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Ist diese kleine Glasscheibe die Speicher-Revolution?

Die Glasscheibe ist nur so groß wie eine Münze, doch sie bietet so viel Platz wie 3000 Blu-rays: Britische Forscher haben eine neue Speichertechnik erfunden. Die hat gleich mehrere Vorzüge – doch es gibt einen Haken.

Diese kleine Glassscheibe könnte die Datenspeicher-Technik revolutionieren

Diese kleine Glassscheibe könnte die Datenspeicher-Technik revolutionieren

Wer große Datenmengen speichern will, kommt um eine Festplatte nicht herum. Die ist – je nach Modell – mal so groß wie ein Smartphone (kleine 1,8-Zoll-Festplatte), mal hat sie die Größe eines dicken Buches (3,5-Zoll-Festplatte). Doch richtig viel Platz bieten selbst die modernsten Datenspeicher nicht, in der Regel ist bei 8 bis 12 Terabyte Schluss. Stand jetzt ist das mehr als ausreichend, doch die Datenmengen werden in den kommenden Jahren rasant zunehmen. Deshalb forschen Wissenschaftler rund um den Globus am Speicher der Zukunft.

Britische Forscher der Universität Southampton haben nun einen bemerkenswerten Durchbruch erzielt: Sie haben eine Glasscheibe in der Größe einer Zwei-Euro-Münze entwickelt, die bis zu 360 Terabyte Daten speichern kann. Richtig gelesen: 360 Terabyte. Das entspricht der Kapazität von 40 Acht-Terabyte-Platten, die jeweils 250 Euro kosten.

Bemerkenswert: Die Scheibe fasst nicht nur deutlich mehr Daten, sie ist quasi auch ewig haltbar. Genauer: Sie soll 13,8 Milliarden Jahre lesbar sein, also in etwa die Zeit vom Urknall bis heute. Und das bei eher unkomfortablen Außenbedingungen von bis zu 190 Grad. Hart im Nehmen ist der neue, robuste Glasspeicher also auch noch.

3000-mal mehr Speicher als eine Blu-ray

Da die Scheibe sehr dünn ist, funktioniert die Datenspeicherung nicht mittels rotierender Magnetscheiben wie bei herkömmlichen Festplatten, sondern dank eines ultraschnellen Lasers, der in hoher Frequenz sehr starke Lichtsignale aussendet. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen CD, bei der ein Laser nur zwischen 0 und 1 und damit zwei Stadien unterscheiden kann, kann der Laser bei der neuen Glasscheibe zwischen fünf Stadien unterscheiden.

Möglich macht es eine Art Nanogitter, bei dem das Licht des Lasers unterschiedlich reflektiert wird. Die Daten selbst werden in drei Schichten gespeichert. Deshalb fasst die 5D-Scheibe knapp 3000-mal mehr Daten als eine Blu-ray, die bis zu 128 Gigabyte fasst (so viel wie das größte iPhone 6s). Die Methode heißt fünf-dimensionale Datenspeicherung. Erstmals wurde die Technik 2013 vorgestellt, seitdem wurde sie weiter perfektioniert.

"Es gibt keine Grenzen"

Aabid Patel, einer der Forscher, sagte dem US-Technikportal "The Verge": "Es gibt keine Grenzen. Gebt uns einfach irgendeine Datei und wir können sie auf die Scheibe bannen." Interessant ist die Technik vor allem für Museen oder Galerien, die große Archive für lange Zeit speichern wollen. Doch es gibt noch einen entscheidenden Haken: Derzeit ist die Scheibe nur ein Prototyp. Bis sie marktreif ist, wird es noch einige Jahre dauern.

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