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9. Juli 2010, 17:20 Uhr

Ich bin der Doodle God!

stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe fühlt sich heute ganz schön göttlich. Schuld daran ist das Spiel "Doodle God", das eine völlig neue Idee transportiert. Schluss mit Gewalt, Jump & Run oder 3-gewinnt: Es gilt, eine ganze Welt zu erschaffen. In der Flash-Version ist das Spiel völlig kostenlos zu haben.

 
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Einmal Gott sein und Elemente entdecken - in "Doodle God" ist genau dies das Spielprinzip© Screenshot

Am Anfang aller Zeiten war nicht Gott, sondern der "Doodle God". Er erschuf die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Wind. Wir zählen mit. Das sind vier Elemente. Im gleichnamigen Flash-Spiel "Doodle God" sind es aber 115 Elemente, die nachher auf der Habenseite stehen müssen.

Die Aufgabe des Spielers ist es, die vorhandenen Elemente immer wieder neu miteinander zu kombinieren, um auf diese Weise neue Elemente zu erzeugen. Das ist ein Spiel mit Sinn und Verstand für Gamer mit Konzentration und Auffassungsgabe. Aus Erde und Feuer entsteht so etwa brodelnde Lava. Wasser und Luft erzeugt Dampf. Ein Sumpf entsteht aus Wasser und Erde. Wer Wasser und Lava miteinander kombiniert, erhält einen festen Stein. Ein Stein und Feuer erzeugt Metall. Und so weiter.

Erster Sex

Jedes Element wird mit großem Bimborium und göttlicher Musik begrüßt. Im Spiel gibt es 115 Elemente, die auf diese Weise zu entdecken sind und die in 14 verschiedene Gruppen einsortiert werden. Dabei schreibt das Spiel mit den Elementen die Schöpfungsgeschichte (oder Evolution) stetig fort. Leben regt sich und schon bald hat der Spieler Plankton, Muscheln, Algen, Käfer, Schlangen und sogar Dinosaurier auf seiner Habenseite. Dann dauert es auch nicht mehr lange und der Mensch ist da. Übrigens: Zwei Menschen, keck aufeinander gezogen, sorgen für den ersten Sex im neuen göttlichen Kosmos.

Aber wie geht es weiter? Am Ende muss der Spieler auch noch Werkzeuge formen, Hütten errichten, das Rad erfinden und Schiffe bauen. Wer beim Spielen nicht mehr weiß, welche Kombinationen er bereits erfolgreich ausprobiert hat, schaut in der automatisch mitgeschriebenen Historie nach. Tipps gibt das Spiel auch. Dann zeigt es etwa eine Reihe von Elementen auf, die vielleicht miteinander reagieren könnten. Das kann auch schief gehen. Aus Alkohol und einem Menschen wird dann ein lallender Alkoholiker. Aus einem Dinosaurier und einem Menschen wird ein toter Mensch. Ein toter Mensch plus Leben erzeugt einen Zombie. Upps.

Wie erschafft man einen Laser?

Wer einmal damit begonnen hat, Gott zu spielen, kann nicht mehr damit aufhören, zumal das Spiel ständig aufzeigt, wie viele Elemente noch fehlen. Die Flash -Version für den Web-Browser lässt sich völlig kostenfrei nutzen.

Inzwischen steht auch eine eigene iPhone-Version parat. Sie kostet 79 Cents und bringt es bereits auf 140 Elemente in 15 Kategorien, wie im Stern-Blog "iPhone-Junkie" nachzulesen ist. 135 Elemente habe ich nach einer Nacht bereits gefunden, der Rest stellt mich aber vor echte Probleme. So habe ich jetzt zwar den Computer, das Internet, das Handy und den Wolkenkratzer erfunden, aber wie um alles in der Welt entsteht der Laser? Sonne und Glühbirne klappt nicht, Energie und Plasma auch nicht und selbst die Kombination aus Energie und Sonne bringt nichts.

Die Sucht danach, einmal selbst in die Schöpfung einzugreifen, hat drei Millionen Anwender in zwei Wochen dazu bewegt, sich Doodle God für das iPhone zu besorgen - behauptet zumindest das Entwickler-Team. Nicht umsonst ist die App aber auf Platz 1 der Verkaufscharts und das in vielen Ländern. Dass es viele Süchtige im Web gibt, davon zeugen bereits die ersten Schummellisten, die zumindest für die Flash-Version kursieren. Sie erklären, wie die meisten Elemente erzeugt werden. Wer also nicht mehr weiter weiß, kann hier mal kurz in die Tabelle linsen.

Ich wundere mich weiter. Aus den Elementen Papier, Internet und Computer will und will einfach das Element stern.de nicht entstehen.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Mehr von Carsten Scheibe Carsten Scheibe betreibt die Pressebüro Typemania GmbH (www.itpressearbeit.de) und kümmert sich täglich für 650+ Firmen um die Pressearbeit aus den Bereichen Computer, Internet, Golf & Buch. Niedrige Preise, eine packende Schreibe, solide Erfolge: Öffentlichkeitsarbeit kann richtig Spaß machen, wenn man sie nicht so verkrampft betreibt.

 
 
Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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