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24. März 2004, 18:26 Uhr

Die Cebit kriegt 'ne Zwei im Abschlusszeugnis

Genug gejammert: Vergangenes Jahr hatte die Cebit gerade noch eine schlappe Drei erreicht. 2004 aber geht es der Branche wieder besser und so schneidet auch die Cebit mit einer von den Ausstellern erteilten Durchschnittsnote von 1,9 wieder gut ab.

Vergangenes Jahr hatte die weltgrößte Computermesse Cebit gerade noch eine schlappe Drei erreicht. Die High-Tech-Schau stand voll im Zeichen der weltweiten Krise der IT-Industrie. 2004 aber geht es der Branche nach zwei flauen Jahren wieder besser und so schneidet auch die Cebit mit einer von den Ausstellern erteilten Durchschnittsnote von 1,9 wieder gut ab. Nach den sieben Tagen von Hannover sind alle rundherum zufrieden: Die Aussteller, die Besucher, die Deutsche Messe AG. 510.000 Besucher und damit mehr als von der Messe erwartet kamen nach Hannover.

Schwung fürs nächste Mal

Der deutsche Branchenverband BITKOM sieht sich mit der Cebit im Rücken bestärkt, dass die Zeichen endlich wieder auf Wachstum stehen. "Die Cebit verleiht Schwung für das weitere Jahr", meint BITKOM- Präsident Willi Berchtold. Die Branche habe an Tempo gewonnen. In den Jahren der Krise aufgeschobene Investitionen würden jetzt wieder umgesetzt. Viele der Fachbesucher hätten Investitionsabsichten "im Gepäck" gehabt. "Vergangenes Jahr hatten wir verschleppte Reformen, steigende Arbeitslosenzahlen und Umsatzrückgänge. Das hat keinen Spaß gemacht", sagt Berchtold. Nur Plus macht Spaß, und das zeichnet sich ab.

Messeveranstalter erlangt Selbstvertrauen zurück

Die Deutsche Messe AG fand ein wenig das Selbstbewusstsein wieder, das in den vergangenen Jahren angesichts rapide sinkender Besucher- und Ausstellerzahlen abhanden gekommen war. "Der Cebit-Aufschwung hat begonnen", verkündet Messe-Vorstand Ernst Raue. Ein Viertel der Besucher kamen aus dem Ausland, mehr als Konkurrenzveranstaltungen Gäste habe. Der rückläufige Trend der Cebit sei gestoppt. Die Zahl der Fachbesucher sei mit rund 85 Prozent höher gewesen als vor einem Jahr. Das Konzept, Verbraucher und Geschäftsleute über die preiswerten Tickets am Wochenende zu trennen, sei voll aufgegangen.

Anwendungen statt Visionen

Aussteller zeigten auf der Cebit in diesem Jahr die konkreten Anwendungen, die vor einem Jahr lediglich Visionen waren. Es gab bei vielen wieder den jahrelang vermissten "Wow-Effekt" angesichts der neuen technischen Möglichkeiten. Der schnelle Mobilfunkstandard UMTS, die so genannte dritte Generation, geht nach mehreren Rückschlägen und Milliarden- Investitionen an den Start. Die Betreiber schalten ihre UMTS-Netze frei, erste Handys sind erschwinglich, auch wenn die Betreiber mit den Endgeräten noch nicht zufrieden sind.

W-Lan greift UMTS an

Konkurrenz könnte dem schnellen Handy-Standard aber von einer Technologie drohen: W-Lan. Deutschland soll zum Hot-Spot werden, verkündet die Deutsche Telekom. W-Lan bietet einen superschnellen, mobilen Zugang zum Internet. So will etwa T-Com schon bald ihren DSL- Kunden anbieten, Festnetzgespräche auf die Hot-Spots umzuleiten, von dort aus zu surfen oder Daten zu verschicken und mit W-Lan-fähigen Handys zu telefonieren - zu Festnetzpreisen. Wer dann noch UMTS nutzt, bleibt die Frage.

VoiP - diesmal erfolgreich?

Das Internet drängt auch mehr und mehr in die Privathaushalte. Einige Aussteller zeigten das so genannte Voice over IP (Internet Protocol), das Telefonieren übers Internet. Die Qualität lässt sich vom herkömmlichen Festnetz nicht mehr unterscheiden. Kleine Kisten machen es möglich, weiter das analoge Telefon zu nutzen - und das zu Minutenpreisen von 1 Cent. Wer einen anderen Internet-Telefon-Nutzer anruft, zahlt nichts - und das weltweit.

Das Digitale erobert die Wohnzimmer

Die Cebit 2004 zeigte auch, dass sich der Siegeszug des Digitalen in den Büros ebenso wie in den Wohnzimmern kaum mehr stoppen lässt. In der Unterhaltungselektronik hat der Umsatz mit Digital-Geräten den mit analogen längst hinter sich gelassen. Technologisch wächst mehr und mehr zusammen, was nach Einschätzung der Kunden zusammengehört - und dabei werden die Handys zum Allzweckbegleiter: Telefon, Terminplaner, Adressenspeicher, Wecker, Datenübermittler, Walkman, Fotoapparat und Videokamera mit bis zu zwei Stunden Aufnahmekapazität.

Hartwig von Sass/DPA
 
 
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