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11. Oktober 2008, 13:45 Uhr

Ballern für die Kinder

Sie wollten einmal selbst erfahren, was die Jugendlichen an diesem Ego-Shooter so fasziniert. Doch nicht alle Kinder sind von der ersten "Eltern LAN" begeistert. Sie befürchten das Ende der Revolution im Kinderzimmer. Von Christian Parth

Die Eltern wissen oft nicht, was ihre Kinder so treiben© dpa - Bildfunk

Meinhard Walenciak weiß nicht, ob er jetzt ein Terrorist ist. Er trägt zumindest eine Sturmmaske im Gesicht und hält eine vollautomatische AK 47 in den Händen. Verunsichert schleicht er entlang des tristen Stadtgemäuers, der blaue Himmel über ihm, als plötzlich ein bewaffneter Mann vor ihm auftaucht. Walenciak schießt das Magazin leer, der Mann fällt um, er selbst steht noch. Leider hat er den Falschen erwischt. Der Mann war tatsächlich Terrorist, so wie er. Am Ende siegt das Team der Polizei. "Ich finde das etwas unübersichtlich", sagt der pensionierte Schreiner über den Taktik-Shooter Counter Strike (CS). "Das könnte man doch besser machen."

Meinhard Walenciak, 62, ist Teilnehmer der ersten "Eltern Lan". Gemeinsam mit 15 anderen Vätern, Müttern und Lehrern soll er im Kölner Tanzbrunnen, wo sonst internationale Stars auf der Bühne stehen, am eigenen Leib erfahren, was sein Kind wirklich treibt vorm Rechner im Kinderzimmer. Nun sitzen die Eltern vor den aufgestellten Notebooks in Reihen zu jeweils fünf Personen und versuchen als Counter-Strike-Team ihre ebenfalls betagten Gegner zu eliminieren. Der Besuch soll allerdings nicht nur den Horizont der Eltern erweitern. "Kinder reflektieren ihr eigenes Spiel meist nicht", sagt Horst Pohlmann, der an diesem Abend durchs Programm führt. "Deshalb brauchen sie auch eine moralisch-ethische Instanz, an die sie sich mit ihren Fragen wenden können."

Lernen, was die Kinder treiben

Fast 60 Minuten ballert Walenciak nun schon durch die Gegend und wirkt dabei noch immer etwas unmotiviert. Auf dem Rechner nebenan müht sich Angelika Meinhold, die mit einer schweren MG dem Gegner auflauert und mit beeindruckender Präzision aus dem Spiel befördert. Ihr fülliger Körper bleibt dabei regungslos wie ein Fels. Allein die Brille drückt sie hin und wieder fest auf die Nasenwurzel. Wie bei den meisten anderen Teilnehmern auch, sind das ihre ersten virtuellen Opfer überhaupt. Meinhold, 48, ist Chemie-Lehrerin an einer Gesamtschule in Duisburg und möchte gerne dem Wunsch ihrer Schüler nachkommen, einmal eine LAN-Party zu organisieren. "Deshalb muss sich wissen, was das überhaupt ist", sagt sie.

Gewaltspiele selbst seien an ihrer Schule kein Problem, denn in Duisburg-Mitte ist die Arbeitslosigkeit hoch, Rechner gibt es kaum. Natürlich habe das Kollegium nach dem Amoklauf von Emsdetten vor zwei Jahren so genannte "Killerspiele" zum Thema gemacht. Meinhold glaubt in der Tat, dass so mancher Jugendlicher durchaus anfällig auf solche Spiele reagieren könnte. "Gerade jene, die gerne den Anführer markieren, sollte man so was nicht in die Hände geben", sagt sie. "Und schon gar nicht sollte so ein Spiel über die Schule legitimiert werden."

Altmodische Lehrer

Experte Pohlmann kann die Skepsis verstehen, manchmal aber hält er den deutschen Lehrkörper für zu altmodisch. In anderen Ländern sei der Software-Einsatz an Schulen längst Alltag. Nur die Deutschen sträubten sich behände. "Sie sind teilweise sehr verbissen in ihren Ansichten, was aber auch am hohen Durchschnittsalter der Lehrer liegt", erklärt Pohlmann. Vor einigen Monaten bereits habe etwa der dänische Hersteller des Lernspiels "Global Conflict Palestine" eine kostenlose Distribution der Software an deutsche Schulen versprochen. Den Einsatz proben wolle bislang aber nur ein junger Rektor aus Königswinter. Walenciak kommt selbst gerade aus Schweden zurück, wo er mit dem Elternrat das Schulsystem inspiziert hat. Von den Methoden war er beeindruckt und überrascht.

Denn dort dürfen die Schüler sogar während des Unterrichts CS zocken. "Das ist eine Art Belohnung. Wer seine Aufgaben vorzeitig erledigt, darf spielen", berichtet Walenciak etwas müde von der vielen Ballerei. Für das große Hobby seines Sohnes hat er heute indes noch keinen Zugang gefunden, wie er beim Erfahrungsaustausch in der abschließenden Diskussionsrunde berichtet. "Es hat mir viel gebracht, aber es wird sicher nicht mein Lieblingsspiel."

Begeisterung für das erste "Eltern LAN" gab es nicht überall. In den Internet-Foren schossen die Kids zum Teil scharf gegen die Veranstaltung. Die Alten sollten sich in diese Sachen nicht auch noch einmischen. Sie befürchten, dass die Eltern ihnen nun noch mehr auf die Pelle rücken. Aber vielleicht haben sie auch nur Angst vor zu viel Verständnis und dem baldigen Ende ihrer Revolution im Kinderzimmer.

Von Christian Parth
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
philmoe80 (14.10.2008, 13:26 Uhr)
ich finde, man sollte auch
frei zugängliche "killerfilme" und die unmengen von "killerbüchern" umgehend aus dem tv bzw. den bibliotheken entfernen.
einfach unverantwortlich ;)
bR4iNST0RM (13.10.2008, 13:42 Uhr)
@ Preston
„Was soll ein Spiel, in dem Menschen erschossen werden, sonst sein?“
Alleine diese Aussage bestätigt mir ihre Unwissenheit! In Computerspielen können keine „Menschen“ erschossen werden, denn das wäre Mord! Es sind legendlich Pixel. Virtuell und fern von Gefühlen wie Schmerz oder ähnliches. Es ist, und das ist Fakt, ein Spiel! Und wenn das von einer Person nicht auseinander gehalten werden kann, dann darf der solche Spiele nicht spielen. Darum aber ALLEN anderen das Spielen solcher Spiele zu verbieten, ist weder sozial noch demokratisch, sondern einfach nur dumm. Denn selbst wenn ein Verbot kommt, gespielt wird trotzdem.
Nach Ihrer Ansicht, werter „Preston“, muss ein generelles Verbot gegen jegliche Genussmittel und Freizeitbeschäftigungen her, die Menschen beeinflusst! Mit anderen, einfachen Worten: ALLES muss Verboten werden! Ja, selbst bzw. erst recht das so heiß geliebte Fernsehen gehört verboten! es gibt schließlich Filme, in denen Gewaltszenen so Farbenfroh wie nur Möglich dargestellt werden. Dagegen sind die Pixelblutspritzer in Spielen ein Witz!
Ihnen weiterhin viel Spaß in ihrer besseren dafür ziemlich trist grauen Welt!
sportartmakler (13.10.2008, 11:28 Uhr)
ach preston
um ihre frage zu beantworten, ein klassisches taktikspiel. dass dabei menschen umkommen ist teil des spies, nicht mehr und nicht weniger.
es gibt spiele wo das töten im vordergrund steht, auf manhunt sei verwiesen. für diese spiele existieren fsk`s oder sie sind gänzlich nicht in dtl zu erhalten. diese zwei instrumente reichen völlig aus.
mittlerweile zocken 50% und mehr der jugendlichen verschiedenste games. alles potentielle amokläufer? dass der nächste amokläufer lieber puzzelt ist anhand dieser tatsache schon sehr unwahrscheinlich. diese pauschalisierungen oder der hinweis auf schädigungen des gehirns, was ein reines totschlagargument ist, nerven ungemein. zumal sie meist von leuten stammen die selber nie gespielt haben oder diesem medium halt nichts abgewinnen können.
so lange in dieser gesellschaft nur über leistung und soziale akzeptanz der wert eines menschen definiert wird, er also bei scheitern dieser anforderungen ins abseits gestellt wird, so lange wird es menschen geben, die irgendwann zu diesem letzten mittel, der aufmerksamkeit, es den anderen endlich mal heimzuzahlen, greifen werden
sie haben recht, dafür braucht man kein psychologe zu sein.
ganzbaf (12.10.2008, 11:21 Uhr)
Killerspiele senken...

aber die Toleranzgrenze auch gegenüber realer Gewalt. Das ist ebenfalls wissenschaftlich erwiesen.
.
Natürlich werden deswegen nicht alle Killerspieler zu waffenstrotzenden Realkillern.
Aber die Wahrscheinlichkeit zur positiven Auslegung (und Auslebung) von Gewalt an sich steigt.
.
Wir brauchen die "Hardware-FSK" zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewaltmüll auf Computern und Playstations!
Sandygirl (12.10.2008, 11:06 Uhr)
"Killerspiele"
Der Zusammenhang Amoklauf und Killerspiele ist wissenschaftlich widerlegt.
Eine Logik ala "Alle Amokläufer essen Brot - Brot macht Amokläufer" ist falsch.
Hier eine kleine Persiflage zum Thema:
http://home.arcor.de/ginsterkatze/verein.htm
Man sollte sich immer vor Augen halten, was Amokläufer brauchen: Echte Waffen. Dei Kultur echter Waffen wir vor allem in Deutschen Schützenvereinen gepflegt - nicht am Computer.
Hier noch ein sauberer Artikel zum Thema (mit Quellenangaben):
http://de.wikipedia.org/wiki/Killerspiel
giangastone (12.10.2008, 08:03 Uhr)
Alte Klischees
"Altmodische Lehrer", "...dürfen im Unterricht als Belohnung CS spielen". An unserer Schule sind die "Alten Hasen" des Lehrerkollegiums die mit Abstand beliebtsten und besten, die Schüler (im Vergleich zu den Test-Computerklassen), die Sport, Musik und Theater betreiben die nettesten, besten, höflichsten. Verdammt nochmal: Warum verbreitet der STERN zopfige Klischees und Unwahrheiten. Mehr Computer machen keine besseren Schulen! Schweden ist nicht China ist nicht Deutschland. Hallo, kapiert es doch endlich: VIELE KINDER KENNEN NUR NOCH TV UND PC!!!!!!!!!!
!!!!!
Preston (12.10.2008, 06:24 Uhr)
"Es gibt keine Killerspiele" - wie bitte?
Was soll ein Spiel, in dem Menschen erschossen werden, sonst sein? Jump-and-run?
Es gibt einen Grund, warum man 16jährigen nicht die Führung eines Landes (oder die Gesetzgebung) anvertrauen sollte - und das hier ist einer davon. Leute wie "Dr.Goldzahn" oder "Jaynay" können die Wirkung solcher Ballerspiele auf ihr Gehirn genausowenig abschätzen wie die von Alkohol. Und am Ende kommt das große Kotzen - oder eben ein Schulmassaker.
Braucht man dazu wirklich ein Psychologiestudium?
Jaynay (12.10.2008, 03:54 Uhr)
A few things..
1. Ja, Kinder und Jugendliche sollten jemand haben, der ihnen zur Verfügung steht, medial wahrgenommenes zu reflektieren. Das fängt bei der Tagesschau an (welche bemüht ist die Realität wiederzugeben) und hört bei Egoshootern auf.
2. Ich finde es gut, wenn die Elterngeneration in Kontakt mit der Lebenswelt ihrer Kinder kommt, bzw. allein schon ernsthaft den Kontakt sucht.
3. Ich finde es schade, dass der Begriff "Killerspiele" übernommen wird.
Der Begriff ist weitestgehend sinnfrei und reisserisch.
Hier gilt für Journalisten - man sollte nicht jeden Scheiß unreflektiert übernehmen.
Dr.Goldzahn (11.10.2008, 22:57 Uhr)
Kilerspiele
Es gibt keine Killerspiele...fertig.
Sandygirl (11.10.2008, 21:06 Uhr)
Freiheit statt Angst
...da die "bekannten Medien" das Ereignis wieder totschweigen, ein kleiner Hinweis: http://www.heise.de/newsticker/Zehntausende-demonstrieren-fuer-Freiheit-statt-Angst--/meldung/117237
Es gibt noch Leute, denen 1984 nicht egal ist.
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