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So gut ist das Billig-Tablet von Amazon

Das Amazon Kindle Fire kostet nur 199 Dollar und bringt Bewegung in den Tablet-Markt. Doch wie gut ist das Billig-Tablet wirklich? Ist es eine Alternative zu Apples iPad? Wir machen den Test.

  Kindle Fire: Ist Amazons günstiges Tablet ein iPad-Konkurrent?

Kindle Fire: Ist Amazons günstiges Tablet ein iPad-Konkurrent?

Amazons Kindle Fire lockt mit einem niedrigen Preis und einem großen Softwareangebot.

Ein Android-Tablet, das Multimedia-Inhalte auf höchster Ebene bietet und noch dazu zum halben Preis gegenüber Konkurrenztablets angeboten wird, könnte den Markt umkrempeln.

Das 7 Zoll große Android-2.3-Gingerbread-Tablet erscheint zu einem günstigen Zeitpunkt, denn der Tablet-Markt befindet sich am Scheideweg.

Gibt es nicht schon genug Tablets?

Trotz einer Flut an Honeycomb-Tablets, die 2011 auf dem Markt erschienen sind, sehen viele Anwender die Android-Tablets als günstige Nachahmungen des Apple iPads an.

Ein Tablet ab 479 Euro wie das iPad 2 oder sogar 499 Euro für die 16-GB-Variante des PlayBook sind für viele Anwender jedoch zu teurer. Der Ausverkauf des HP Touchpad für 99 Euro je Stück hat gezeigt, dass die Nachfrage nach einem erschwinglichen Tablet durchaus gegeben ist.

Mit lediglich 199 Dollar bietet Amazon mit seinem Fire also eine ernsthafte Option.

Ähnliche Strategie wie beim Kindle

Amazons Strategie ist einfach. Der Onlinehändler hofft, an den Erfolg seiner beliebten Kindle-E-Reader anschließen zu können, indem Abstriche bei der Hardware hingenommen werden müssen.

Die enge Integration von Medieninhalten wie Büchern, Magazinen, Apps und Filmen ermöglicht Amazon einen weiteren Strategiepunkt, auf den beispielsweise Firmen wie LG, Samsung und Motorola nicht zurückgreifen können und der für Apple nicht in Frage kommt.

Doch wie schlägt sich das Kindle Fire gegen iPad und Co.? Wir haben es unter die Lupe genommen.

  Das Kindle Fire setzt auf ein schlankes Design mit wenigen Tasten

Das Kindle Fire setzt auf ein schlankes Design mit wenigen Tasten

Design

Mit dem Kindle Fire bietet Amazon erstmals ein Gerät mit Farbbildschirm. Mit seinem 7 Zoll großen Bildschirm mit einer Auflösung von 1024 x 600 Pixel sowie den Maßen von 190 x 120 x 11,4 Millimeter fällt das Kindle Fire in die Sparte kleinerer Tablets.

Das Amazon Fire weist Ähnlichkeiten zu RIMs BlackBerry Playbook auf. Das glänzende, schwarze Gerät bietet ebenso wie das PlayBook ein 7 Zoll großes Display und eine gummierte, matte Oberfläche auf der Rückseite und an den Kanten. Mit 11,4 Millimeter ist es etwas dicker als das PlayBook (10 Millimeter), allerdings hat das Fire einen dünneren Rand um das Display. Ebenso wie das PlayBook fühlt sich das Amazon-Gerät qualitativ hochwertig an.

Nur wenige Tasten

Auf der Vorderseite des Amazon-Tablets befinden sich keinerlei Tasten, wodurch das Gerät ein sehr designstarkes und aufgeräumtes Äußeres erhält. Die Power-Taste, die sich direkt neben dem Micro-USB-Anschluss und der Kopfhörerbuchse auf der unteren Seite des Gerätes befindet, ist die einzige physische Taste des Tablets.

Die Power-Taste macht jedoch einen deplatzierten Eindruck und hätte besser auf der oberen Seite des Kindle Fire integriert werden sollen.

Auch Tasten für die Lautstärkenregelung und die Bildschirmsperre sucht man auf dem Fire vergeblich. Auf der oberen Kante des Tablets finden sich noch zwei kleine Lautsprecher.

Fans des Kindles können sich freuen, denn das Fire fühlt sich eher wie ein E-Reader-Gerät als wie ein Tablet-PC an. Mit 413 Gramm ist es zudem wesentlich komfortabler zu halten als beispielsweise das iPad 2.

  Keine Kamera, kein GPS, wenig Speicher - die Ausstattung des Kindle Fire ist eher dürftig

Keine Kamera, kein GPS, wenig Speicher - die Ausstattung des Kindle Fire ist eher dürftig

Hardware

Ausgestattet ist das vielversprechende Tablet mit Android 2.3 und nicht mit der neueren auf Tablets zugeschnittenen Honeycomb-3.2-Software. Das OS ist innerhalb der Anwenderoberfläche auf Amazons Design zugeschnitten.

Prozessor

Das Kindle Fire ist ebenso wie das PlayBook mit einem Dual-Core-OMAP-Prozessor von Texas Instruments samt 1 GHz ausgestattet. Ebenso wie das iPad 2 bietet das Kindle Fire 512 MB Arbeitsspeicher. Die meisten Honeycomb-Tablets wie auch das PlayBook bieten hingegen 1 GB RAM.

Speicher

Einen Abstrich müssen die Anwender auch beim internen Speicher hinnehmen. Das Fire bietet lediglich 8 GB Gesamtspeicher. Davon sind lediglich 6,54 GB für den User verwendbar. Da auch kein externer SD-Kartenslot vorhanden ist, können nicht viel eigene Musik oder Videos sowie Fotos auf dem Kindle Fire gespeichert werden. Allerdings bietet Amazon mit CloudDrive einen Cloud-Speicherdienst an, mit dem Anwender zusätzlich 5 GB kostenlosen Speicherplatz erhalten.

Kamera

Amazon verzichtet auf eine Kamera, um den Preis des Tablets niedrig zu halten. Anwender, die gerne videotelefonieren, sollten sich den Kauf eines Kindle Fire doppelt überlegen.

GPS

Auf einen GPS-Sensor müssen Anwender ebenfalls verzichten. Amazon hat jedoch betont, dass das Kindle Fire vor allem zum Konsum von Medieninhalten gedacht und weniger zur Navigation oder Kommunikation geeignet ist (vor allem da auch kein Mikrofon vorhanden ist). Man sollte das Tablet deshalb als das nutzen, als das es gedacht ist - vor allem in Anbetracht seines unschlagbaren Preises.

  Der Bildschirm überzeugt mit satten Farben und einer hohen Auflösung, wie beim hier gezeigten Film "The Green Lantern"

Der Bildschirm überzeugt mit satten Farben und einer hohen Auflösung, wie beim hier gezeigten Film "The Green Lantern"

Bildschirm

Positiv überraschte der 7 Zoll große LCD-Bildschirm mit einer Auflösung von 1024 x 600 Pixel. Der gleiche Bildschirm kommt auch beim BlackBerry PlayBook zum Einsatz.

Die Farben auf dem 169-ppi-Bildschirm waren sehr lebhaft und ließen nichts zu Wünschen übrig. Auch Text wurde gestochen scharf dargestellt. Das iPad 2 bietet vergleichsweise eine Pixeldichte von lediglich 132 ppi. Obwohl die Bildschirmwiedergabe hervorragend ist, kann das Fire nicht mit dem Samsung Galaxy 10.1 und dessen HD-Display mit einer Auflösung von 1280 x 800 Pixel mithalten.

Bei der Wiedergabe von Videos gab es auf dem Fire keinerlei Probleme. Es war zwar nicht die beste Qualität, aber auch nicht die schlechteste. Kein Grund zur Klage bei einem Preis von 199 Dollar.

Touchscreen-Funktion

Auch der kapazitive Multi-Touch-Bildschirm hat großes Potenzial.

In diesem Bereich könnte ein Tablet für unter 200 Dollar Schwächen zeigen, allerdings kann das verwendete Gorilla-Glas-Display mit Konkurrenzprodukten durchaus mithalten. Anwender müssen sich jedoch auf eine hohe Anfälligkeit für Fingerabdrücke gefasst machen.

Schnelle Reaktionszeit

Der Bildschirm war auch bei leichten Berührungen äußerst reaktionsstark und zeigte beim zweifachen Antippen und der "Pinch-To-Zoom"-Funktion eine einwandfreie Reaktion. Das Tippen auf sieben Zoll großen Bildschirmen ist immer etwas schwieriger, allerdings ist das Keyboard im Querformat auf dem Kindle Fire durchaus groß genug bemessen und die Gefahr, sich zu vertippen, äußerst gering.

iOS-Geräte legen in diesem Bereich die Messlatte hoch und Amazon bietet mit dem Kindle Fire eine hervorragende Lösung.

Benutzeroberfläche

Das Amazon Kindle Fire bietet nicht das für Tablets entworfene Android 3.2 Honeycomb, sondern eine speziell auf Amazon zugeschnittene und stark veränderte Version von Android 2.3 Gingerbread. Diese Android-Version wurde eigentlich primär für Smartphones entwickelt.

Bei dem Amazon Tablet ist dieser Umstand aber zum großen Teil irrelevant, da Amazon bei seinem Gerät ohnehin seine eigene Benutzeroberfläche, die durchaus erfrischend und ansprechend ist, in den Vordergrund stellt.

Die UI vereint einige Vorteile von Android, iOS, WebOS und der originalen Kindle-E-Reader innerhalb einer funktionalen und übersichtlichen Oberfläche.

Zwischen den Apps blättern

Der Startbildschirm ist im Design eines Bücherregals gestaltet. Der aktuellste Inhalt erscheint auf der obersten Ablage, egal ob es sich dabei um ein Buch, eine Webseite, eine App, ein Spiel oder Ähnliches handelt.

Diese Inhalte werden mittels eines Symbols oder einer Karte (ähnlich jenen in WebOS) dargestellt. Vor allem im Querformat kommt der Startbildschirm des Amazon-Tablets so richtig zur Geltung.

Das Durchblättern der Symbole macht großen Spaß, allerdings bewegen sich die Symbole häufig zu schnell. Wir mussten oft wieder zurückblättern, da wir das gewünschte Symbol bereits verpasst hatten.

Vom Startbildschirm aus können Anwendungen jederzeit aufgerufen werden und der User kann dort weitermachen, wo er beim letzten Mal aufgehört hat. Das Amazon Kindle Fire ist also ein hervorragendes Gerät für Multitasking.

Viele Funktionen nur über Gesten

Dass es keine physische Taste für den Startbildschirm gibt, ist etwas gewöhnungsbedürftig, da das entsprechende Symbol auf dem Bildschirm nur kurz angezeigt wird. Denn wenn der Anwender eine App öffnet und zurück auf den Startbildschirm möchte, ist das entsprechende Symbol oft schon verschwunden. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um einen kleinen Kritikpunkt.

Die Einstellungen (unter anderem für die Lautstärkeregelung und die Internetverbindung) können über ein Drop-Down-Menü innerhalb der Navigationsleiste aufgerufen werden. Auch Benachrichtigungen können hier abgerufen werden. Allerdings wird dafür die Benachrichtigungsleiste nicht nach unten gezogen, sondern lediglich das obere Ende berührt.

Einige Anwender werden es vielleicht als Nachteil empfinden, dass diese Funktionen sich hinter einer Touch-Geste verstecken. Innerhalb unseres Tests erwies sich diese Lösung allerdings als sehr intuitiv und anwendungsfreundlich.

Unterhalb der aktuellsten Inhalte befinden sich die Lieblings-Apps. Diese können individuell platziert werden. Dazu muss der Anwender das entsprechende Symbol berühren und halten. Diese Funktion kennt man bereits von iOS. Allerdings bietet das Kindle Fire keine Ordner-Funktion.

  Filme, Musik und Bücher - der Kindle Fire ist für den Konsum von Medien gemacht

Filme, Musik und Bücher - der Kindle Fire ist für den Konsum von Medien gemacht

Medien

Das Kindle Fire ist ohne Zweifel ein Tablet für den Medienkonsum und kein Gerät zur Kommunikation oder Navigation, da weder eine Kamera noch GPS integriert sind. Es macht also Sinn, dass oberhalb des Bücherregals eine Leiste angezeigt wird, die Verknüpfungen zu allen Medieninhalten bietet, die über Amazon erstanden werden können.

Innerhalb der Leiste werden neben dem Newsstand (Zeitungskiosk-App) Verknüpfungen zu Magazinen, Büchern, Musik, Dokumenten und Apps sowie eine Verknüpfung zum Web angezeigt.

Die Anzeige ist gut gelungen und bietet neben Übersichtlichkeit auch eine hohe Anwenderfreundlichkeit.

Vertrautes für Android-Nutzer

Android scheint ab und zu durch die Amazon-Benutzeroberfläche hindurch. Beispielsweise sind die Android-typischen Wortvorschläge bei der Texteingabe omnipräsent. Das Kindle-Keyboard ist aber die einzige Option zur Texteingabe.

Die Menüs und Einstellungen werden Anwender von Android-Smartphones oder -Tablets bekannt vorkommen, aber auch Erstanwender werden sich schnell auf dem Tablet zurechtfinden.

Leistung und Akku

Dass ein 199-Dollar-Tablet nicht die gleiche Leistung wie beispielsweise ein iPad 2 liefern kann, ist klar.

Im Großen und Ganzen ist das Gerät samt der Benutzeroberfläche gut gelungen und auch schnell. Während das iPad 2 mit 22 Sekunden relativ schnell startet, benötigt das Kindle Fire beim Test 36 Sekunden.

Manchmal wurden leichte Verzögerungen beim Öffnen von Apps oder der Auswahl von neuen Inhalten innerhalb der Apps wahrgenommen, allerdings war das nicht sonderlich störend. In anderen Tests wurde dieser Umstand wesentlich stärker kritisiert, was allerdings für uns nicht nachvollziehbar ist, da es weniger nervig ist als erwartet.

Auch konnten keine Verzögerungen beim Umblättern innerhalb von E-Books wahrgenommen werden, obwohl andere Tester ebenfalls darauf hingewiesen haben. Allerdings haben sich Apps innerhalb unseres Tests öfter von selbst geschlossen. Dieses Problem sollte jedoch mittels eines Software-Updates behoben werden können.

Der Kauf von Kopfhörern empfiehlt sich für das Kindle Fire in jedem Fall, denn die Qualität der integrierten Lautsprecher erwies sich als enttäuschendster Aspekt des Gerätes.

Akku

Das Kindle Fire bietet einen massiven 4400mAh-Akku, der einen Großteil des Platzes innerhalb des Gehäuses einnimmt.

Laut Amazon soll die Akkulaufzeit für 8 Stunden Videowiedergabe und 7,5 Stunden durchgängiges Lesen reichen. Allerdings wird diese Leistung nur erzielt, wenn das WLAN ausgeschalten ist.

In unserem Test waren nach 5 Stunden durchgehender Nutzung (inklusive dem Konsum von Musik, Videos, Spielen, Büchern und dem Browsen im Web) lediglich 15 Prozent Akkuleistung übrig und das Tablet musste wieder aufgeladen werden. Circa 6 Stunden Akkulaufzeit sind nicht wirklich viel, vor allem wenn sich der Anwender auf einer längeren Reise befindet. In diesem Fall sollte das WLAN ausgeschaltet und die Bildschirmhelligkeit reduziert werden.

  Der Silk-Browser ist schnell, leider zu Lasten der Privatsphäre

Der Silk-Browser ist schnell, leider zu Lasten der Privatsphäre

Silk-Browser

Als eine weitere Sensation neben dem Tablet-Preis wurde von Amazon der Silk-Browser als ein neuer und revolutionärer Browser angekündigt. Dieser soll einen neuen Zugang zum Laden von Webseiten bieten und damit die Online-Inhalte schneller anzeigen.

Amazon ist nicht nur der weltgrößte Onlinehändler. Die Server von Amazon verarbeiten auch eine unglaubliche Menge von Webinhalten.

Die massiven Cloud-basierenden Computer können einiges auf sich nehmen, wenn es um das Laden von Webinhalten geht.

Diese Server speichern eine Reihe von Webseiteninformationen in einem Cache, wodurch das Kindle Fire selbst nicht mehr so stark beansprucht wird, wenn das nächste Mal eine bereits besuchte Seite aufgerufen wird. Dadurch können Internetseiten wesentlich schneller geladen werden. Durch den Silk-Browser werden reguläre Inhalte wie Banner über den Server geladen und der restliche Inhalt folgt augenblicklich.

Mangelnde Privatsphäre?

Allerdings wird der Silk-Browser als sehr kontrovers betrachtet. Da viele Informationen durch Amazons eigene Server bearbeitet werden, haben viele Anwender Bedenken bezüglich ihrer Privatsphäre. Denn Amazon besitzt dadurch eine Liste aller Webseiten, die der Anwender besucht. Für die zusätzliche Geschwindigkeit beim Browsen muss also ein entsprechend hoher Preis gezahlt werden.

In Sachen Design und Anwenderfreundlichkeit ist der Silk-Browser anderen Android-Standardbrowsern definitiv voraus, allerdings ist er nicht so intuitiv wie Safari für iOS 5.

Das Scrollen innerhalb von Webseiten erwies sich als sehr einfach und auch das zweifache Antippen, um in die Seite zu zoomen sowie die "Pinch-To-Zoom"-Funktion haben einwandfrei funktioniert. Keine dieser Funktionen zog die Wiedergabe von Text oder Bildern in Mitleidenschaft. Allerdings kann das Zoomen durchaus ruckartig vonstatten gehen, wenn sich auf der betreffenden Seite ein Video befindet.

Der Silk-Browser unterstützt zudem Flash. Die Darstellung von Flash-Bannern auf dem Fire-Tablet war oft nicht korrekt, allerdings ist dieses Problem unabhängig vom Gerät bereits generell bekannt.

Viel Website auf wenig Größe

Wie sehr der Silk-Browser dem Anwender gefällt, wird wahrscheinlich von der Bildschirmgröße abhängen. Das Fire bietet bekanntlich lediglich 7 Zoll und das kann das Vergnügen etwas schmälern.

Im Hochformat werden viele Webseiten in ihrer Breite nicht vollständig angezeigt. Beim Querformat muss der Anwender außerdem häufig scrollen, da nur wenig Inhalt auf dem kleinen Bildschirm angezeigt wird.

Es gab allerdings keinerlei Probleme bei der Textdarstellung von Webartikeln auf dem 7 Zoll großen Display, da der Text wie beim Android-Browser an die Bildschirmgröße angepasst wird, sobald der Anwender ihn vergrößert.

  Zeitschriften lassen sich auf dem Kindle Fire besser lesen als auf dem Vorgänger

Zeitschriften lassen sich auf dem Kindle Fire besser lesen als auf dem Vorgänger

Filme, Musik und Bücher

Die Existenzgrundlage für das Kindle Fire ist es, den Anwender dazu zu bewegen, das Gerät mit Büchern, Magazinen, Apps, Filmen und Musik von Amazons Online-Plattform zu füllen.

Dafür nimmt es Amazon auch in Kauf, mit jedem verkauften Tablet zunächst ein Verlustgeschäft zu machen.

Wenn ein entsprechendes Portal, wie beispielsweise jenes für Musik, geöffnet wird, bekommt der Anwender einen Bildschirm mit den Inhalten angezeigt, die sich bereits auf dem Gerät befinden sowie jenen die auf Amazons Cloud Player gespeichert wurden.

Wie funktioniert das Kaufen von Inhalten?

Um neue Musik zu erstehen, muss das Store-Tab berührt werden. Die Navigation ist hier ebenfalls sehr gut gelungen und User erhalten eine MP3-Hörprobe von jedem Lied. Sobald ein Kauf getätigt wird, hat der Anwender die Option, den Inhalt auf seinem Gerät oder über den Cloud Player zu speichern. Auch eigene Lieder können auf das Cloud-Player-Konto geladen werden.

Die Cloud-Lösung von Amazon ist ein Weg, um den lediglich 8 GB großen internen Speicher zu umgehen. Musik und Videos können dann über WLAN wiedergegeben werden.

Ohne Internet

Wenn kein WLAN vorhanden ist, kann der Anwender allerdings nicht mehr viel machen, da das Kindle Fire keine 3G-Verbindung bietet. Allerdings gibt es für längere Reisen immer noch die Möglichkeit, auf Inhalte aus dem internen Speicher zuzugreifen. Dadurch wird darüber hinaus die Akkulaufzeit des Tablets geschont.

In Sachen Filme und TV-Shows will Amazon die Anwender dazu bewegen, den hauseigenen "Prime Instant Videos"-Dienst zu nutzen, der für die Anwender in den USA kostenlos ist, wenn diese eine Amazon-Prime-Mitgliedschaft besitzen. Amazon Prime kostet jährlich 79 Dollar und Kindle-Fire-Besitzer erhalten eine einmalige Probemitgliedschaft.

User erhalten kostenlose und unlimitierte Streaming-Angebote für Tausende von Filmen und TV-Shows. Allerdings sollte man sich nicht die neuesten Blockbuster erwarten.

Für die neuesten Kinofilme und aktuellsten TV-Shows müssen in den USA 1,99 bis 3,99 Dollar bezahlt werden. Diese sind dann 48 Stunden zugänglich (doppelt so lange wie bei iTunes). Ebenso wie bei iTunes können Anwender die Videos vorübergehend auf ihr Gerät herunterladen, um sie offline zu nutzen.

Die Amazon-Plattform ist definitiv das erste Angebot, das zu hundert Prozent mit Apples iTunes mithalten kann. Es bietet zwar keine Podcasts oder eine Plattform wie iTunes U, allerdings bietet es essenzielle Inhalte im Überfluss.

Virtueller Kiosk

Die Newsstand-Anwendung ist relativ ähnlich zu Apples Namensvetter auf iOS 5. Es bietet eine Reihe von Magazinen und Zeitungen, die Amazon schon vor der Markteinführung des Kindle-Fire-Tablets eingebunden hat. Neben "Vanity Fair" oder "GQ" befindet sich beispielsweise auch "The New York Times" im Angebot von Amazon. Auch die Magazine und Zeitungen müssen nicht auf dem Tablet gespeichert werden, sondern lassen sich ebenfalls über die Cloud nutzen.

Das Lesen von Magazinen macht Spaß, allerdings bietet das Kindle Fire nicht den Lesefluss des iPad 2. Zum Konsum von Büchern bleibt nicht viel zu sagen, schließlich handelt es sich beim Fire ja auch um einen Kindle-Reader.

Mit einer Auswahl von 750.000 Büchern ist das Kindle Fire der Konkurrenz ganz klar überlegen und auch der Kauf von Büchern auf dem neuen Gerät gestaltete sich hervorragend einfach. Allerdings ist auch hier das Leseerlebnis nicht so beeindruckend wie auf der iBooks-App für iOS. Die Umsetzung auf iOS ist wesentlich realitätsnaher.

Amazon-Prime-Mitglieder in den USA bekommen darüber hinaus jeden Monat ein kostenloses E-Book aus dem Store zur Verfügung gestellt.

  Die Auswahl der Apps ist weniger umfangreich als beim iPad, dennoch kommen auch Gamer auf ihre Kosten

Die Auswahl der Apps ist weniger umfangreich als beim iPad, dennoch kommen auch Gamer auf ihre Kosten

Apps und Spiele

Obwohl das Kindle Fire auf Android basiert, merkt man, dass das Amazon-Tablet kein vollständiges Android-Gerät ist. Vor allem in Sachen Apps werden die Anwender diesen Umstand schnell erkennen.

Auf dem Tablet kommt Amazons hauseigener Android-Appstore zum Einsatz, der Android Market von Google ist hingegen nicht zugänglich. Dadurch wird das App-Angebot auf dem Kindle Fire erheblich reduziert, obwohl Apple mit über 140.000 (auf das iPad optimierten) Apps ohnehin die Nase vorne hat.

Für Zocker bedingt geeignet

Amazon hat jedoch mit einigen wichtigen Herstellern Verträge abschließen können, wodurch Spiele wie "Angry Birds", "Words With Friends", "Plants vs Zombies", "Dead Space" oder "Scrabble" auf dem Gerät vorinstalliert sind. Außerdem will Amazon den Fire-Anwendern jeden Tag eine kostenlose Premium-App anbieten. Wie bei den anderen Medieninhalten können auch Apps entweder direkt auf dem Tablet oder über die Cloud gespeichert werden.

Das Spielerlebnis auf dem Kindle Fire ist durchaus ansprechend. Es fühlt sich in dieser Hinsicht jedoch wie auf einem großen Smartphone und nicht wie auf einem Tablet an. Das für PlayStation-Spiele zertifizierte Sony S1 und das iPad 2 bieten ein wesentlich besseres Spielerlebnis. Jeder, der bereits auf einem Android-Smartphone Spiele gespielt hat, wird jedoch wissen, was zu erwarten ist. Der Multitouch-Screen ist hier jedoch ein Vorteil.

Innerhalb des Streaming-Angebots bietet das Kindle Fire neben Netflix und Hulu+ auch Zugang zu Pandora. Spotify sucht man allerdings vergeblich.

Eingeschränktes Facebook

Bei den sozialen Netzwerken bietet das Kindle Fire ein Facebook-Symbol, mit dem der Anwender jedoch lediglich auf die Webversion der sozialen Plattform gelangt. Auch eine offizielle Twitter-App glänzt durch Abwesenheit. Allerdings gibt es zahlreiche Drittanbieter-Apps wie Seismic, FriendCaster oder UberSocial.

Während der Amazon Appstore randgefüllt ist, können die Anwender keinerlei Google-Apps nutzen. Das bedeutet, dass keine YouTube-App, keine Anwendung für Google+, Google Maps und Earth und auch kein Gmail angeboten werden.

Bei diesen Apps handelt es sich um wichtige und überaus beliebte Anwendungen der Android-Plattform und Amazon hat sie einfach außen vor gelassen. Ohne diese Apps fühlt sich das Tablet ein wenig leer an.

Google-Apps nur für Fortgeschrittene

Es gibt jedoch eine Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen. Mittels eines Jailbreak kann das Tablet entsperrt und beliebige Apps auf dem Gerät installiert werden. Allerdings empfiehlt sich die Entsperrung nur für fortgeschrittene Anwender, da dadurch die Gerätegarantie hinfällig wird.

Zusammenfassung

Das Amazon Kindle Fire ist ein Tablet, bei dem sich der Hersteller nicht dem Ziel verschrieben hat, einen iPad-Konkurrenten herzustellen und auf den Markt zu bringen.

Für den günstigen Preis musste Amazon selbstverständlich einige Kompromisse eingehen, allerdings ist dem Onlinehändler die Balance zwischen essenziellen Funktionen und einer kostengünstigen Preisgestaltung durchaus gelungen.

Pro

Der 7 Zoll große Bildschirm kommt beim Fire wesentlich besser zur Geltung als beim BlackBerry PlayBook oder beim originalen Galaxy Tab. Das Fire bietet zusätzlich den Komfort eines Kindle-Reader, fühlt sich solide und komfortabel an und ist keineswegs sperrig.

Die Anwenderoberfläche, das Touchscreen-Display und die Nutzungsmöglichkeiten für Multimedia-Inhalte sind wesentlich besser als man für einen Preis von 199 Dollar erwarten würde.

Der Einkauf von Inhalten über das Tablet erwies sich als absolut unproblematisch und die Möglichkeit, Inhalte in der Cloud zu speichern, macht den Nachteil des lediglich 8 GB großen internen Speichers erträglicher. Der Silk-Browser, der auf dem Fire zum Einsatz kommt, konnte die Erwartungen ebenfalls übertreffen.

Kontra

Es gibt eine lange Liste von Abstrichen, die man beim Kindle hinnehmen muss. Unter Anbetracht des Preises können diese Abstriche aber durchaus hingenommen werden.

Um die Kosten zu senken, wurde auf eine Kamera, ein Mikrofon, 3G, Bluetooth, GPS, Zugang zum Android Market sowie größeren internen Speicherplatz (und die Option auf externe Speicherung) verzichtet.

Das sind allerdings Spezifikationen, an die wir uns bei mobilen Geräten bereits gewöhnt haben und daher auch auf dem Amazon-Tablet vermissen.

Die Software ist alles in allem sehr gut, könnte aber hier und da noch einige Optimierungen gebrauchen. Die Akkulaufzeit ist hingegen ein wenig enttäuschend. Auch das Fehlen von originalen Android-Apps ist ein Problem und der Silk-Browser wirft einige Bedenken bezüglich der Privatsphäre auf. Während des Surfens werden zahlreiche Informationen auf Amazons hauseigenen Servern gespeichert, um das Browsen im Web zu beschleunigen.

Fazit

Das Amazon Kindle Fire bietet einen sehr hohen Unterhaltungswert angesichts des kleinen Preises. Es könnte sich beim Amazon-Tablet also wirklich um das Schnäppchen schlechthin handeln.

Der Onlinehändler hat es ohne Frage geschafft, sein Ziel mit dem Fire-Tablet zu erreichen. Es ist ein brillantes Gerät um Medieninhalte zu konsumieren, ohne dafür ein Vermögen ausgeben zu müssen.

Es ist kein Gerät das allen Ansprüchen genügen wird, aber das war auch nicht die Absicht von Amazon. Es ist aber dennoch ein unterhaltsames Gerät, das mehr bietet als sein Preis vermuten lässt.

Kein iPad-Konkurrent

Aufgrund seiner minimalistischen Spezifikationen kann das Kindle Fire auf keinen Fall als iPad-Herausforderer bezeichnet werden. Das iPad 2 bietet in jedem Punkt eine bessere Leistung, aber das sollte es auch, bei einem drei Mal höheren Preis. Das Kindle Fire ist allerdings ein vollständig neuer Ansatz und kann nicht so einfach an den Maßstäben anderer Tablets gemessen werden.

Anwender, die jedoch ein iPad haben wollen, werden nach wie vor das Apple-Tablet kaufen. Angesichts der zahlreichen Fire-Geräte, die Amazon in den USA bereits verkaufen könnte und auch hierzulande wird verkaufen können, ist das Kindle Fire jedoch das erste Tablet, das mit dem iPad in Sachen Popularität wird mithalten können.

Anstatt Apple den Rang abzulaufen, wird das Amazon-Tablet wohl eher anderen Android-Tablet-Herstellern, die Tablets um rund 400 Euro anbieten, im Magen liegen. Sie werden wohl ebenfalls an ihrer Preisschraube drehen und neue Wege finden müssen, um mit Amazons Verkaufsplattform konkurrieren zu können. Für die Anwender wird das hoffentlich zu mehr Auswahl und besseren Angeboten führen.

Bisher nur in den USA erhältlich

Das Amazon Kindle Fire ist erschienen und der Tablet-Markt könnte sich dadurch erheblich verändern. Nun fehlt nur noch die Bekanntgabe von Amazon, dass sein günstiges Tablet mit den zahlreichen Medienangeboten auch in Deutschland auf den Markt kommt, denn derzeit ist das Kindle Fire lediglich in den USA erhältlich.

TechRadar/tr

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