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Gelingt Apple mit diesem Streichel-Laptop das Computer-Comeback?

Dünner, leichter und mit einer Touchleiste: Mit einem runderneuertem Macbook meldet sich Apple als Notebook-Innovator zurück. Dafür verlangt der iPhone-Hersteller einen saftigen Preis. Ob das Konzept aufgeht?

Tim Cook bei der Präsentation des neuen Macbook Pro

Tim Cook bei der Präsentation des neuen Macbook Pro

Am 21. Oktober 1991, ziemlich auf den Tag genau vor 25 Jahren, stellte Apple das erste Macintosh-Powerbook vor. Damals waren Notebooks noch Nischenprodukte, unter den Büro-Schreibtischen fristeten klotzige PC-Tower ihr Dasein. Doch Apple setzte einen Trend nach dem anderen und machte die Flachrechner salonfähig: 2006 brachte man die kultigen weißen Macbooks auf den Markt und eroberte die Unis. 2008 zog Steve Jobs das Macbook Air - damals "das dünnste Notebook der Welt" - aus dem Briefumschlag. Und 2012 legte das Macbook Pro mit Retina-Display die Messlatte hoch.

Die letzten Jahre wurde es dann ruhiger in Cupertino, sieht man einmal vom ultrakompakten aus dem vergangenen Jahr ab. Bis auf alljährliche Prozessor-Upgrades passierte wenig Neues. Stattdessen gaben andere Unternehmen den Takt an: HP und Lenovo und setzten auf Convertible-Rechner, bei denen sich der Bildschirm umklappen und mit Touch-Eingaben steuern lässt. Und Microsoft stellte am Mittwoch mit dem Surface Book i7 einen Rechner vor, der 16 Stunden Akkulaufzeit bietet und in wenigen Handgriffen zum Tablet wird.

Mit dem neuen Macbook Pro, das Tim Cook am Donnerstag in vorgestellt hat, meldet sich der Konzern nun zurück und wagt einen neuen Anlauf. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen.

Macbook Pro mit Wisch-Leiste …

Das neue Macbook Pro ist - natürlich - "das beste Notebook, das wir je gebaut haben", schwärmt Apples Marketing-Chef Phil Schwiller. An Superlativen wurde wie immer nicht gegeizt: Der neue Rechner ist das leichteste, schnellste und dünnste Pro-Modell aller Zeiten. Das erwartet man aber auch bei der ersten Runderneuerung nach vier Jahren.

Doch es sind nicht die kompakten Maße, die das Produkt von der Konkurrenz abhebt. Es ist ein schwarzer, fingerbreiter Streifen über der Tastatur, der Technik-Fans in Verzückung setzt - die Bar. Dabei handelt es sich um eine langgezogene Touchleiste oberhalb der Tastatur, welche die bisherigen Funktionstasten ersetzt.

Das Besondere: Sie passt sich dynamisch dem Bildschirminhalt an. Öffnet man den Safari-Browser, werden die Lesezeichen der Lieblings-Webseiten als Miniaturvorschau angezeigt. in bekommt man die üblichen Steuerbefehle wie Pause, Spulen oder Nächster Song eingeblendet, in einem Chat-Programm sind eine Reihe Emojis zu sehen. Die alten Funktionstasten gibt es natürlich immer noch als virtuelle Tasten.

Die Touch Bar passt sich an den Bildschirminhalt an

Die Touch Bar passt sich an den Bildschirminhalt an

… mit Fingerscanner

Doch das ist noch nicht alles: Am rechten Rand der Touch Bar ist ein Fingerabdruckscanner verbaut (Touch ID). Das ist zunächst einmal nichts Besonderes, so etwas bieten viele professionelle Windows-Laptops seit Jahren. Dort dient der Fingerscanner aber meist zum Einloggen in den Rechner, der TouchID-Sensor bei Apple hat aber noch einen Trick mehr auf Lager. Mit ihm kann man dank Apple Pay direkt im Netz bezahlen oder sich in verschiedene Dienste einloggen. Das erspart das lästige Eintippen von Passwörtern.

Der Ersteindruck der Touch Bar ist vielversprechend. Vor allem das Zusammenspiel von Hard- und Software scheint gut zu funktionieren, daran scheiterten in der Vergangenheit ähnliche Versuche von Mitbewerbern. Am Ende stellten sich Touchbildschirme und virtuelle Tastaturen nur in wenigen Fällen als Arbeitserleichterung, sondern meist nur als Spielerei, als Gimmick heraus. Man darf gespannt sein, ob Apple seinen Job besser gemacht und viele Entwickler ins Boot geholt hat. Denn natürlich müssen die Programme an die Touch Bar angepasst werden. Wie gut die Wischleiste am Ende funktioniert, werden Tests zeigen.

Die Sache mit den Adaptern

Für weniger Entzückung bei den Fans sorgen indes die gestrichenen Anschlüsse. Denn um das neue Macbook Pro so dünn zu bekommen, musste Apple die Axt an viele liebgewonnene Buchsen anlegen. Dass der Konzern auf etablierte Standards pfeift, wenn es das Design erfordert, hat er schon oft genug bewiesen - zuletzt mit der gestrichenen Kopfhörerbuchse beim iPhone 7. Ein DVD-Laufwerk und eine Ethernetbuchse sucht man schon seit Jahren beim Macbook Pro vergeblich. Nun wurden auch noch der SD-Karten-Leser, der HDMI-Port und die klassischen USB-Buchsen gestrichen und durch vier einheitliche Thunderbolt-3-Schnittstellen ersetzt.

Das neue Macbook Pro hat ein größeres Trackpad und einen helleren Bildschirm

Das neue Macbook Pro hat ein größeres Trackpad und einen helleren Bildschirm

Das ist einerseits praktisch, denn USB-C wird in wenigen Jahren vermutlich der Standard der Branche sein. Vom technischen Standpunkt aus betrachtet ist der Stecker ein echter Tausendsassa, der alles beherrscht - vom Aufladen bis zur Bildschirmausgabe. Doch bis es soweit ist, muss man ein Bündel von Adaptern mit sich herumschleppen, und die sind bei Apple naturgemäß nicht gerade günstig. Einfach mal schnell den Drucker, die externe Festplatte, eine Maus oder eine USB-Kaffeewarmhalteplatte anschließen wird dann nicht mehr möglich sein. Nicht einmal das iPhone lässt sich nun ohne Adapter mit dem Macbook verbinden - im Gegensatz zu vielen Android-Smartphones. Welch Ironie.

Das dünne Design fordert noch einen weiteren Tribut: Der praktische, magnetische MagSafe-Anschluss, der beim Drüberstolpern automatisch aus der Buchse gleitet, wird beim neuen Macbook Pro in Rente geschickt. Immerhin der Kopfhöreranschluss ist noch vorhanden.

Der Apfel leuchtet nicht mehr

Technisch gibt es beim neuen Macbook wenig zu meckern: Die Speicher-Grundausstattung liegt bei 256 Gigabyte, je nach Modell und Geldbeutel sind bis zu zwei Terabyte drin. Die SSDs sollen noch einmal deutlich schneller sein als bei den Vorgängern, die ohnehin schon sehr performant waren. Das Retina-Display ist 67 Prozent heller (500 Nits) und stellt mehr Farben dar. Die Akkulaufzeit liegt bei zehn Stunden, hier hätten wir mit etwas mehr gerechnet. Bei den Prozessoren gibt es eine Überraschung: Im neuen Macbook stecken noch Intel-Prozessoren der 6. Generation (Skylake) und nicht die 7. Generation (Kaby Lake), die dürften aber auch erst im kommenden Frühjahr flächendeckend erhältlich sein - solange wollte Apple vermutlich nicht warten. Die eingebauten Lautsprecher sollen doppelt so laut sein.

Erstmals hat man bei den Pro-Modellen nun die Wahl zwischen einer Variante in Silber und Space Grau (diese Farbe hat Apple kurioserweise beim iPhone 7 erst abgeschafft). Der Apfel auf der Rückseite leuchtet zudem nicht mehr.

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Saftiges Preisschild

Apple war noch nie für günstige Preise bekannt, doch bei den neuen MacBooks legt der Konzern noch einmal eine Schippe drauf. Beim 13-Zoll-Modell mit Touch Bar geht es bei 1999 Euro los, das 15-Zoll-Modell beginnt bei 2699 Euro. Wer mehr Speicher, einen schnelleren Prozessor und mehr RAM will, kann mit dem Doppelten rechnen. Das Spitzenmodell kostet stolze 5000 Euro.

Am Ende könnte sich das Experiment für den Konzern auszahlen. Der weltweite Notebook-Markt steht unter großem Druck und es ist unwahrscheinlich, dass jemals wieder die verkauften Stückzahlen von vor sechs, sieben Jahren erreicht werden. Dafür ist der Druck durch Tablets und Smartphones zu groß geworden. Um den Umsatzrückgang aufzuhalten, konzentriert sich Apple nun offenbar auf teure, aber spezialisierte Geräte - ähnlich wie Microsoft. 

Zum anderen forciert Apple mit der Touchleiste seinen Bezahldienst Apple Pay, der nach und nach in immer mehr Ländern ausgerollt wird und bei dem der Konzern an jeder Transaktion mitverdient. Die Services-Sparte ist der einzige Unternehmensbereich, in dem Apple jedes Quartal zweistellig zulegt und in dem große Hoffnungen liegen.

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