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10. Juli 2009, 18:22 Uhr
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Web-Aufstand gegen "Killerspiel"-Verbot

Die Generation Digital erkennt ihre politische Macht: Nach der Online-Petition gegen Internetsperren unterstützen nun Zehntausende eine Eingabe gegen das von den Innenministern geplante Verbot von "Killerspielen". Die Initiatoren fordern, die Diskussion um Computerspiele sachlicher zu führen. Von Ralf Sander

Petition, Killerspiele

Bürgereingaben werden von Petitionsauschuss des Bundestages bearbeitet© Michael Sohn/AP

Nach "Kinderpornosperren" nun "Killerspiele": Seit Mitte der Woche gibt es auf dem Portal des Deutschen Bundestages eine Online-Petition "Gegen ein Verbot von Action-Computerspielen". Sie richtet sich gegen das von den Innenministern der Bundesländer geplante Verbot von "Killerspielen". Vorbild ist die "Petition gegen Internetsperren" vom Mai dieses Jahres. Mehr als 130.000 Mitzeichner hatten sie zu einer der erfolgreichsten elektronischen Petitionen gemacht. Sie blieb allerdings weit gehend folgenlos, der Bundestag und -rat haben das umstrittene Gesetz inzwischen verabschiedet. Die Popularität der Petition hat aber einmal mehr gezeigt, wie sich im Internet Massen mobilisieren lassen.

Auslöser für die Computerspiel-Petition ist eine gemeinsame Entscheidung der Innenminister von Bund und Ländern nach dem Amoklauf von Winnenden. Sie hatten sich geeinigt, ein "schnellstmögliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot" anzustreben für Video- und Computerspiele, "bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen" ausmache. Das IT-Magazin Heise online zitierte aus dem ihm vorliegenden Beschluss weiter: Eingeschlossen sein sollen Games mit "anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen". Als Begründungen für die Verbotspläne wurden genannt, dass solche Computerspiele die Hemmschwelle zur Gewalt senkten und der Jugendschutz nicht ausreiche.

Der Hauptpetent - derjenige, der die Petition eingereicht hat - und die Mitzeichner widersprechen den Verbotsplänen. In der Eingabe fordern sie den Bundestag auf, gegen die Innenminsterkonferenz zu entscheiden. Dieser Beschluss sei eine Reaktion auf den "entsetzlichen Amoklauf" in Winnenden, der die Diskussion um die Wirkung von Computer- und Videospielen neu entfacht habe. "(Vor-)schnelle Verbotsforderungen werden den vielschichtigen Aspekten solcher Ereignisse nicht gerecht, wirken im Gegenteil eher verharmlosend und verhindern so eine gründliche Aufarbeitung", heißt es in der Petitionsbegründung. Hauptpetent Peter Schleußer schreibt außerdem: "'Gewaltverherrlichende' Medien sind aus gutem Grund verboten. Doch ein prinzipielles Herstellungs- und Vertriebsverbot von Filmen und Computerspielen für Erwachsene steht aus meiner Sicht im Widerspruch zu Artikel 5 unseres Grundgesetzes ('Eine Zensur findet nicht statt')."

Die Forderungen der Petition

  • Versachlichung der Diskussion um Computerspiele;
  • Verzicht auf "den irreführenden und diskriminierenden Begriff Killerspiel";
  • Verbesserung der Umsetzung bestehender Gesetze zum Jugendschutz;
  • Verbesserung der Medienkompetenz.

Jeder darf öffentliche Petitionen auf der Website des Bundestages einreichen und unterstützen, dafür ist eine vorherige kostenlose Registrierung nötig. Seit der Veröffentlichung der Eingabe am Dienstag haben bereits mehr als 31.000 Bürger (Stand 10. Juli, 17.30 Uhr) die Petition online mitgezeichnet. Damit könnte das Anliegen eine wichtige Hürde nehmen: Bei öffentlichen Petitionen, die innerhalb von drei Wochen nach Einreichung mehr als 50.000 Unterstützer finden, kommt es beim Petitionsausschuss des Bundestages zu einer öffentlichen Anhörung, bei der auch der Petent oder Vertreter anwesend sein dürfen und auch Rederecht bekommen können.

Diese Eingabe ist nicht die erste zum Thema "Killerspiele". Im Mai war die Zeichnungsfrist für eine Petition mit entgegengesetzter Stoßrichtung abgelaufen, in der das Verbot solcher Spiele sowie der "Ausbau des Jugendschutzes im Internet" gefordert wurde. Anzahl der Unterstützer: 258.

Von Ralf Sander
KOMMENTARE (10 von 83)
 
Lou123 (13.07.2009, 11:49 Uhr)
mh...
Wieso regt dieser Preston sich so auf?
.
"-§ 131 StGB (Gewaltdarstellung) lautet:
* (1) Wer Schriften (§ 11 Abs. 3 StGB), die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt,
[...]
* 3. einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überlässt oder zugänglich macht
[...]"
.
Ist doch verboten. Wird leider nur nicht vernünftig umgesetzt.
.
Dem Argument, dass in Spielen der Waffenumgang beigebracht wird kann ich nicht ganz folgen. Allerdings auch nicht die Gegenteilige Behauptung. Waffen sind meiner Erachtens dafür gemacht, dass jeder Lurch sie bedienen kann. Abzug drücken und hoffen das man was trifft. Wenn einer schonmal ne Spielzeugpistole gesehen hat, dann kommt er vielleicht auf die Idee, dass es noch eine Sicherung gibt. Mehr brauch man nicht zu wissen, einfach in die ungefähre Richtung halten und abdrücken. Wenn man ganz sicher gehen will, kann man über Kimme und Korn noch das Ziel anvisieren. Das ist ja keine Atomphysik...sonst würde es auch z.B. keine Kindersoldaten in Afrika geben.
Gigno (12.07.2009, 22:18 Uhr)
@Preston
Ich will den Sarkasmus einmal bleiben lassen, auch wenn er bei Ihnen durchaus angebracht wäre.
1. Sie erwähten einmal den Film "300". Ich für meinen Teil halte diesen Film für wesentlich Gewaltverherrlichender als jedes mir bekannte Computerspiel und er ist obendrein auch noch wesentlich photorealistischer. Dieser Film ist freigegeben ab 16 Jahren. Und dennoch ist er nicht verboten, da er als Kunst gewertet wird.
2. Mit den Dingen, die man gewaltbeinhaltenden Computerspielen vorwirft wäre Alkohol längst reif für ein Verbot: Er macht nachweislich agressiv, tötet jedes Jahr 42000 Menschen und ist ab 16 Jahren frei erhältlich. Für einige sogar noch früher, da ähnlich wie bei den Computerspielen die Händler oft auf eine Ausweiskontrolle verzichten. Und doch ist Alkohol nicht verboten, da zum einen der Staat durch Steuern am Alkoholkonsum mitverdient, zum anderen weil die Angst vor den Prohibitionszuständen von 1919 bis 1933 in den USA zu groß ist.
3. Auch wenn das jetzt hart klingt, aber die Betroffen von Winnenden sind am denkbar schlechtesten für die Diskussion geeignet, da sie zu emotional mit eingebunden sind und ihnen (ohne das jetzt böse zu meinen) jedes Mittel recht ist, damit sich soetwas nicht wiederholt. Man kann sie nicht gleichsetzen mit einem Spezialisten. Sonst wird die Diskussion noch unsachlicher, als sie es eh schon ist.
4. Ich denke, ein großer Anteil an so einer Tat ist die Berichterstattung über eben diese Tat. Ich glaube, der größte Teil der Amokläufer ist Nachahmungstäter. Beweisen kann ich es nicht, wie sollte ich auch. Doch man muss sich mal vor Augen führen, dass jeder Mensch in Deutschland von Winnenden gehört hat. Im Internet finden sich einige Videos, in denen Leute die Amokläufe gutheißen, in denen die Täter als Märtyrer gefeiert werden. Und es ist nachgewiesen, dass sich Tim K. vor der Tat mit den Amokläufen beschäftigt hat. Ich denke, diese Zustimmung gepaart mit schulischen und sozialen Problemen kann schnell zu solch einer Tat animieren.
Wenn sie das jetzt immer noch nicht verstehen wollen, dann weiß ich leider keinen Rat mehr, wie man dem entgegenwirken könnte.
Ich kann wohl nur hoffen, dass es nicht noch mehr von ihrer Sorte da draußen gibt.
Nur eins kann ich ihnen noch prophezeien, sollte es zu einem Verbot kommen: Es wird trotzdem wieder Amokläufe geben, wenn sich nicht bald etwas dramatisch ändert in der deutschen Politik!
Mobat (12.07.2009, 06:56 Uhr)
Verbot
*Sarkasmus an* Prestons Beiträge machen mich aggressiv. Können wir seine Kommentare zensieren lassen? Sonst habe ich das Gefühl, ich kann mich nicht mehr beherrschen. *Sarkasmus aus*
Sehen Sie, Preston, so einfach läßt sich alles und jeder verbieten.
Allein mit einer an den Haaren herbeigezogenen Begründung ist es nicht getan.
Angel_of_Mercy (11.07.2009, 16:50 Uhr)
@Bebuquin
Gibt sogar ein Terrorbuch, welches verboten gehört. Stephen King's "Manhunt" Da erlaubt sich am Ende der Protagonist doch tatsächlich ein Verkehrsflugzeug in ein Hochhaus zu steuern. Kommt bekannt vor? Das Buch gabs scho 15 Jahre vor 9/11.
Index bringt nichts. Indizierte Produkte sind nicht verboten und dürfen verkauft werden. Allerdings dürfen sie nicht beworben und im Verkaufsraum ausgestellt werden.
kralli19 (11.07.2009, 15:48 Uhr)
@ ArchEnemy
Wenn sie sich da mal nicht täuschen....der Bundestag und die Parteien sind anscheinend voll von Typen wie Preston !
Bebuquin (11.07.2009, 12:54 Uhr)
@ganzbaf
"Killerbücher...
sind viel besser als Killerspiele ;-)
.
Erstens muß man dazu lesen können, fällt also für das Gros der unter 14Jährige heutzutage schon mal flach, zweitens verbraucht es weniger Srom...;-Ä"
--> Nur sollte man bedenken, dass aufgrund der am weitesten verbreiteten Killerbücher (nämlich den heiligen Schriften von zwei großen monotheistischen Weltreligionen) heute immer noch mehr Menschen umgebracht werden, als durch Amokläufe, die angeblich (nur) durch Killerspiele ausgelöst werden.
Folgt man also dieser monokausalen Denkweise müßten Bibel und Koran auf den Index...
ganzbaf (11.07.2009, 11:27 Uhr)
Sagen wir mal so.

Wir brauchen einen viel effektiverne Schutz von Kindern(!) vor gewaltverherrlichenden Spieleschmutz für Erwachsene.
Da ein reines Softwareverbot weinig bis nichts bringt (40% der 8-12Jährigen männlichen Kinder haben bereits Erfahrungen mi 18+ Material), brauchen wir eine Hardware-FSK (14) auf alle diesbezgl. spielefähigen Konsolen/Computer.
.
Die läßt sich auch viel leichter umsetzen und von den Eltern kontrollieren.
.
Hardware-FSK ist die Lösung.
ganzbaf (11.07.2009, 11:18 Uhr)
Killerbücher...
sind viel besser als Killerspiele ;-)
.
Erstens muß man dazu lesen können, fällt also für das Gros der unter 14Jährige heutzutage schon mal flach, zweitens verbraucht es weniger Srom...;-Ä
Kritiker-Kritiker (11.07.2009, 11:07 Uhr)
@DirektDemokratie (11.7.2009, 7:43 Uhr)
Selten so eine dämliche Forderung gelesen! Sie scheinen noch nicht einmal genau Bescheid zu wissen, was das Aufgabenfeld eines Politikers genau ist! Und ich bezweifle, dass diverse Artikel im stern, oder entsprechenden anderen Zeitschriften Ihre politische Willensbildung ausreichend abdecken können! Sie wissen noch nicht einmal wie ein Haushaltsplan ausschaut, geschweigeden können Sie einen lesen. Also verschonene Sie uns mit derart dämlichen Forderungen!
the_road_warrior (11.07.2009, 09:54 Uhr)
Verbot
Wenn Petitionen oder Wahlen etwas ändern würden, dann würde man sie verbieten. So einfach ist das.
Denkt mal darüber nach.
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