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3. Februar 2008, 17:33 Uhr

Funknetz statt GPS

Durch die Stadt navigieren ohne GPS, sondern mithilfe drahtloser Netzwerke - Forscher des Fraunhofer-Instituts haben zu diesem Zweck eine Software entwickelt und testen sie gerade in Nürnberg. Das System kann sogar in Gebäuden den richtigen Weg weisen. Von Kathrin Warncke

Vor allem in Gebäuden ist Navigation per WLan der dem GPS überlegen© Picture-Alliance

Navigieren mit WLan-Netzen - besonders in Großstädten ein verlockender Gedanke. Auf wenigen Kilometern ballen sich hier tausende öffentliche Hotspots und private Internetzugänge. Jedes einzelne Funknetzwerk gibt permanent Signale ab - diese Eigenschaft haben sich Forscher des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen zunutze gemacht. Sie entwickelten eine Software, mit der Nutzer in Großstädten per WLan-Netz navigieren können.

Derzeit wird das System in Nürnberg getestet. Durchschnittlich 2500 Funknetzwerke pro Quadratkilometer sollen es hier geben. "Jeder Ort in der Stadt lässt sich über die empfangene Signalstärke lokalisieren, insgesamt drei Funknetze in der Nähe sind dafür nötig.", sagt Karin Loidl, Sprecherin der Abteilung Kommunikationsnetze am Fraunhofer-Institut. Auf einfachen Empfängern wie Handys oder PDA kann die Software installiert werden, vorausgesetzt die Geräte sind WLan-fähig. Grundlage des Systems sind Informationen über die Standorte der drahtlosen Netzwerke, die auf einem zentralen Server gespeichert sind. Zu diesem Zweck wurden zunächst an verschiedenen Referenzpunkten Messwerte aufgenommen. Die Fraunhofer-Software auf dem Handy lädt diese Daten gemeinsam mit einem Stadt- oder Gebäudeplan herunter. Bemerkenswert: Für die Ortung muss sich das Gerät des Nutzers nicht in die WLan-Netze einloggen. Es reicht, die Informationen über die Signalstärke der drahtlosen Netzwerke zu sammeln.

Da keine Einwahl in die Hotspots nötig ist, fallen auch keine Kosten an, und es können sowohl öffentliche als auch private Funknetzwerke in die Navigation einbezogen werden. Mit dieser Methode können Nutzer ihren Standpunkt in Gebäuden bis auf drei Meter und außerhalb von Gebäuden bis auf sieben Meter genau ermitteln.

In Gebäuden im Vorteil

Der Vorteil des neuen Systems liegt auf der Hand: In der Stadt, besonders in U-Bahnen und Gebäuden stößt das in Standard-Navigationsgeräten verwendete Global Positioning System GPS häufig an seine Grenzen. Das WLan-System ist in der dichten Bebauung klar im Vorteil. Außerdem belastet das GPS-Modul den Akku von Notebook und Co. und kostet zusätzlich in der Anschaffung. Die neue Form der Ortung soll auf zahlreichen WLan-fähigen Geräten wie Handys, Organizer und Notebooks funktionieren. Sie müssen lediglich über die passende Software verfügen, um das System zu verwenden. "Es reicht, einmal die Pläne herunterzuladen, nach Bedarf können sie mehreren Monate später aktualisiert werden.", so Sprecherin Karin Loidl gegenüber stern.de.

Um den eigenen Standort zu bestimmen, müssen mindestens drei Netzwerke in Reichweite funken, damit ausreichend Informationen gegeben sind. Ein Makel der Systems - denn somit ist es nicht für ländliche Regionen brauchbar, in denen drahtlose Netzwerke sehr viel spärlicher sind.

Das Navigationssystem passt sich auch Veränderungen im Netzwerk an und ist lernfähig: Kommt ein Hotspot hinzu oder verschwindet, wird die Karte daraufhin angepasst.

Taxiruf per Funknetzwerk

Für die Zukunft plant das Fraunhofer-Institut, Dienste anzubieten, mit denen Restaurants, Hotels und Parkplätze in der Nähe lokalisiert werden können. Der Nutzer soll damit nicht nur auf den schnellsten Weg von A nach B kommen, sondern auch Angebote wie einen Taxiruf nutzen können: Selbst wenn der eigene Aufenthaltsort nicht bekannt ist, wird dem Taxidienst der genaue Standort übermittelt.

Nach Angaben von Institutssprecherin Loidl steckt das System noch in der Testphase und wird in Nürnberg weiterentwickelt: "Wir prüfen noch, wie die Nutzer mit der Software zurechtkommen und mit den Diensten umgehen." Bald soll die Navigation per Funknetz auch auf andere deutsche Städte wie Berlin und Frankfurt übertragen werden. Auf der Cebit 2008 soll die Navigationssoftware erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Von Kathrin Warncke
 
 
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