"Avatar" wird wegender langen Spielzeit mit einer eh schon störenden Pause in der Mitte abgekurbelt. Das hindert die meisten Zuschauer aber nicht daran, trotzdem mitten im Film aufzustehen, um aufs Klo zu gehen oder um sich neue Nachos zu holen, die beim Futtern so laut knirschen, dass man nicht weiß, ob da jemand Hunger hat oder ob sich da gerade ein neues Untier im Film anschleicht - eins, das noch nicht zu sehen ist, aber anscheinend schon mal mit den Zähnen mahlt. Während vor uns gerade ein neuer Pipi-Gänger mit schwacher Blase die wichtigste Szene des Films mit seinem Schatten verstellt, beginnt hinter uns eine Gruppe zu diskutieren. Der eine unterhält das ganze Kino mit der Feststellung, dass "Avatar" doch im Grunde genommen nix anderes ist als "Winnetou meets Star Wars meets Herr der Ringe". Als sich die Na'vi bei einem Ritual an den Händen fassen und sich summend im Kreis wiegen, kreischen die Leute hinter uns: "Voll die Hare-Krishna-Jünger, diese Alien-Volldeppen."
Überhaupt scheinen viele der jüngeren Zuschauer Probleme damit zu haben, sich in der zweiten Hälfte des Films auf die Seite der Na'vi zu schlagen. Als die Kampfhubschrauber der Menschen den riesigen Lebensbaum der Außerirdischen zu Kleinholz zerlegen, tönt es hinter unter uns schon wieder: "Ja, macht sie fertig, diese Krishna-Bläulinge. Macht aus Pandora einen Parkplatz aus Beton."
Links neben uns sitzen drei Mädchen, die sichtbar wenig Interesse an dem Film haben. Zwar kichern sie immer nur leise, schalten dafür aber alle paar Sekunden ihre Handys an, um nachzuschauen, ob ihre hühnerbrüstigen und pickelgesichtigen Möchtegern-Rapperfreunde ihnen nicht vielleicht schon wieder eine neue SMS geschickt haben. In diesem Fall wird das Telefon erst einmal herumgereicht. Jeder kennt das: Schaltet jemand neben einem im Dunkeln eine Taschenlampe ein, so wird man geblendet und sieht erst einmal nix mehr, wenn das Licht wieder ausgeht. So ist das auch mit dem leuchtenden Handy.
Nach dem Film ist vor dem Film: Ich hab ihn jetzt zwei Mal gesehen. Zum einen, weil ich ihn so gut finde. Zum anderen, damit ich endlich einmal alle Szenen mitbekomme. Inzwischen habe ich mir das Avatar-Spiel für das iPhone heruntergeladen - da quatscht mir wenigstens niemand von der Seite rein. Und Nachos-Krümel bekomme ich auch keine ab.
Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania
Mehr von Carsten Scheibe Carsten Scheibe betreibt die Pressebüro Typemania GmbH (www.itpressearbeit.de) und kümmert sich täglich für 650+ Firmen um die Pressearbeit aus den Bereichen Computer, Internet, Golf & Buch. Niedrige Preise, eine packende Schreibe, solide Erfolge: Öffentlichkeitsarbeit kann richtig Spaß machen, wenn man sie nicht so verkrampft betreibt.