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5. Februar 2008, 11:53 Uhr

Wenn der PC zum Zombie wird

Experten schlagen Alarm: Die Bedrohung durch so genannte Botnetze wächst. Millionen von Rechnern weltweit werden von Kriminellen ferngesteuert. Diese "Zombies" werden zum Spamversand oder Sabotageattacken missbraucht - während ihre Benutzer ahnungslos weiterarbeiten.

Von "fiesen" Servern ferngesteuert: Immer mehr Rechner werden zu Bestandteilen von Botnetzen© Panda Security/DPA

Was sind Zombies? Klar, wieder zum Leben erweckte Tote aus Horrorfilmen, reine Fantasiefiguren also. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn Zombies gibt es tatsächlich - auf immer mehr Schreibtischen.

Gemeint sind Rechner, über die ihre Besitzer nicht mehr allein die Kontrolle haben, weil sie zu "Botnetzen" gehören. Ziel der Drahtzieher dieser Rechner-Zusammenschlüsse ist zum Beispiel das massenhafte Verbreiten von Spam. Computerbesitzern bleibt nur, für umfassenden Schutz gegen solche Attacken zu sorgen.

"Botnetze bestehen aus unbemerkt ferngesteuerten PCs, die man auch Zombies nennt", sagt Matthias Gärtner von Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. Gesteuert werden die teilweise mehrere Zehntausend Rechner großen Netze jeweils von einem "Control-and-Command-Server", oft kurz "CC" genannt. Viele sind international: Die Zombies sind in Europa, der Server steht irgendwo in den USA oder in Asien. "Im Moment nimmt das Problem erheblich zu", sagt Daniel Bachfeld von der Computerzeitschrift "c't".

Auch Hersteller von Sicherheitssoftware weisen auf die wachsende Bedrohung für Privatnutzer hin, dass ihr Rechner zum Zombie wird. Auf jeden vierten Computer mit Zugang zum Internet dürfte das inzwischen zutreffen, heißt es bei Symantec aus Aschheim in Bayern. Das legt die Frage nahe, ob hier nicht übertrieben wird, damit sich die eigenen Produkte besser verkaufen. "Nein, das ist keine PR", sagt BSI-Sprecher Gärtner. Und laut Daniel Bachfeld ist das Ausmaß des Bot-Unwesens möglicherweise noch größer als die Sicherheitsoftware-Hersteller absehen können.

Infektionen machen Zombies

Wie geht ein Rechner dem Betreiber eines CC-Servers ins Netz? "Das passiert gemeinhin über Schadprogramme - Trojaner", sagt Gärtner. Sie gelangen entweder durch Sicherheitslücken in bestimmten Anwendungen auf den Computer - oder aber, indem der Nutzer einen manipulierte E-Mail-Anhang oder eine ebensolche Webseite sucht. Das sind oft, aber längst nicht immer Angebote aus der "Schmuddelecke" des Internets.

Unbemerkt vom Nutzer

Das Tückische dabei: Der Nutzer bekommt die Attacke meist nicht mit - vor allem, wenn er einen halbwegs aktuellen Rechner hat und per Breitbandanschluss surft. Dann sind genug Kapazitäten da, um im Verborgenen einen Teil davon abzuzwacken, ohne dass der Rechner dabei in die Knie geht. Ein Zombie arbeitet zwar langsamer als ein "sauberer" Rechner. Aber das wird dem Nutzer laut Bachfeld meist nur auffallen, wenn etwa der Download einer sehr großen Datei deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als üblich.

Was haben die Betreiber von den Botnetzen? "Im Prinzip geht es immer darum, Geld zu verdienen", sagt Matthias Gärtner vom BSI. Neben dem Versenden von Spam werden die Netze zum Beispiel auch für Phishing-Attacken genutzt, wie Daniel Bachfeld erläutert. "Dabei wird ein Zombie unter Umständen kurzfristig zum Server, auf den ahnungslose Nutzer gelockt werden" - die dann im Glauben, zum Beispiel auf der Webseite ihrer Bank zu sein, Daten preisgeben.

Daneben können Botnetze bei Angriffen auf IT-Infrastrukturen - zum Beispiel von Unternehmen - eine Rolle spielen. Es sei sogar möglich, ein solches Netz zu mieten, sagt Gärtner. "Das ist ein Indiz dafür, dass die Cyberkriminalität inzwischen professionell aufgestellt ist." Und welchen direkten Schaden hat der Anwender - davon abgesehen, dass Spam im Postfach nerven kann? Immer wieder werden über die durch Schadprogramme genährten Botnetze weitere Schadprogramme verbreitet.

Ohne Firewall, Virenscanner und Updates geht es nicht

Was also tun gegen das Risiko, unvermutet einen Zombie auf den Schreibtisch stehen zu haben? Daniel Bachfeld rät zum "modernen Sicherheitsdreisatz", der auch vor anderen Cyber-Gefahren schützt: Firewall und Virenscanner - also eine Sicherheits-Suite von Anbietern wie Symantec, Kaspersky, Mcafee, Gdata oder auch Panda Security - sowie regelmäßig ausgeführte Sicherheitsupdates.

Speziell auf die Botnetz-Bedrohung zugeschnittene Softwarelösungen sind laut dem Experten von der "c't" eine zusätzliche Maßnahme. "Aber es werden sich sicher Wege finden, diese auszutricksen" - so wie jedes Sicherheitskit irgendwann an seine Grenzen stößt. Daher liegt es auch am Nutzer, für die Sicherheit des eigenen Rechners zu sorgen, wie Gärtner erläutert: "Man sollte im Internet dasselbe gesunde Misstrauen an den Tag legen wie im richtigen Leben."

Florian Oertel/DPA
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
guinness.1 (06.02.2008, 12:02 Uhr)
@ Stirn.de - Zustimmung aufgrund eigener Erfahrung
Da könnte was dran sein an der Vermutung, wo die Viren herkommen.
Mir ist jedenfalls folgendes aufgefallen:
Als Nutzer von Symantec-Antivirensoftware bekam ich jedesmal wenige Wochen vor der jährlichen Verlängerung plötzlich jede Menge Viren-Meldungen: angeblich hatte mein Virenprogramm beim täglichen Scan Viren entdeckt und gesichert. Diese Meldungen häuften sich, bis ich die Verlängerung Online für ein weiteres Jahr aktiviert hatte, danach war schlagartig wieder für ein Jahr Ruhe.
Seltsamer Zufall?
Ich habe zu Avira gewechselt, bin jetzt superzufrieden und habe keine zeitweise gehäuften dubiosen Virenmeldungen mehr.
IndianerJoe (06.02.2008, 10:44 Uhr)
Warnlampe
Ich verstehe eines nicht: es kann doch nicht so schwer sein, ein ganz primitives Programm zu schreiben, bei dem eine Warnlampe auf dem Desktop von Grün nach Rot wechselt, wenn eine bestimmte Aktivität auf Netzwerkebene überschritten wird! Gut, einzelne Sendungen lassen sich so sicher nicht detektieren, aber wenn Dutzende von Megabytes über die Leitung gehen, ohne dass der User etwas dementsprechendes tut, sollte man das doch bemerken und anzeigen können!
Stirn.de (06.02.2008, 09:30 Uhr)
Nun ratet mal...
wer die Viren und Würmer herstellt ?
genau, wie einfach nicht : Computerfreaks mit etwas krimineller Energie. Und wer erzeugt Virenprogramme um dagegen anzu kämpfen ? genau, auch nicht schwer : Computerfreaks die wissen wie man Viren und Würmer herstellt.
So, ist einem wirklich noch nie der Gedanke gekommen, dass die Virenschutzprogramm-Hersteller selber Viren in Umlauf bringen ?
überlegt mal - gibt es keine Viren -lassen sich die Programme nicht verkaufen.....
Mickey_Mouse (06.02.2008, 07:26 Uhr)
Trügerische Sicherheiten
Ah ja, da hat jemand einen aktuellen Virenscanner, eine Firewall und immer die aktuellsten Updates auf dem Rechner und darf sich damit sicher fühlen? Aber bitte nur ungefähr so sicher wie vor einer Predigt in der Kirche!
Viren und Trojaner befallen Software immer dort, wo es am wenigsten erwartet wird und was man nie für möglich hielt. Warum in aller Welt sollten Programme wie Firewall und Virenscanner nicht schon längst erfolgreich angegriffen worden sein? Vielleicht sind diese Programme schon längst manipuliert und erkennen nicht nur den Schäuble-Wurm bewusst nicht?! Aber zum Glück darf man sich bei der aktuellen Gesetzgebung nicht nur darüber freuen selbst als Allgemeinverbrecher behandelt zu werden, sondern darf kaum noch effektive Software zum Aufdecken von Sicherheitsrisiken im eigenen Netzwerk besitzen oder gar benutzen!
Immerhin dürfte klar sein, dass die Verursacher von zigfach höheren Schaden (in Milliardenhöhe) nicht so leicht bestraft werden wie der Falschparker unter der heimischen Laterne...
vaettchen (06.02.2008, 06:59 Uhr)
Oder Linux benutzen
Mit normalem Ben utzer-Account und Firewall ist man da (noch?) ziemlich sicher. Von den anderen Vorteilen mal ganz abgesehen...
gmathol (06.02.2008, 06:52 Uhr)
Ziemlich uebertrieben.
Die meisten PC's werden naemlich ausgeschaltet nach der Benutzung. Desweiteren koennen viele "professionelle" Viren-Scanner die Botnets, Trojaner oder Wuermer ueberhaupt gar nicht erkennen. Zusaetzlich hat die neueste Flash-Implemention von Adobe den Datendieben ein neues Fenster geoeffnet, da sind Zugriffe auf die lokale Festplatte wieder ermoeglicht worden.
Fazit, wer Microsoft Produkte wie Outlook oder Inter Explorer verwendet offeriert die ganze Palette der Moeglichkeiten auch denjenigen die draussen bleiben sollten. Microsoft glaubt diese Gefahr dadurch bekaempfen zu koennen indem es z. B. die eigenen Dateiformate von Word als gefaehrliches Attachment in seinem E-mail Programm erkennt, gilt auch fuer .jpg oder andere Bildformate.
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