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Weg mit den Folien

Powerpoint ist längst zum Synonym für Präsentationsprogramme geworden. Dabei gibt es Alternativen, die auf andere Darstellungsformen als Folien setzen - und manchmal sogar kostenlos sind.

Folie für Folie, Chart für Chart - diesen Vortragsstil findet Philipp von Hammerstein langweilig. "Meine Zuhörer brauchen jedes Mal 30 Sekunden, um das Blatt durchzulesen", sagt der BWL-Student an der Privat-Universität WHU in Vallendar. "Zeit, in der sie mir nicht zuhören." Für seine Präsentationen an der Uni hat er sich daher nach einer Alternative umgesehen und ist auf das webbasierte Programm Prezi gestoßen. "Tolle Sache", lautet sein Fazit nach rund 15 Präsentationen.

Prezi folgt zum Beispiel nicht dem klassischen Präsentationsansatz der Diashow, sondern setzt auf eine Art virtuellen Rundgang durch eine sogenannte Mindmap. Statt Folien gibt es eine unbegrenzt große Leinwand, auf der sich Elemente frei verteilen lassen. "Diese Auffassung von der Präsentation als unbegrenzte Ideensammlung ist das wirklich Neue an Prezi", sagt Dorothee Wiegand von der Computerzeitschrift "c't".

"Prezi" mit künstlerischem Ansatz

Hinter Prezi steht der ungarische Künstler Adam Somlai-Fischer, der die Software gemeinsam mit dem Programmierer Peter Halacsy 2009 entwickelt hat. "Wir helfen den Vortragenden dabei, seine Ideen in den Raum zu stellen und die Zusammenhänge besser zu sehen", heißt es bei dem Unternehmen. Die Nutzer müssen allerdings in Kauf nehmen, dass ihre Vorträge frei im Netz einsehbar sind. Wer die Öffentlichkeit ausschließen will, muss die "Enjoy"-Variante für rund 43 Euro pro Jahr kaufen. Für 117 Euro erhält man zusätzlich eine Offline-Version für den Desktop.

In der Praxis sieht die Arbeit mit Prezi vor allem bunt aus: Mithilfe eines kleinen Menüs in Blümchenform kann der Nutzer Fotos, Texte oder Videos auf die Präsentationsfläche ziehen. Die Elemente lassen sich mit wenigen Mausklicks drehen, verschieben und in der Größe verändern. Wichtiges wird groß, Nebensächliches klein. Ein Nachteil: Es gibt keine direkte Excel-Anbindung: "Tabellen lassen sich nicht so bequem einbinden", erklärt "c't"-Redakteurin Wiegand.

Der Verlauf der fertigen Präsentation lässt sich mit einer Pfad-Funktion vorbestimmen. Das Ergebnis erinnert an eine Filmvorführung: Wie bei einer Kamerafahrt schwenkt das Programm von Aspekt zu Aspekt und zoomt je nach Bedeutung der einzelnen Punkte stärker herein oder heraus.

"Zooming Presentations" nicht immer geeignet

Das Prinzip der "Zooming Presentation" verfolgt auch ein kostenloses Add-on namens pptPlex für Powerpoint. Dieses Programm an sich kostet allerdings 189 Euro. Microsoft bietet in seinem Onlinedienst Windows Live aber auch eine abgespeckte und kostenlose Web-Version von Powerpoint an. Frei verfügbar sind auch die Suiten OpenOffice oder LibreOffice mit integrierten klassischen Präsentationsfunktionen.

Bei Programmen à la Powerpoint könne man sich an den Folien entlanghangeln, sagt Philipp von Hammerstein. Bei Zooming Presentations müsse der Vortrag freier und flexibler gestaltet werden. "Der Redner muss sich in seinem Thema aber sehr gut auskennen." Wer beim Vortragen schüchtern sei, für den sei ein Programm wie Prezi keine ideale Wahl, sagt der 20 Jahre alte Student.

Dorothee Wiegand sieht die Grenzen von Zooming Presentations auch in der Zielgruppe: "Prezi ist hipp, cool und jung", sagt sie. Es eigne sich daher eher für kreative Branchen, beispielsweise in der Werbung. "Eine Business-Präsentation mit vielen Zahlen würde ich eher nicht mit Prezi machen."

Ähnlich wie Powerpoint

Das Konzept unterscheidet die kleine Firma von anderen Anbietern im Netz. Programme wie Slide Rocket oder Zoho Show, die ebenfalls browserbasiert arbeiten, erinnern durch ihren Folien-Stil eher an Powerpoint. Das Computermagazin "PC Welt"' hat beide Programme getestet, wobei Slide Rocket als "Rundum-Sorglos-Paket" besser abschnitt. Bemerkenswert sei, dass das in der Basisversion kostenlose Programm Analysen anbietet, um die Effektivität von Präsentationen zu messen, so das Magazin. "Neben dem Erstellen von Umfragen zu einzelnen Präsentationen, lässt sich auch verfolgen, wer die Präsentation wo angeschaut hat, und wie viel Zeit er oder sie auf jeder Folie verbracht hat."

Bei beiden Programmen können Nutzer Präsentationen aus Powerpoint importieren, SlideRocket integriert außerdem Daten von Twitter oder anderen Netzwerken und Diensten. Die für die private Nutzung kostenlose Zoho Show bleibt dem Test zufolge hinter Powerpoint und SlideRocket zurück, was den Funktionsumfang betrifft. Dennoch habe es sich zu einem starken Programm für die gängigsten Aufgabenstellungen entwickelt: "Wer eine solide Präsentationssoftware ohne zu viele Funktionen und Schnickschnack sucht, wird hier aber ausgezeichnet bedient", schreibt "PC Welt".

Kathrin Streckenbach, DPA/DPA

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