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11. Mai 2010, 11:47 Uhr

Autobahn statt Datenhighway

Der Webhoster Strato hat sich ein neues Konzept zur Datenübetragung ausgedacht: Road DSL. Dabei werden Festplatten von einem Kurier abgeholt, in ein Rechenzentrum gebracht und dort überspielt. Das ist nicht nur ein Marketinggag.

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Stratos Rechenzentrum speichert ungeheure Datenmengen© Strato

Was ist schneller als VDSL? Das Internet-Unternehmen Strato hat eine verblüffende Antwort: Road DSL, abgekürzt RDSL. So nennt Technikvorstand René Wienholtz mit einem breiten Lächeln den neuen Send-In-Service des Unternehmens: Anstatt die Daten durchs Netz zu schicken, werden sie verschlüsselt auf eine Festplatte kopiert und auf dem Postweg zu Strato geschickt. Dort werden sie dann automatisiert auf eine Online-Festplatte übertragen.

Strato-Sprecher Lars Gurow hat ausgerechnet, dass auf diesem Wege eine Bandbreite von 12,5 Megabit in der Sekunde erreicht wird - schneller als die üblichen Upload-Werte von VDSL. Der Kunde bekommt die Festplatte in einem besonders geschützten Gehäuse zugeschickt, spielt seine Daten darauf und verschlüsselt sie mit TrueScrypt. Nach der Ankunft bei Strato werden sie automatisiert entschlüsselt und auf das "HiDrive" des Kunden gelegt - so heißt der im März eingeführte Online-Speicherplatz bei Strato.

Der Send-In-Service für 30 Euro bei 500 Gigabyte, gedacht vor allem für Bewohner ländlicher Gebiete mit schlechter Netzanbindung, ist Teil eines umfassenden Konzepts. "Wir möchten die lokale Datenhaltung abschaffen", sagt Wienholtz.

"Smart, aber nicht smart genug"

Strato gehört zusammen mit 1&1 zu den größten Web-Hostern in Europa, also zu den Unternehmen, die Speicherplatz auf einem Web-Server vermieten und diesen mit einer registrierten Internet-Adresse verbinden. "Die Webspace-Mengen haben sich in den vergangenen Jahren drastisch vergrößert", sagt Wienholtz. "Immer mehr Kunden nutzen ihren Webspace auch als Datenarchiv." Deswegen sei die Idee entstanden, dafür spezielle Datenspeicher anzubieten. "Online-Festplatten gibt es viele, aber wir wollten es anders aufziehen", erklärte der Technik-Vorstand. Die meisten Datenspeicher in der "Cloud" werden über eine Web-Anwendung im Browser befüllt und lassen sich daher nicht ohne weiteres als Festplatte ins Dateisystem von Windows, MacOS oder Linux einbinden. Zudem können Anwendungen mit der Skriptsprache PHP nur Dateien mit maximal 2 GB hochladen.

Einige Angebote wie die iDisk des Apple-Dienstes MobileMe verwenden den Standard WebDAV. "Das ist smart, aber noch nicht smart genug", sagt Wienholtz. Denn WebDAV sei ursprünglich für andere Zwecke wie die Versionskontrolle von Daten entwickelt worden und nicht leistungsstark genug für die Einbindung des Datenspeichers im Netz.

Das HiDrive von Strato bietet daher auch das Protokoll SMB/CIFS (Server Message Block/Common Internet File System) an. "Das ist sehr robust und fest im Betriebssystem verankert", erklärt Wienholtz. "Damit habe ich eine vernünftige Performance." Die Unterstützung weiterer Protokolle ist geplant, darunter etwa iSCSI, das "internet Small Computer System Interface", das etwa von der Time Machine verwendet wird, der Backup-Software des Mac-Systems. Die Vielfalt der Protokolle soll die Bedürfnisse möglichst vieler Anwender erfüllen.

Wer ein HiDrive-Paket bestellt, bekommt einen Zugangslink mit Benutzername und Passwort zugeschickt. Die Online-Festplatte lässt sich danach vielfältig konfigurieren. So lassen sich je nach Ausstattung zusätzliche Konten für Familienmitglieder einrichten. Einzelne Dateien können für eine bestimmte Zeit mit Freigabelinks für andere Nutzer bereitgestellt werden.

Speichermengen bis in dreistelligen Petabyte-Bereich

Die Datenübertragung erfolgt über verschlüsselte Verbindungen. Auch die Daten selbst können auf dem HiDrive bei Bedarf verschlüsselt werden, etwa mit dem kostenlos verfügbaren TrueScript. "Wir arbeiten aber auch an einer automatischen Verschlüsselung", erklärt der Technik-Chef.

Zukunftsmusik ist noch die Idee, einmal ein spezielles Gerät für den Zugriff auf die Online-Festplatte zu entwickeln. Da Strato seit Ende vergangenen Jahres zur Deutschen Telekom gehört, kann sich Wienholtz auch vorstellen, Online-Daten wie Filme und Musik in den Entertainment-Angeboten der Telekom verfügbar zu machen und auf den Fernseher zu "streamen".

Eine denkbare Anwendung für Privatanwender ist, dass alle Mitglieder eines Haushalts ihre Daten auf den lokalen PCs oder Notebooks ständig synchron halten mit denen im Netz. Damit sind die Daten gegen einen Ausfall der eigenen Technik gesichert und man kann auch mobil darauf zugreifen.

Im Rechenzentrum von Strato werden die Daten auf "Storage Nodes" gespeichert, die jeweils mehrere Festplatten enthalten und untereinander vernetzt sind. Redundante Datenhaltung und automatische Backups sollen größtmöglichen Schutz gewährleisten. Die Storage-Server laufen mit dem Betriebssystem Open Solaris. Auch das Dateisystem mit der Bezeichnung Zettabyte File System (ZFS) stammt von Sun. Es ermöglicht laut Wienholtz Speichermengen, die theoretisch bis in den dreistelligen Petabyte-Bereich hinein reichen.

Das ganze System soll mit dem Bedarf mitwachsen und immer gerade so ausbalanciert sein, dass eine Auslastung von 90 bis 95 Prozent erreicht wird. Das ist zusammen mit möglichst niedrigen Betriebskosten die Grundlage für die Preisgestaltung des Angebots. Das fängt bei 3,90 Euro im Monat (sowie einer Einrichtungsgebühr von 9,90 Euro) für 100 Gigabyte an und reicht bis 149 Euro für 5 Terabyte.

Peter Zschunke/APN
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
atticus (12.05.2010, 09:24 Uhr)
Dazu brauche ich keinen Raid Kontroller
bereits mit 2 Platten auf die ich alle 2 Wochen (wenn überhaupt - wie oft muss man seine musik/fotosammlung schon sichern?) automatisch ein Backup machen lasse, habe ich eine Ausfallsicherheit im 99,99% Bereich. Wenn ich will streame ich mir die Dateien ins Internet. Wesentlich einfacher als - vermutlich - eine Applikation zu installieren, die mir den Netzzugang gewährt und die ich vermutlich auf einem Arbeitsrechner eh nicht installieren darf...
Tuxedomask29 (11.05.2010, 16:29 Uhr)
Langweilig
Bei meiner alten Firma haben wir das schon vor 5 Jahren gemacht, und das aufspielen war sogar umsonnst. :-)
Verrick (11.05.2010, 16:08 Uhr)
TrueCrypt
sollte das heissen, oder ? :-)

@atticus: Externe Festplatten und Redundanz ? Entweder kommt ihre 10 CT Strategie nicht zum tragen oder sie haben einen USB Raid-Controller entworfen...
Der Vorteil von Netzplatten liegt nicht nur in der Redundanz sondern ebenfalls im Handling, BackUp sowie der Archivierung.

Nehmen sie ihre externen Festplatten nebst eigenbau USB-Raid-Controller mit auf Reisen oder bsw. täglich mit ins Büro? Ich denke doch eher nicht...
atticus (11.05.2010, 15:38 Uhr)
Die Preisgestaltung
scheint mir sehr optimistisch. Mit Gigabytepreisen von unter 10ct für externe Festplatten bau ich mir zu Hause mein eigenes redundantes System und brauch nicht 9,90 im Monat(!) für 500GB webspace zahlen...
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