Apple verspricht mit dem iPad ein "magisches und revolutionäres Gerät". Das stimmt vor allem für Käufer, die es zum Schauen, Lesen und Spielen nutzen möchten. Wer arbeiten muss, braucht mehr. Von Helene Laube, San Francisco

Das iPad von Apple: Ein neues Wundergadget oder doch nur ein Spielzeug für Technikverliebte?© Monica M. Davey/DPA
Keine Frage, das iPad verführt. Von außen wirkt es kühl und elegant - geräuschloses Understatement. Das Feuer kommt von Innen. Ein Knopfdruck, und das iPad ist eingeschaltet. Langwieriges Hochfahren entfällt. Fotos und Filme, Buchtitel und Plattencover funkeln richtiggehend auf dem hochauflösenden Glasbildschirm.
Die Programme öffnen sich mit Apples speziell entwickeltem, stromsparendem Prozessor in Sekundenschnelle. Das Internetsurfen ist schnell und dank des fast zehn Zoll großen Bildschirms um Längen besser als etwa mit dem iPhone. Die Batterie hat offenbar Ausdauer: Nach 24 Stunden Test - mit Surfen, Apps herunterladen und Musik- und Videowiedergabe - zeigt das Gerät noch über die Hälfte der Laufzeit an. Die meisten der rund 150.000 iPhone-Anwendungen sind auch auf dem iPad zu haben, über 1000 bereits in einer iPad-optimierten Version. Den berührungsempfindlichen Bildschirm steuert man per leichtem Fingerdruck. Keine Maus, keine Kabel - nichts kommt zwischen den Nutzer und sein iPad.
Aber schnell wird auch klar: Das iPad ist in erster Linie ein Zurücklehngerät. Es ist Fabelhaft zum Konsumieren, aber unpraktisch zum Produzieren. Wer längere Mails schreiben, mehrere Programme gleichzeitig bedienen und Texte, Tabellenkalkulationen und Präsentationen erstellen will, braucht mehr. Das iPad geht mit auf Geschäftsreise? Smartphone und Laptop sollte man gleich mit einpacken. Das iPad ist - noch - kein Ersatz dafür.
Apple-Chef Steve Jobs demonstrierte die ideale iPad-Stellung bei der Enthüllung Ende Januar in San Francisco. Und die hat wenig mit aktivem Arbeiten und viel mit entspanntem Lesen, Filme und Fotos schauen, im Internet surfen und Musik hören zu tun. Bequem im Sessel sitzen, am besten ein Bein übers andere, damit man das iPad in der einen Hand halten und auf dem Knie abstützen kann, während man mit der anderen Hand das Display bedient. Wer das Tablet-Gerät länger ohne Stütze halten will, braucht bei knapp 700 Gramm Gewicht zwei Hände. Und selbst dann dürften beim Lesen eines elektronischen Buchs Ermüdungserscheinungen auftreten - genau so, als wenn man mit der gebundenen Ausgabe von "Krieg und Frieden" im Bett liegt.
Wer mehr als ein paar Wörter schreiben will, dürfte mit dem iPad schnell an die Grenzen seiner Geduld stoßen. Das gilt insbesondere für Zehnfingerschreiber. Sie werden zu unbeholfenen Zweifingertippern, vor allem, wenn sie den Umgang mit der virtuellen Tatstatur auf dem Bildschirm nicht schon mit iPhone oder iPod Touch erlernt haben. Hält man den iPad im Hochformat, scheinen die "Tasten" für Elfenfinger ausgelegt. Im Querformat sind sie deutlich größer, das erleichtert die Sache aber kaum. Wer also mehr als rudimentäre Zweizeiler-Mails schreiben will, greift besser zu Beruhigungspillen oder gleich zum Notebook.
Wer die Eigenheiten des Betriebssystems nicht vom iPhone her kennt, dürfte auch recht lange nach Umlauten und anderen Sonderzeichen suchen. Tipp: Um beispielsweise ein ü zu schreiben, muss die u-Taste lange gedrückt werden. Aber Hilfe ist in Sicht: Ab Mai soll (in den USA für 69 Dollar) eine externe iPad-Tastatur verfügbar sein. Doch dann schleppt der iNomade ein weiteres Stück Hardware mit sich herum.
Trotz der Tipphürden und Apples Fokus auf medienkonsumierende Nutzer, hat der kalifornische Technologiekonzern ganz klar auch Kunden im Visier, die richtig arbeiten möchten. Warum sonst hätte er seine Bürosoftware iWork für das iPad optimiert? Das Textverarbeitungsprogramm Pages, die Tabellenkalkulation Numbers und die Präsentationssoftware Keynote können für je 9,99 Dollar und in je unter drei Minuten aus dem App Store heruntergeladen werden. Wer iWork bereits für den Mac gekauft hat, muss die iPad-Version dennoch erneut bezahlen.
Unpraktisch ist, dass vom iPad aus nicht gedruckt werden kann. Dokumente müssen per E-Mail an einen Computer geschickt oder mittels des 30-Pin-USB-Kabels mit dem PC oder Mac synchronisiert und von dort aus gedruckt werden. Wer ein iWork.com-Konto in der Apple-Cloud hat, kann die Dokumente dort speichern und dann auf den Rechner mit Druckeranschluss herunterladen.
Erfreulich: In Microsofts Office-Büropaket erstellte Powerpoint-, Excel und Word-Dateien können in iPad-iWork importiert werden. Umgekehrt kann man zum Beispiel Pages-Dateien im Word-Format speichern, auf den PC oder Mac übertragen und in Word öffnen.
Gefunden in ... ... der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland"