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1. April 2010, 13:29 Uhr

Wir brauchen Quick wins, aber asap

Sprechblasen aus dem Wirtschaftsleben

Verstehen Sie manchmal auch nur "Train station", wenn Marketingleute, Chefs und Digitalexperten mit Ihnen sprechen? Eine Liste der nervigsten Begriffe - und was sie bedeuten sollen.

Worthülsenfrüchte, die für kommunikative Flatulenz sorgen, gibt es viele. Hier eine Auswahl besonders nerviger Exemplare, die heutzutage in vielen Präsentationen zu Internet- und Social-Media-Projekten auftauchen und die Luft verpesten.

Gefunden bei "iBusiness". Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des High Text Verlags.

"Expertise"

Wo es herkommt: Es ist das englische Wort für "Gutachten"
Was der Präsentator eigentlich meint: "Erfahrung"

"Es macht Sinn"

Wo es herkommt: aus dem Englischen "It makes sense"
Was der Präsentator eigentlich meint: "Es ist sinnvoll."

"Business Case"

Wo es herkommt: Streng genommen bedeutet das Wort auf Englisch "Aktenkoffer". In der Sprache von Consultingfirmen ist es ein Geschäftsszenario. Oder ein Geschäftsmodell.
Was der Präsentator eigentlich meint: Irgend etwas Cooles. Auf keinen Fall ein schlichtes Geschäftsmodell.

"Success Story"

Wo es herkommt: aus dem Englischen.
Was der Präsentator eigentlich meint: "Erfolgsgeschichte". Aber die klingt im Deutschen immer so nach Märchen - was ja ganz oft auch stimmt.

"Quick wins"

Wo es herkommt: aus dem Englischen.
Was der Präsentator eigentlich meint: Schnell zu erzielende Erfolge. Beispielsweise, wenn die Agentur mal eben die grauenhaftesten Fehler aus dem Webdesign ausbaut.

"ASAP"

Wo es herkommt: SMS-Slang für "As soon as possible" ("so schnell wie möglich")
Was der Präsentator eigentlich meint: "Bringen Sie Ihren verdammten Arsch in Bewegung". Und genau so klingt es auch.

"proaktiv"

Wo es herkommt: Englisch für "Eigeninitiative zeigen".
Was der Präsentator eigentlich meint: Normalerweise wird es als Synonym für "irre aktiv" verwendet.

"Fokussierung auf die Kernkompetenzen"

Wo es herkommt: Managementsprech. Es ist die Rückseite der Medaille von "Expansion". Beide Strategien wechseln sich im Drei-Jahres-Rhythmus im Management ab.
Was der Präsentator eigentlich meint: "Wir machen jetzt alles dicht, was mein Vorgänger mit viel Geld aufgebaut hat."

"Benchmark"

Wo es herkommt: aus der EDV. Dort ist es ein Vergleichsindex von Systemen.
Was der Präsentator eigentlich meint: "Wir schauen, was die Konkurrenz macht und kupfern es ab. Ist billiger, als es selbst zu entwickeln."

"zielführend"

Wo es herkommt: aus dem Marketingsprech.
Was der Präsentator eigentlich meint: "sinnvoll"

"Content is King"

Wo es herkommt: aus US-Technikblogs. Wörtlich: "Inhalte sind wichtig".
Was der Präsentator eigentlich meint: "Wir kaufen jetzt PR-Texte ein oder lassen Nutzer selbst irgend etwas schreiben. Das ist billiger."

"Momentum"

Wo es herkommt: aus dem Englischen. "To gain momentum" heißt "in Fahrt kommen".
Was der Präsentator eigentlich meint: irgendetwas mit "Schwung", "Wucht", "Impuls" oder "Dynamik".

"Google Juice"

Wo es herkommt: aus der SEO-Szene (SEO = Suchmaschinen-Optimierung). Es meint die Relevanz, die man (beispielsweise durch Back-Links) erhält.
Was der Präsentator eigentlich meint: Verlinkungen.

"Core Values"

Wo es herkommt: Im Englischen heißt es "Grundwerte".
Was der Präsentator eigentlich meint: "Core Assets". Und das heißt eigentlich: "zentrale Werte".

"viral seeden"

Wo es herkommt: Marketingsprech. Inhaltshappen als Köder in die Blogger-Szene streuen, damit sie aufgenommen und weiter getragen werden.
Was der Präsentator eigentlich meint: "Ich habe jetzt viel Geld für die Viral-Agentur ausgegeben. Hoffen wir, dass wir bei den 20 Prozent erfolgreichen Kampagnen dabei sind."

"Wisdom of the Crowd"

Wo es herkommt: von Blogberatern, die glauben, dass es eine "Weisheit der Massen" gibt.
Was der Präsentator eigentlich meint: "Ich weiß auch nicht, warum keiner unsere Website mag".

"Branded Entertainment"

Wo es herkommt: aus dem Englischen.
Was der Präsentator eigentlich meint: "Sponsoring". Oder Werbespiele.

"Web 1.0"

Wo es herkommt: aus der Web-2.0-Blase.
Was der Präsentator eigentlich meint: "irgendwie uncool".

"Old Economy"

Wo es herkommt: aus der Web-1.0-Blase. Meint klassische Unternehmen, die tatsächlich richtige Produkte herstellen.
Was der Präsentator eigentlich meint: "irgendwie uncool".

"Performance-orientiert"

Wo es herkommt: aus der Werber-Sprache. Meint erfolgsabhängige Werbeformen.
Was der Präsentator eigentlich meint: "Wir wollen nur die Hälfte zahlen"

"Die Kampagne darf nicht zu aggro sein"

Wo es herkommt: wenn Werber das Adjektiv "aggressiv" verniedlichen.
Was der Präsentator eigentlich meint: "Vielleicht ist das Ganze doch zu plump?"

"Am Ende des Tages"

Wo es herkommt: Übersetzung aus dem Englischen, "At the end of the day"
Was der Präsentator eigentlich meint: "unterm Strich". Oder einfach: "letztlich"

"Join the conversation"

Wo es herkommt: aus dem Englischen, natürlich.
Was der Präsentator eigentlich meint: "noch Fragen?" Oder: "Kommentare bitte".

"Game Changer"

Wo es herkommt: Englisch für "Spiel-Wechsler"
Was der Präsentator eigentlich meint: etwas Revolutionäres, das den Markt und seine Mechanismen prinzipiell verändert.

"Fundamental Change"

Wo es herkommt: Englisch für "prinzipielle Änderung".
Was der Präsentator eigentlich meint: "Game Changer"

"Revolution"

Wo es herkommt: aus der Politik.
Was der Präsentator eigentlich meint: "was Neues".

KOMMENTARE (10 von 13)
 
kurtaxe1 (01.04.2010, 18:45 Uhr)
an Magicr
Flatulenz ist ein durchaus üblicher Begriff. Er bedeutet so etwa: pff, oder pffff, manchmal, in schweren Fällen auch: pffffffffffffwumm.
kurtaxe1 (01.04.2010, 18:43 Uhr)
From me out
From me out can they speak how they want, as long as they let me in quiet.
warbird (01.04.2010, 18:39 Uhr)
An all die Kritiker
Ihr mögt ja Recht haben, aber steht am Anfang nicht auch dass es ein Auszug aus "iBusiness" ist?! Da kann man dem Stern höchstens vorwerfen dass er so einen Dummfug auch noch verbreitet...

So long... just my 2 cents :-)
Magicr (01.04.2010, 17:21 Uhr)
Auch die Redaktion
wirft mit Begriffen umsich ;-).

Was bedeutet denn "Flatulenz"? Gefunden am Anfang des Artikels.
blwolf (01.04.2010, 16:44 Uhr)
berater = superklug
Ich kenne diese Dummschwätzer, die exakt die oben angeführten Begriffe benutzen zur Zt. leider zur Genüge, da solche Hampelmänner z.Zt. in meiner Firma "herumklugscheissern" und ihre Unfähigkeit mit schlauen Sprüchen, tollen Präsentationen und eben einer inflatorischen Anwendung dieser bescheuerten Anglizismen zu kaschieren versuchen. Aber leider gibt es ja immer noch oder immer wieder Firmenchefs, die auf diese Blender hereinfallen und sich ausnehmen lassen anstatt sich auf das Wissen Ihrer Mitarbeiter zu verlassen.
STR_EDDS (01.04.2010, 15:35 Uhr)
Neu?
DEC VAX 11/750 Egineering Manuals aus 1985: dort findet man bereits "ASAP", "foo-bar", "btw", "show stopper", etc. Gerne stelle ich dem Autor ca. 50kg, geschichtsträgiges Papiermatrial zur Verfügung. Damit Behauptungen wie "SMS-Slang" ganz flugs wieder verschwinden.
.
Ich habe nebenbei schon vor Jahren damit angefangen, Präsentatoren und ähnliches Volk, zu "zwingen", sich bei einer Produktvorstellung in unserem Haus für nur eine Sprache zu entscheiden. Das stellte manche Leute vor echte Probleme. Vor allem dann, wenn man konsequenterweise mit einem "Let's proceed in english" den Jungdynamiker vor echte Herausforderungen stellte.
.
So. TGIF, AWY/BRB :-)
RalfSch (01.04.2010, 15:21 Uhr)
it sucks!
Dieser Beitrag ist einfach nur inkompetent und offensichtlich von einem zugleich überforderten und unerfahrenen Verfasser ohne jegliche redaktionelle (Qualitäts)Kontrolle ins Netz gestellt worden.
Beispiel: Proaktiv. Da hätte selbst ein kurzer Blick in Wikipedia gereicht, um es nicht falsch zu machen.
Daneel (01.04.2010, 15:01 Uhr)
Aprilscherz oder Unwissenheit?
Heute ist der erste April. Ich glaube nicht, dass dieser Beitrag aber so gemeint war. Im Allgemeinen vermeide ich Anglizismen, und zwar grundsätzlich, ob sie im Deutschen richtig oder falsch benutzt werden. Aber dieser Artikel ist eine Mischung aus 3 verschiedenen Sachen, die ich hier an Beispielen erläutere:

1) englischer Ausdruck wird falsch übersetzt, Beispiel "makes sense" wird mit "macht Sinn" übersetzt

2) englischer Ausdruck wird im Deutschen richtig verwendet, auch wenn (auch im Englischen) der Ausdruck nicht nur im Ursprungsbereich verwendet wird, z.B. Benchmark.

3) englischer Ausdruck wird im Deutschen richtig benutzt, die Erklärung in diesem Artikel ist schlicht und einfach grob inkompetent falsch, Beispiel "business case". "Case" kann ja Koffer bedeuten, aber auch "Fall" oder auch "Anliegen". Hier ist die letzte Bedeutung gemeint. Wer meint, dass ein Deutscher, der "business case" sagt, den englischen Ausdruck für Aktenkoffer benutzt, kann weder Englisch noch Deutsch. Aktenkoffer heißt "briefcase" auf Englisch. (Nein, briefs sind hier nicht Unterhosen, sondern Unterlagen.)

Leider vermute ich, dass dieser Beitrag kein Aprilscherz war, sondern durch Unfähigkeit zu erklären ist.

Peinlich ist es, Anglizismen zu benutzen. Noch peinlicher ist, sie falsch zu benutzen. Noch peinlicher ist, zu behaupten, dass richtig benutzte Anglizismen falsch benutzt werden.

Der Stern sollte diesen Beitrag (vielleicht erst morgen) als Aprilscherz deklarieren, oder sich für die Unfähigkeit des Autors (nicht "des Autoren"; ich kann Deutsch, obwohl Deutsch nicht meine Muttersprache ist), der seine Mehrsprachigkeit anscheinend (nicht "scheinbar"; ich kann Deutsch) aus Babelfish her hat.

J4NN3K (01.04.2010, 14:53 Uhr)
...
^^, what shalls.
I quit, thank god it's thursday, ich bin a.f.k
sportartmakler (01.04.2010, 14:44 Uhr)
wer zu oft mit solchen hülsen hantiert
macht sich am ende eher lächerlich als das er trendy ist. fundiertes fachwissen und kommunikative kompetenz braucht solche selbstaufwertungsfloskeln nicht.

im übrigen sind manche aufgeführten beispiele mehr als gebräuchlich für meine begriffe.
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Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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