Seit Juni 1995 Weltmeisterin, 40 Titelverteidigungen: Regina Halmich lebt für den Boxsport. In der Freizeit schaltet sie vor dem PC ab. Im stern.de-Interview spricht sie über ihre Lieblingsspiele, das Comeback von Henry Maske und über ihre Ziele.

40 erfolgreiche Titelverteidigungen: Regina Halmich, 30 Jahre© stern.de
Ja klar. Ich bin eine Spielerin. Ich mache das gerne in meiner Freizeit, nicht zu viel. Aber gelegentlich finde ich das ganz entspannend.
Ich spiele ganz verschiedene Games. So zum Beispiel das "Wer wird Millionär"-Spiel. Gerne spiele ich aber auch Strategie- oder Denkspiele. Typische PC-Spiele. Eine Spielkonsole besitze ich dagegen nicht.
Das ganz genau zu definieren, fällt mir nicht leicht. Es hängt in erster Linie von meiner Laune ab, was mich an einem Spiel gerade am meisten fasziniert. Es gibt Tage, da mag ich es lieber ruhiger und nachdenklicher vor dem PC. An anderen Tagen spiele ich dann auch gerne mal ein actionreiches Spiel, in dem es ausschließlich auf Reaktion ankommt. Solche Spiele mag ich auch sehr gerne.
Das war eine super interessante Zeit für mich. Und ja - zu gewissen Teilen war ich sogar involviert in die Entwicklung. Bei der konzeptionellen Erstellung der Managersimulation beispielsweise haben sich die Entwickler mit mir abgestimmt. Einzelne Programmteile habe ich mir im Verlauf der Entwicklung immer mal wieder angeschaut und diese sozusagen abgesegnet. Die grundsätzlichen Ideen stammen aber alle von den Spiel-Designern.
Das finde ich lustig. Habe immer mal wieder gerne meinen eigenen virtuelle Figur gesteuert. Das mir schon sehr gut gefallen. (lacht)
Ja, klar. Das ist mit Sicherheit sehr interessant und könnte in Zukunft auch ein größeres Medieninteresse hervorrufen. Vor allem, wenn es um höhere Geldbeträge geht.
Ich musste schon immer etwas Power im Alltag haben. Als Kind habe ich daher Judo, Karate, Kickboxen und viele weitere Kampfsportarten trainiert. Irgendwie bin ich dann beim Boxen hängen geblieben. Darin hatte ich das größte Talent. Und das war letztlich keine schlechte Sache. (lacht)
Ich würde niemals nie sagen. Aber vom momentanen Standpunkt aus gesehen, würde ich mir wünschen, dass ich das nicht machen werde. Es müsste wirklich schon etwas Außergewöhnliches passieren, dass ich nach meinem Rücktritt noch mal in den Ring steige. Nein, nein. Wenn ich länger darüber nachdenke - ich kann es mir wirklich nicht vorstellen. Zumal mir nach sechs, acht oder zehn Jahren auch der Mut dazu fehlen würde, glaube ich.
Ich wünsche ihm wirklich sehr viel Glück für sein Comeback. Aber ich bin offen gesprochen skeptisch und sehe die Geschichte im Großen und Ganzen sehr kritisch. Er hat wirklich viel zu verlieren. Aber ich verurteile das nicht, wie dies so viele Fachleute derzeit tun. Das finde ich nicht richtig.
Der Gewinn der Weltmeisterschaft war der allergrößte Moment in meinem Sportlerleben. Wenn man diesen Erfolg zum ersten Mal in seiner Karriere erreicht, ist das wirklich ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Daran denke ich oft zurück. Aber im Prinzip schreibt jeder Kampf seine eigene Geschichte. Ich kann mich wirklich noch an jede Szene erinnern.
Oh ja, die habe ich. Man sieht, dass ich nicht unantastbar bin, denn vor gut anderthalb Jahre hätte ich gegen Elena Reid fast verloren. Der Kampf ging letztlich unentschieden aus. Den Rückkampf habe ich dann klar für mich entscheiden können.
Ich bereite mich noch immer so intensiv auf einen Kampf vor, als wäre es mein erster Weltmeisterschafts-Fight. Ich glaube, dass dies auch das Geheimnis meines Erfolges ist. Bei mir gibt's keine freie Zeit. Kein Weihnachten, kein Neujahr. Und keine Wochenenden. Man muss wirklich dafür leben, hart malochen und viel entbehren. Die meisten Leute sehen dies alles nicht. Sie sehen nur das tolle Endergebnis. Den Glitzer und den Glanz. Die Arbeit, die dahinter steckt, jedoch nicht.
Es wird weitergehen. Da kommt beispielsweise eine Ina Menzer oder eine Alesia Graf. Aber niemand soll meine Schuhe anziehen. Meine Schuhe werden vermutlich am Anfang ohnehin zu groß sein für jede andere. Aber sie werden eigene Schuhe tragen. Und das ist auch gut so. Ich bin mir sicher, dass da was Vernünftiges nachwächst.
Kurzfristig ist es mein Ziel, ungeschlagen abzutreten. Dafür arbeite ich wirklich sehr hart. Und nach meiner aktiven Laufbahn würde ich sehr gerne moderieren. Boxkämpfe beispielsweise. Oder in den Bereichen Lifestyle und Mode. Da bin ich ganz offen. Ich interessiere mich für viele Dinge.
Interview: Udo Lewalter
Audiodatei: Auszug aus dem Interview mit Regina Halmich
Die schlagende Rechtsanwaltsgehilfin Keine Boxerin der Welt ist so erfolgreich wie Regina Halmich: 55 Profi-Kämpfe, davon nur einen verloren, seit Juni 1995 Weltmeisterin, bis zu sieben Millionen TV-Zuschauer - die schlagende Rechtsanwaltsgehilfin hat den Männern im Faustkampfmetier längst das Wasser abgegraben.