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27. Februar 2009, 15:39 Uhr

Dizz & Dazz: meine Woche

stern.de-Kolumnist Scheibe freut sich aufs Wochenende. Den Freitag nutzt er aber, um die Woche noch einmal im Kopf Revue passieren zu lassen. Diskussionen um den Web-Auftritt einer Schule, das globale Buchangebot von Amazon und eine Grammatik-kundige Omi sind dieses Mal die Highlights.

 
Schülerzeitung, Amazon

© Carsten Scheibe

Rettungsdienst in Schule

Abends um 19 Uhr: Ich finde mich in beratender Funktion in einer Falkenseer Grundschule ein, die demnächst eine eigene Homepage ins Internet stellen möchte. Früher hat man das einfach gemacht. Heute haben die massiven Abmahn-Nachrichten aus dem Internet dafür gesorgt, dass das Thema deutlich sensibler angegangen wird.

Wir sprechen darüber, wie das Impressum einer Schule aussehen soll, ob die Homepage eine Datenschutzerklärungen und Nutzungsbedingungen benötigt und wie vermieden wird, dass Copyright-geschützte Fotos und Texte auf die Web-Seite gelangen könnten. Das Problem fängt ja bereits an, wenn die Schülerzeitung als PDF ins Web gestellt wird und die Schüler hier vielleicht zur Illustrierung ihrer Artikel Bilder aus der "Bravo" ausgeschnitten haben.

Ein Problem ist es auch, selbst geschossene Fotos aus dem Schulleben auf die Homepage zu stellen. Nicht jedes Elternhaus ist erpicht darauf, den eigenen Nachwuchs im Web zu sehen. Muss nun jedes Elternteil schriftlich der Veröffentlichung der Fotos zustimmen? Und kann man Fotos der Eltern einfach übernehmen, ohne schriftlich einen Nutzungsvertrag abzuschließen?

Diese Fragen auch nur im Ansatz zu klären, das kostet so viel Zeit, dass am Ende kaum noch ein paar Minuten bleiben, um die geplanten Inhalte zu besprechen. Keine Frage: An der Bürokratie im Web geht noch einmal der ganze Spaß am Internet zugrunde.

Englische Bücher kaufen

Ich bin ein sehr treuer Buchleser, der zu seinen einmal lieb gewonnenen Autoren hält. Vor allem die alten Hard-Boiled-Krimis von Robert B. Parker um die Figur Spenser und die modernen Vintage-Crime-Bücher von Andrew Vachss haben mir es angetan. Vachss wird nun schon seit über acht Jahren nicht mehr anständig für den deutschen Raum übersetzt und angeboten. Und von Parker erscheint nur einmal im Jahr ein Buch auf Deutsch: Da haben sich auch viele Romane angestaut, die noch nicht den Weg nach Deutschland gefunden haben.

Gerade bei Vachss liegen inzwischen acht Romane meiner geliebten Burke-Serie vor, in der eine Gang echt verrückter New Yorker Outlaws Jagd auf Kinderschänder und andere Verbrecher aus diesem Milieu macht. Kein Wunder, ist Vachss doch Anwalt für missbrauchte Kinder und glühender Verfechter von härteren Strafen für pädophile Straftäter.

Ich habe nun beschlossen, mir die Romane im Original zu besorgen. Überraschung Nummer eins. Bei Amazon Deutschland kann ich die englischen Originale ganz simpel per Mausklick bestellen. Ohne Zollgebühren, Zuschläge und lange Wartezeiten kommen die Bücher binnen zwei Tagen bei mir an. Das ist doch einmal Globalisierung, wie sie mir gefällt. Früher war es immer ein riesiger Akt, Originale zu besorgen. Heute ist das schon selbstverständlich.

Überraschung Nummer 2: Die englischen Bücher lese ich problemlos. Ich hätte nicht gedacht, dass mein Englisch durch die ständige Beschäftigung mit dem internationalen Web so gut geworden ist, dass ich einen amerikanischen Krimi-Roman ohne Wörterbuch auf dem Nachttisch verstehen kann. Ich glaube, das mache ich jetzt öfter.

Omi kennt den Genitiv

Eben klingelt das Telefon. Am Apparat ist eine Omi aus meinem Wohnort. Ihre Stimme klingt schon recht betagt. Sie hat unsere Lokalzeitung "Falkensee aktuell" gelesen und möchte mich als Autor informieren, dass ich beim Schreiben einen Fehler begangen habe.

So schreibe ich über eine Pizzeria: "Dass das Da Pippo trotz dem Geheimtipp-Status eigentlich jedem im Ort bekannt ist ..." Die Dame fragt, ob ich denn meinen Genitiv nicht kenne. Richtig würde es heißen: "trotz des Geheimtipp-Status". Recht hat sie.

Zwar kann ich das in der gedruckten Zeitung nicht mehr ändern, dafür aber online. Da lässt sich das noch korrigieren. Trotz meines Fehlers finde ich es toll, dass da jemand anruft und sich die Zeit nimmt für solch eine Korrektur. Gerade erst habe ich auf einem Spaziergang mit "Und dann kam Luna"-Buchautorin Christine Brügge darüber gemeckert, dass die deutsche Sprache immer mehr verkommt und gerade im Internet inzwischen wirklich jeder Texte im schlimmsten Deutsch veröffentlichen kann. Und jetzt trifft es mich selbst. Ich bekenne mich schuldig. Und freue mich trotzdem darüber, dass jemand meinem Text so viel Aufmerksamkeit schenkt.

Der Schalk sitzt mir aber auch ein wenig im Nacken. Ob ich online "Dem Pippo ihm sein Restaurant genießt Geheimtipp-Status" schreiben soll?

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Mehr von Carsten Scheibe In seiner Freizeit geht Carsten Scheibe golfen - und arbeitet daran, dass der Golfball auf der selben Bahn ankommt, von der er abschlägt. Wenn's mit dem Spielen nicht so gut klappt, schreibt er lieber - für das eigene, kostenfrei in den Golf-Clubs ausliegende Magazin "Mein Golf-Heft". Das gibt's mit allen Artikeln auch im Internet. Natürlich ist der PC auch hier ein Thema.

 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
thomas_m (01.03.2009, 06:52 Uhr)
von Omi lernen
weil es Sie so gefreut hat, nehme ich mir ein Beispiel an "Omi" und weise auf einen Rechtschreibfehler in Ihrer letztwöchigen Kolumne hin.
"Galappagos-Inseln" schreibt man mit nur einem "p".
Ein Tipp zum Englisch verbessern: schauen Sie doch gelegentlich auch einmal Spielfilme im englischsprachigen Original an.
Wer Sie beispielsweise einmal Jack Nicholson im Original sprechen gehört hat, mag danach möglicherweise gar keine synchronisierten JN-Filmfassungen mehr sehen.
Gruss aus Shanghai
Eisenbaer (27.02.2009, 19:23 Uhr)
Na, das habe ich gerne...
...erst festgestellt haben wollen, dass der Spaß im Internet langsam den Bach runter geht, und dann mit Signore Pippo seine Pizza-Bude im selben Medium einen Spaß machen wollen.

Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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