Kein Zweifel: Word, Excel und Powerpoint sind gute Programme zum Schreiben, Rechnen und Präsentieren. Doch das neue Programmpaket Open Office 2.0 ist genauso gut - kostet aber keinen Cent.

Fenster auf: Mit Open Office 2.0 gibt es eine ernsthafte Alternative zu Microsoft Office© Daniel Matzenbacher
Mit dem einen kann man Briefe schreiben, mit dem anderen auch. Mit dem einen kann man Tabellen erstellen und Grafiken einbauen, mit dem anderen auch. Mit dem einen kann man zeichnen, Aufzählungen machen und Fußnoten einsetzen, Schrift fett, kursiv oder unterstrichen formatieren, Serienbriefe erstellen und Rahmen einfügen. Mit dem anderen auch.
Nicht nur darin gleichen sich die Programme Microsoft Word und Open Office Writer bis ins Detail. Menüs, Knöpfe, Dokumentenansichten: Alles ist bei beiden immer fast gleich. Einzig im Preis unterscheiden sich die beiden Textverarbeitungsprogramme ganz gewaltig. Das eine ist Teil des Bürosoftware-Pakets Microsoft Office, und das kostet im Laden zurzeit 549 Euro (unverbindliche Preisempfehlung). Das andere kann man sich kostenlos aus dem Internet laden (www.de.openoffice.org, etwa 70 Megabyte).
Paradoxerweise ist das teurere der beiden, das von Microsoft nämlich, das weitaus erfolgreichere. Mit einem Marktanteil von geschätzt mindestens 90 Prozent hat der US-Gigant bei Büroanwendungen fast ein Monopol. Seit vielen Jahren schon ist Office Microsofts Garant für die riesigen Gewinne, die den Konzern so mächtig und seinen Gründer Bill Gates so reich gemacht haben.
Open Office hingegen, einst erfunden von einem Lüneburger Gymnasiasten und nunmehr im Besitz des Computerkonzerns Sun Microsystems, kostet nichts, weil es Open-Source-Software ist. So heißen Programme, die sozusagen der Allgemeinheit gehören. Entwickelt wird Open Office, dessen neue Version 2.0 soeben erschienen ist, hauptsächlich in Deutschland: zum einen von vielen freiwilligen Helfern, die aus Idealismus mitmachen, zum anderen von Angestellten der Firma Sun, die nicht nur das kostenlose Open Office anbietet, sondern auch dessen kommerzielle Variante Star Office (kostet etwa 80 Euro). Die hat erweiterte Funktionen, und es gibt eine Support-Hotline, falls das Programm mal Probleme macht. Ansonsten sind Star Office und Open Office weitgehend identisch.
Open Office besteht hauptsächlich aus der Textverarbeitung Writer, der Tabellenkalkulation Calc, dem Präsentationsprogramm Impress und dem Zeichenprogramm Draw. Es steht für die Betriebssysteme Windows, Linux und Solaris zur Verfügung (an einer Mac-Version wird gearbeitet) und ist bereits in mehr als 50 Sprachen übersetzt worden.
Sicher, Open Office kann nicht alles, was Microsoft Office kann: Zum Beispiel fehlt ihm ein eingebauter Kalender und ein Mail-Programm. Doch das, was die meisten Nutzer mit einem Office-Paket machen, Briefe schreiben, Examensarbeiten layouten, Geburtstagseinladungen gestalten, Haushaltsbücher führen, geht mit Open Office und Microsoft Office gleich gut. Auch dieser Text ist mit Open Office entstanden. Manche Aufgaben beherrscht Open Office sogar besser als Microsoft Office, fanden Tester der Fachzeitschrift "c't" jüngst heraus. So kann man mit Open Office PDF-Dateien erstellen - mit Microsoft Office nicht. Trotzdem: Im Schatten des mächtigen Microsoft Office führt es noch immer eine Randexistenz.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 44/2005