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Virenjäger unter Mordverdacht

Mord im Paradies: John McAfee, Gründer der gleichnamigen Antivirensoftware, soll seinen Nachbarn auf einer Karibikinsel erschossen haben. Jetzt ist die Computerlegende auf der Flucht.

Von Christoph Fröhlich

Er arbeitete bei der Nasa, entwickelte eines der populärsten Programme der Welt und verdiente mehr als 100 Millionen Dollar: John McAfee, Gründer der gleichnamigen Antivirensoftware, zählt zu den Pionieren der Computergeschichte. Seine Software schützt Millionen von Smartphones, Computer und Tablets vor Internetkriminellen. Vor wenigen Jahren setzte sich der damals 63-Jährige zur Ruhe und verlegte seinen Wohnsitz von Kalifornien nach Ambergris Caye, einer Insel vor der Küste von Belize in Mittelamerika. Nun wird die Computerlegende dort des Mordes bezichtigt.

Laut Polizeiangaben ist das Opfer der 52-jährige Bauunternehmer Gregory Faull, wie McAfee ein US-Auswanderer und gleichzeitig Nachbar des Softwareentwicklers. Seine Leiche wurde am Sonntagmorgen von seiner Haushälterin entdeckt, er lag mit dem Gesicht nach unten in einer riesigen Blutlache, in seinem Kopf eine Schusswunde. Daneben fanden Ermittler die Patrone einer Neun-Millimeter-Handfeuerwaffe. Das Motiv ist bislang unklar, McAfee gilt aber als Hauptverdächtiger. Laut einigen Inselbewohnern hatten McAfee und Faulls kurz zuvor einen Streit. Seitdem ist der Softwaremillionär auf der Flucht vor den Behörden.

"Sie haben ihn für mich gehalten"

Als die örtliche Polizei am Sonntag seinen Wohnsitz durchkämmte, um ihn zu verhören, suchte sich McAfee ein besonderes Versteck: Um den Blicken der Staatsdiener zu entgehen, verbuddelte er sich im Sand mit einem Pappkarton über dem Kopf, um nicht zu ersticken. "Es war extrem unbequem", sagte er im Gespräch mit "Wired"-Redakteur Joshua Davis. "Aber sie hätten mich getötet, wenn sie mich gefunden hätten." Nach Polizeiangaben gab es keine Spuren für ein gewaltsames Eindringen in das Haus des Nachbarn, allerdings hätten ein iPhone und ein Laptop gefehlt. Angeblich wisse der Softwarepionier nichts über den Tod des Nachbarn. Stattdessen behauptet er: "Sie haben ihn für mich gehalten. Die Täter haben sich im Haus geirrt."

McAfee sei der Meinung, der Regierungschef von Belize habe es auf ihn abgesehen, seit er vor einigen Monaten einem Provinzpolitiker eine Spende verwehrte. Bereits im April wurde sein Anwesen von der Regierung durchsucht, weil ihm vorgeworfen wurde, Metamphetamin zu kochen und illegale Waffen zu besitzen. Damals wurde McAfee für mehrere Stunden in Polizeigewahrsam genommen, beide Vorwürfe wurden kurz darauf fallengelassen.

Bei der Razzia beschlagnahmte die Polizei laut McAfee allerdings mehrere Waffen, darunter eine von jenem Typ, mit der das Mordopfer jüngst hingerichtet wurde. Für McAfee ist der Fall klar: Der Staat hat es auf ihn abgesehen und möchte ihn loswerden, notfalls auch mit Waffengewalt.

Ist McAfee drogenabhängig?

Jeff Wise von der Technikwebseite "Gizmodo" zweifelt an dieser Theorie. Er wisse von mehreren Quellen, dass McAfee seit einigen Monaten abhängig von der Designerdroge MDPV sei, auch bekannt als Badesalz. In den USA ist die Droge verboten, in Belize dürfen die Substanzen aber noch frei verkauft werden. Nebenwirkungen sind unter anderem Herzrasen und intensive Panikattacken.

Zu seinem Nachbarn hatte der ehemalige Softwareentwickler offenbar ein zerrüttetes Verhältnis: Laut "Wired" sorgten McAfees sechs Hunde für Streit in der Nachbarschaft, da sie Touristen und Anwohner bei Strandspaziergängen aggressiv anbellten. Nach einigen Beschwerden beim Bürgermeister wurden die Hunde vergangenen Freitag vergiftet, der Täter ist bislang unbekannt. Dass einer der Nachbarn dafür verantwortlich ist, schließt McAfee aus. Er beschuldigt stattdessen die örtliche Polizei.

Polizeivertreter Marco Vidal bestreitet die Vorwürfe: "Dieser Typ erstaunt mich jeden Tag aufs Neue", sagte er im Gespräch mit "Wired". Wir haben persönlich nichts gegen Herrn McAfee. Es gibt keinen Grund für uns, die Hunde zu vergiften."

Flucht im Paradies

Seit Sonntag ist McAfee auf der Flucht vor der Polizei. "Unter keinen Umständen werde ich mit der Polizei sprechen", sagte McAfee im Interview mit "Wired". "Ihr könnt mich paranoid nennen, aber sie werden mich töten, das steht außer Frage. Sie versuchen es schon seit Monaten. Sie wollen mich zum Schweigen bringen." Pläne, das Land zu verlassen, hat er trotzdem nicht. "Ich mag es hier. Es ist der schönste Platz der Welt."

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