple-Handy Was das iPhone draufhat - und was nicht

Am Freitag kommender Woche startet der Verkauf des Apple-Handys in Deutschland. Wer dann mitreden will, sollte die folgenden Fakten kennen. mehr...

 
Partnerangebot Der stern.de-DSL-Vergleich Der stern.de-DSL-Vergleich Sparen bei DSL-Flatrates

Mit einem DSL-Tarif-Vergleich finden Sie einfach und schnell den zu Ihnen passenden Anbieter. Kostenlos, schnell und sicher! mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft