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5. März 2010, 18:19 Uhr

Das Schweigen der Rechner

Viele der High-Tech-Riesen, die sich auf der Cebit versammeln, haben als Garagenfirma angefangen. Unverzagte, die ihre Technikträume selbst zusammenschrauben, gibt es immer noch. Zum Beispiel die beiden Männer von "besser leise", die dem PC jegliches Geräusch austreiben wollen. Von Ralf Sander

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Gerrit Schwartz (li.) und Tim Domin bauen leise Computer© Privat

Er drückt den Knopf - und es bleibt still. Gerrit Schwartz, ein Hüne mit Pferdeschwanz, strahlt. Seine Mission ist erfüllt. Der PC, der schwer und schwarz wie ein Monolith auf dem Tisch steht, fährt Windows Vista hoch und gibt dabei keinen Mucks von sich. Kein Brummen, kein Klappern, kein Surren, keines der typisch nervigen Rechner-Geräusche. Manche Computer klingen wie ein startendes Modellflugzeug, vor allem wenn sie mal richtig arbeiten müssen. Den PC zum Schweigen zu bringen, das ist das Ziel von Schwartz' Firma "besser leise".

Während sich auf der Cebit in Hannover viele Größen der IT-Branche präsentieren, die als kleine Klitsche angefangen haben, bauen Schwartz' und sein Kollege Tim Domin im niedersächsischen Oldenburg Computer zusammen, die so leise sind wie möglich. Die zwei Männer verkörpern das Klischee vom PC-Schrauber, in dessen Leben die Übergänge zwischen Wohnen und Arbeiten fließend sind. Schwartz wohnt mit seiner Ehefrau und drei Katzen im Obergeschoss, im Erdgeschoss des gemieteten Einfamilienhauses wird gewerkelt. Weiß gestrichene Holzpaneele und braunes Stäbchenparkett: Wo früher die gute Stube war, stehen nun Montagetische, PC-Gehäuse und Regale, vollgestopft mit Computerbauteilen, Kabeln und Lüftern. Was provisorisch aussieht, ist für die kleine Firma ein großer Fortschritt. "Das hier ist nicht schön, aber groß. Früher haben wir die Rechner in unserer Wohnung gebaut. Das war schon schwierig, schon weil man die Bauteile nicht lagern konnte", sagt der 36-jährige Schwartz.

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"besser leise" setzt auf große Lüfter und Kühlelemente und einen optimalen Luftfluss© stern.de

Lebenslauf im Zickzack

Eine Lehre zum Dachdecker, ein Jahr Türsteher auf St. Pauli, zwei erfolglose Versuche, Informatik zu studieren und dann ein folgenschwerer Zufall: Eines Tages im Jahr 2001, während des Studiums, bat Maria Schwartz ihren Ehemann, ihren lärmenden Rechner zum Schweigen zu bringen. Schwartz' Erfahrungen als PC-Schrauber beschränkten sich bis dahin auf einen Aushilfsjob im örtlichen Computershop. Drei Monate und etliche Recherchen, Tests und Umbauten später schwieg der Rechner seiner Frau. Die Stille war so auffällig, dass Freunde und Kommilitonen sich wunderten - und Bestellungen aufgaben. Nur durch Mundpropaganda habe er, so Schwartz, bald vier bis fünf leise Rechner pro Monat verkaufen können. Ein Gewerbeschein wurde besorgt, "besser leise" gegründet. Im Jahr 2004 kam Tim Domin als Teilhaber hinzu. Als Kaufmann sollte er sich eigentlich vor allem um Geschäftliches kümmern, doch bald offenbarte Domin ein besonderes Talent: Der 32-Jährige hat ein Händchen für das Verlegen von Kabeln. Was unverzichtbar ist, wenn man die Geräusche in einem PC reduzieren will.

Die Luft muss strömen

Dass ein Computer überhaupt Krach macht, liegt an seinen mechanischen Teilen: an den Festplatten, den CD- und DVD-Rom-Laufwerken und vor allem den Kühl-Lüftern, die für Vibrationen und - je schneller sie sich bewegen - für Drehgeräusche sorgen. Die Hersteller von geräuscharmen Computern setzen auf verschiedene technische Lösungen, manche sind teure Sonderanfertigungen, andere reduzieren die Leistung des Computers. Schwartz verfolgt einen anderen Ansatz: "Erstens sollen unsere Computer die volle Leistung bringen. Zweitens nehmen wir nur Komponenten, die standardmäßig auf dem Markt erhältlich sind." Der Rest ist Handwerk und geschickte Planung. Ein "besser leise"-PC ist in seinem Inneren sehr aufgeräumt: Die Gehäusewände sind mit fast zwei Zentimeter dicken Schaumstoffmatten geräuschgedämmt. Auf Grafikkarte und Hauptprozessor sitzt jeweils ein riesiger Kühlblock, in den Gehäusewänden befinden sich Lüfter. Aufgrund ihres großen Durchmessers können sie mit relativ geringer Drehgeschwindigkeit viel warme Luft bewegen. Lüfter sind umso leiser, desto langsamer sie sich drehen. Die Kabel, sonst die Hauptursache für Chaos im PC, werden vom Mitbesitzer Domin persönlich penibel gebündelt und so weit wie möglich in Ecken und Kanten des Gehäuses verbannt. So herrscht in dem großen Gehäuse viel Freiraum - durch den die Luft ungehindert fließen kann. Dass sich ein PC auf diese Weise leise machen lässt, war nie ein Geheimnis. Die Kunst ist, den optimalen Weg für die Luft zu finden. Ob einfacher Bürorechner, High-End-Spiele-PC oder Workstation - Schwartz sucht fast besessen nach der effizientesten Konfiguration für jeden Rechnertyp. Der Preis für so viel Hingabe: Ein "besser leise"-PC kostet rund 25 Prozent mehr als die Summe seiner Bauteile. In der Welt der schweigenden Rechner ist das relativ günstig.

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Die Werkstatt ist im Erdgeschoss eines Einfamilienhauses© Privat

Rund 30 Computer pro Monat setzen die beiden Inhaber in ihrer Wohnzimmer-Werkstatt zusammen, vor allem für Musiker, Design- und Kreativagenturen, Architekten und einige Großraumbüros. Alles andere wird nebenbei erledigt: Bestellungen, Einkauf, Buchhaltung. Der telefonische Kundendienst findet auch mal am Schwartz'schen Frühstückstisch statt. In wenigen Wochen soll außerdem der Webshop online gehen. Das alles ist mehr als genug Arbeit für das Duo, doch Schwartz träumt längst weiter: "Eine Fangemeinde um unsere Marke aufbauen. Eigene Notebooks konstruieren ..." Dann reicht es vielleicht irgendwann auch für einen eigenen Stand auf der Cebit. Wo es dann sehr leise wäre.

Von Ralf Sander
 
 
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