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1. Januar 2010, 13:17 Uhr

"Avatar" in 3D: Trampelhorde im Kino

Warum gehen die anderen eigentlich ins Kino?

"Avatar" wird wegender langen Spielzeit mit einer eh schon störenden Pause in der Mitte abgekurbelt. Das hindert die meisten Zuschauer aber nicht daran, trotzdem mitten im Film aufzustehen, um aufs Klo zu gehen oder um sich neue Nachos zu holen, die beim Futtern so laut knirschen, dass man nicht weiß, ob da jemand Hunger hat oder ob sich da gerade ein neues Untier im Film anschleicht - eins, das noch nicht zu sehen ist, aber anscheinend schon mal mit den Zähnen mahlt. Während vor uns gerade ein neuer Pipi-Gänger mit schwacher Blase die wichtigste Szene des Films mit seinem Schatten verstellt, beginnt hinter uns eine Gruppe zu diskutieren. Der eine unterhält das ganze Kino mit der Feststellung, dass "Avatar" doch im Grunde genommen nix anderes ist als "Winnetou meets Star Wars meets Herr der Ringe". Als sich die Na'vi bei einem Ritual an den Händen fassen und sich summend im Kreis wiegen, kreischen die Leute hinter uns: "Voll die Hare-Krishna-Jünger, diese Alien-Volldeppen."

Überhaupt scheinen viele der jüngeren Zuschauer Probleme damit zu haben, sich in der zweiten Hälfte des Films auf die Seite der Na'vi zu schlagen. Als die Kampfhubschrauber der Menschen den riesigen Lebensbaum der Außerirdischen zu Kleinholz zerlegen, tönt es hinter unter uns schon wieder: "Ja, macht sie fertig, diese Krishna-Bläulinge. Macht aus Pandora einen Parkplatz aus Beton."

Links neben uns sitzen drei Mädchen, die sichtbar wenig Interesse an dem Film haben. Zwar kichern sie immer nur leise, schalten dafür aber alle paar Sekunden ihre Handys an, um nachzuschauen, ob ihre hühnerbrüstigen und pickelgesichtigen Möchtegern-Rapperfreunde ihnen nicht vielleicht schon wieder eine neue SMS geschickt haben. In diesem Fall wird das Telefon erst einmal herumgereicht. Jeder kennt das: Schaltet jemand neben einem im Dunkeln eine Taschenlampe ein, so wird man geblendet und sieht erst einmal nix mehr, wenn das Licht wieder ausgeht. So ist das auch mit dem leuchtenden Handy.

Nach dem Film ist vor dem Film: Ich hab ihn jetzt zwei Mal gesehen. Zum einen, weil ich ihn so gut finde. Zum anderen, damit ich endlich einmal alle Szenen mitbekomme. Inzwischen habe ich mir das Avatar-Spiel für das iPhone heruntergeladen - da quatscht mir wenigstens niemand von der Seite rein. Und Nachos-Krümel bekomme ich auch keine ab.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Mehr von Carsten Scheibe Carsten Scheibe betreibt die Pressebüro Typemania GmbH (www.itpressearbeit.de) und kümmert sich täglich für 650+ Firmen um die Pressearbeit aus den Bereichen Computer, Internet, Golf & Buch. Niedrige Preise, eine packende Schreibe, solide Erfolge: Öffentlichkeitsarbeit kann richtig Spaß machen, wenn man sie nicht so verkrampft betreibt.

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KOMMENTARE (10 von 22)
 
kritzlibaer (03.01.2010, 18:24 Uhr)
Qualitätskino
Ich unterschreibe jede Zeile Ihres Kommentares, Herr Scheibe. Und ärgerem mich jedes mal auf's Neue. Kein noch so großer Monitor inkl. Dolby-Surround kann mir schließlich die Leinwand ersetzen. Ich brauche das Kino für Filme wie Avatar. Dabei könnte ich mir vorstellen, dass es "Sterne"-Kinos gäbe, die über den Film hinaus mehr Erlebnisqualität böten. Angefangen von Kinderbetreuung bis hin zum Séparée, dass ungestörten Kinogenuss (mit Nachos aus der Sterneküche?) verspricht. Gerne zahlte ich dafür einen entsprechenden Preis, den wohl die meisten Pöbeljünger nicht aufzubringen bereit wären. Aber das wird wohl mur ein Traum bleiben.
turbohempel (02.01.2010, 22:04 Uhr)
Die neue annehmbare 3. Dimension
Dank für die Reportage an vorderster Front (hoffentlich nicht Rasiersitz); mein Sohn fand den Film so toll, dass er den Film selbst mir altem Knacker aufs Wärmste empfahl. Wenn endlich mal ein Film auf die Leinwand kommt, der die Augen 2 Stunden nicht überanstrengt, ist ein Anfang getan; und wenn der Inhalt auch noch stimmt , dann werden fliegende Nachos sicher kein Problem mehr sein.
endbenutzer (02.01.2010, 16:16 Uhr)
Man sollte....
...Essen, Trinken und Mobiltelefone im Kino generell verbieten oder zumindest störungsfreie Vorstellungen anbieten. Für diese wäre ich auch bereit, mehr zu zahlen. Hauptsache man bleibt vor all diesen verhaltensgestörten Flachpfeifen verschont.
Chuckwhalla (02.01.2010, 06:54 Uhr)
Stern kommentare - Spiegel der Gesellschaft?
Wen das so wäre ... dann wäre das verdammt schade.
Die leute beschweren sich über ein paar Leute die sich nicht benehmen können, aber sehen ihr eigenes sehr schlechtes benehmen nicht.

@Fakten: Der Film Avatar ist brilliant? Wahrscheinlich besteht ihre Buecherei zu Hause aus Komik-Heftchen? ----
Sehr tolerant was andere Geschmäcker angeht. Fand den Film auch klasse und meine "Bibliothek" besteht unter anderem aus Dostojewski. PS: Eine Buecherei ist etwas anderes.

Fakten (01.01.2010, 23:09 Uhr)
Hollywood verbloedet - verwundert das etwa?
Die Trampel-Horde bezahlt diesen Mist, das sie nun auch Gen-manipuliertes Pop-Korn, uebergossen mit stinkendem Butterersatz dazu fressen will deutet auf kompletten Gehirnverlust hin.

@Stony2005 - Der Film Avatar ist brilliant? Wahrscheinlich besteht ihre Buecherei zu Hause aus Komik-Heftchen?
berthold3228 (01.01.2010, 20:23 Uhr)
Wenn du doch geschwiegen hättest!
joschitura
1. Leid tun: Leid wird großgeschrieben
musste bitte mit 2 s
2. In Studienzeiten vor 35 Jahren sind wir, eine größere Gruppe von Studierenden, aus einem Ganghoferfilm wegen unsachgemäßen Kommentaren rausgeflogen. War echt "geil"!
joschitura (01.01.2010, 19:48 Uhr)
Kommentar - oder Roman ?
@gaiwa: Wer Zeit hat, an Neujahr solch ausufernde Rechtfertigungen für schlechtes Benehmen im Kino zu verfaseln, kann einem fast leid tun. Außerdem würde ich mal das Wort "Redundanz" im Lexikon nachschlagen...
Und noch was: vor dreissig Jahren gabs erstens keine Handys und zweitens haben sich die Leute wenigstens geniert, wenn man sie auffordern mußte, den Mund zu halten - heute behaupten Leute wie Sie, das Gequatsche gehöre zur Kinokultur. Deswegen gucken wir nur noch DVD - oder gehen in die vormittäglichen Pressevorführungen.
Bundespropagandamin (01.01.2010, 19:34 Uhr)
Da hat jemand einen Artikel
zu diesem Artikel geschrieben:

http://politik24.blogspot.com/2010/01/avatar-zuschauer-spiegel-der.html

Es geht insbesondere um die Zuschauer, welche auch noch in der Mitte des Films auf der Seite der Menschen stehen und diesen bei der Zerstörung des Baumes zujubeln. Der Autor übertreibt leicht, aber das weiß er vermutlich selber.

Muss selber sagen, ich fand den Film auch einfach klasse, aber habe leider auch bei diesem Film mehr Störungen von anderen Zuschauern ertragen müssen als bei anderen Filmen zuvor.
Alistair (01.01.2010, 19:19 Uhr)
Pole sana(swahili für:" Armer Kerl")
Wer geht denn heute noch ins Kino, wenn als Zielpublikum die "Was-guckst-Du-Fraktion" anvisiert wird? Das letzte Mal waren wir von ein paar Dutzend tauben Nüssen umringt, die sich lauthals im Tapattoni-deutsch über die sekundären Geschlechtsmerkmale von Frau Zeta - Jones unterhielten. Irgendwann war der Film unwichtig, da das Geschwätz viel unterhaltsamer wurde. Kino wird mittlerweile als Kommunikarionsplattform gesehen, da verkommt der Film zur Nebensache.
Ich habe mir irgendwann vor Lachen fast in die Hand gebissen, als man den "Pasodoble" zum spanischen Feiertag kürte. Also, werter Herr Scheibe, nichts für ungut, danke für den schönen Artikel und gute Besserung!
Gaiwa (01.01.2010, 19:18 Uhr)
PS:
Entschuldigung für die Rechtschreibfehler, ich bin schon etwas müde.

Ich hoffe mal, dass das dieses Mal nicht das Hauptargument gegen meinen Beitrag sein wird (diese Hoffnung ist hier nicht sehr groß).
Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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