Es muss nicht immer Windows sein. Viele würden auch gerne einmal das alternative Betriebssystem Linux ausprobieren. "Knoppix" erlaubt es, Linux direkt von einer Boot-CD aus zu starten. Am PC wird nichts verändert.

Tux, das Linux-Maskottchen, begrüßt auch die "Knoppix"-User© Knoppix
Nach dem tausendsten Absturz und der hundertsten Virenattacke haben viele Anwender die Nase voll. Nur allzu gerne würde so mancher Windows gerne den Rücken kehren und stattdessen ein anderes Betriebssystem ausprobieren - etwa das kostenlose und gemeinschaftlich von vielen tausend Programmierern entwickelte Linux. Doch Linux gilt als Frickelsystem, das von seinen Besitzern intime Kenntnisse des Rechners und zahlreicher Konfigurationsalgorithmen verlangt. Viele Neugierige winken da dankend ab: Sie haben keine Lust darauf, noch einmal Stunden und Tage darauf zu verwenden, um sich in den grundlegenden Aufbau eines neuen Betriebssystems einzudenken. Sie haben außerdem Angst vor den Problemen, die entstehen können, wenn Windows und Linux parallel auf einem System installiert werden: Eine solche Dual-Boot-Konfiguration ist vom PC-Einsteiger kaum in Eigenarbeit zu stemmen.
Der Deutsche Klaus Knopper hat die Lösung gefunden. Er präsentiert mit seinem kostenlosen "Knoppix" ein komplettes Linux mit grafischer Benutzeroberfläche, das von einer Boot-CD aus betrieben wird. Sobald der Rechner mit eingelegter Boot-CD gestartet wird, lädt die CD sofort das Linux-System in den Arbeitsspeicher, sodass der Anwender mit ihm arbeiten kann. Die Festplatten werden dabei nicht verändert, sodass nach einem Neustart des Rechners ohne eingelegte Boot-CD wieder alles so ist wie vorher. "Knoppix" eignet sich aus diesem Grund perfekt dafür, Linux einmal "ohne Reue" auszuprobieren. Die grafische Oberfläche, die sehr an Windows erinnert, erlaubt es auch dem blutigen PC-Laien, sich sofort zu orientieren und erste Programme zu starten, die zum "Knoppix"-System gehören.
Die Linux-Installation von Klaus Knopper basiert auf einem Debian-basierten Linux-Kernel 2.4.27 und dem grafischen Standard-Desktop "KDE 3.2.3". Obwohl die randvoll bespielte Boot-CD nur 700 Megabyte fasst, bringt es "Knoppix" unterm Strich doch auf zwei Gigabyte Software. "Schuld" daran ist eine transparente Kompression, die von der CD angeforderte Dateien bei Gebrauch entpackt. Nur so ist es möglich, dass "Knoppix" mit 900 fertig installierten Software-Paketen und insgesamt über 2.000 sofort lauffähigen Anwendungen, Tools und Spielen ausgeliefert wird.
Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Das ganze Betriebssystem passt auf eine einzige CD. Und es bringt auch gleich noch alle Anwendungen mit, die im Alltag von Interesse sind. Und diese Anwendungen müssen nicht einmal installiert werden.
Neugierig geworden? Dann kann es ja losgehen. Das 700 Megabyte große ISO-Image der "Knoppix"-Boot-CD muss zunächst aus dem Internet heruntergeladen und auf die Festplatte kopiert werden. Alle großen Brennprogramme bieten die Möglichkeit an, ein Image gleich auf eine neue CD zu brennen, wobei alle wichtigen Einstellungen bereits im Image gespeichert sind.

Der "KDE"-Desktop erscheint Windows-Nutzern gleich vertraut© Knoppix
Die dabei entstandene Boot-CD kann gleich im CD-Laufwerk verbleiben. Beim Neustart des Rechners muss der Anwender durch Betätigung der im Startdialog angezeigten Hotkey-Taste (meistens F1 oder F2) in das Setup des BIOS wechseln. Hier ist die Zeile mit der "Boot Sequence" von Interesse. In der Regel bootet der Rechner erst vom Diskettenlaufwerk und dann von der Festplatte. Die Einstellungen müssen so verändert werden, dass der Rechner zuerst vom CD-Laufwerk aus bootet. Die veränderten Einstellungen werden gespeichert; anschließend kann ein Neustart des Rechners eingeleitet werden.
Bootet der PC vom CD-Rom-Laufwerk, lädt sich Knoppix in den Arbeitsspeicher des Rechners. Damit das gelingt, setzt "Knoppix" 96 Megabyte Hauptspeicher voraus. 128 Megabyte RAM sollten vorliegen, wenn zusätzlich auch noch diverse Office-Programme gestartet werden sollen. Eine SVGA-kompatible Grafikkarte und eine Maus (serielle oder PS/2-Schnittstelle oder PS/2-kompatibles USB-Gerät) werden ebenfalls vorausgesetzt.

Die Programmsuite "OpenOffice.org" ist ein vollwertiger Ersatz für MS Office© Knoppix
"Knoppix" bietet eine eigene Hardware-Erkennung, die bereits beim Booten herausfindet, welche Grafikkarte und welche Soundkarte installiert sind, welche Peripherie-Geräte am Rechner hängen und welche USB-Komponenten sich anschließen lassen. Nicht immer ist "Knoppix" dabei erfolgreich. Profis konfigurieren nach, alle anderen sind zufrieden, wenn wenigstens die Grafikkarte und die Maus erkannt werden. Denn dann kann bereits problemlos gearbeitet werden.
Sobald die "Knoppix"-CD fertig geladen ist, startet die grafische Oberfläche des Linux-Systems - der "KDE"-Desktop. Er erinnert von der Gestaltung her sehr an Windows, sodass sich die meisten Anwender fast intuitiv zurecht finden werden.
In der Taskleiste ist links ein Startmenü zu finden, das per Mausklick einen Überblick über alle vorhandenen Anwendungen gewährt. Rechts daneben werden viele kleine Icons in einer Schnellstarterleiste gesammelt, die besonders wichtige Anwendungen mit nur einem Mausklick startet. Mittig werden die Namen der offenen Fenster abgelegt, die per Mausklick verkleinert wurden. Eine Art Systemtray zeigt auf der rechten Seite Status-Icons aktiver Hintergrund-Tools und die Uhrzeit an. Eine erste Besonderheit des "KDE"-Desktops ist die Verwaltung der "Arbeitsflächen". Bis zu 16 virtuelle Desktops lassen sich beim "KDE" anlegen, von denen von Hause aus vier aktiv sind. Offene Fenster lassen sich per Drag and Drop auf diese Desktops verteilen, um für mehr freien Platz auf dem Bildschirm zu sorgen. Eine Übersicht der Arbeitsfläche in der Taskleiste hilft dabei, schnell von einem Desktop zum anderen zu wechseln.
| Knoppix 3.6 | |
|---|---|
| System | Linux |
| Autor | Klaus Knopper |
| Sprache | Deutsch |
| Preis | Kostenlos (OpenSource) |
| Website | Knoppix.de |