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15. Oktober 2004, 16:15 Uhr

Ich will keinen Spam!

Immer dieses Geheule: "Die bösen Spam-Mailer verstopfen mein ganzes E-Mail-Postfach". Stern.de-Kolumnist Scheibe ist der Meinung: Wer keine Spam-Mails bekommen möchte, der muss sich nur entsprechend verhalten. Eine provokante These?

© Carsten Scheibe

Die meisten Anwender, die sich täglich neu über Spam-Mails ärgern, sind selbst schuld daran. Die täglichen Mails aus unbekannter Quelle, die Viagra-Pillen und Windows-XP-Pakete an den Mann bringen möchten, auf imaginäre Lottogewinne hinweisen und deftige Pornofotos auf den Bildschirm zaubern, kommen ja nicht aus dem Nichts. Wer keine Lust auf Spam-Mails hat, kann sich durchaus dagegen schützen. Und das auch ohne fehleranfälligen Spam-Filter.

Punkt 1

Wer eine E-Mail-Adresse von einem weltweit operierenden Mail-Provider wie AOL oder GMX annimmt, der hat meiner persönlichen Meinung nach bereits verloren. Viele Spammer nutzen @aol.com und @gmx.com in Kombination mit einem Zufallsgenerator, der willkürliche Buchstabenkombinationen vor die Domains setzt - und so aus dem blauen Dunst heraus viele Millionen Mail-Adressen generiert. Und die dazu passenden Anwender auch tatsächlich erwischt. Denn unter Garantie gibt es einen Peter@aol.com oder eine Susi@gmx.com. Besser ist es also, eine E-Mail-Adresse zu verwenden, die auf eine eigene Domail verweist. Eine entsprechende Homepage-Adresse gibt es bei 1&1 oder bei ähnlichen Providern für läppische Cent-Beträge im Monat.

Punkt 2

Die eigene E-Mail-Adresse sollte nicht im Web veröffentlicht werden. Viele Spam-Versender schicken findige Robot-Programme aus, die jeden Tag Millionen Homepages scannen und alle hier abgelegten E-Mail-Adressen automatisch auslesen. Diese Adressen werden natürlich sofort verwendet, um neue Werbe-E-Mails auszusenden. Profis nutzen inzwischen Java-Tools, um die eigene E-Mail-Adresse auf der Homepage so zu chiffrieren, dass sie zwar angezeigt wird und sich auch weiterhin anklicken lässt, allen Spam-Robotern aber nur einen unbekömmlichen Buchstabensalat präsentiert.

Punkt 3

Die persönliche E-Mail-Adresse darf auf keinen Fall den falschen Leuten mitgeteilt werden. Viele US-Sexseiten im Internet fragen die E-Mail-Adresse der Besucher ganz scheinheilig als "Altersnachweis" ab, um den Besuchern dann den Zugang zu Live-Shows und gigantischen Fotokollektionen freizuschalten. Was der naive Besucher nicht ahnt: Die dabei gesammelten Adressen werden sofort weiterverkauft, vor allem an große Sexclubs, die sofort damit beginnen, die armen Surfer mit täglichen Pornowerbemails zu bombardieren. Auch die Gewinnspiel- und Warenproben-Dienstleister, die im Internet ihre Angebote zeigen, verkaufen die E-Mail-Adressen manchmal weiter. Dann wundert sich der Anwender sehr, dass er auf einmal so viel unerwünschte Post bekommt.

Also: Wer keine Spam-Post erhalten möche, behält seine E-Mail-Adresse einfach für sich und stellt sie auf keinen Fall ins Web. Sinnvoll ist es allemal, sich eine zweite E-Mail-Adresse zuzulegen, die dann ausschließlich dafür genutzt wird, um sich bei Gewinnspielen im Internet anzumelden oder um die eigene Adresse in Online-Formulare aller Art einzutragen. Hier ist dann aber durchaus mit einer Spam-Flut zu rechnen. Zumindest im Kampf gegen die deutschen Werbetreibenden ist es hilfreich, die eigene Mail-Adresse bei der deutschen Robinson-Liste (www.erobinson.de) einzutragen. Viele nationale Spam-Versender gleichen ihre Liste mit der Robinson-Liste ab: Wer keine Werbung erhalten möchte, soll auch keine bekommen.

Eine gute Idee setzt der Spamgourmet um. Der Dienst erlaubt es den hier angemeldeten Anwendern, in Eigenregie Wegwerf-E-Mail-Adressen zu generieren. Der Clou: Nur die ersten 20 Mails, die an diese Wegwerf-E-Mail-Adresse gerichtet werden, leitet der Dienst an die eigentliche "richtige" Mail-Adresse weiter. Alle anderen Mails werden automatisch gelöscht. Wer also weiß, dass die Online-Anmeldung etwa zur Freischaltung einer Gratis-Software oder eines Gratis-Angebots unweigerlich eine unerwünschte Werbeflut nach sich zieht, kann ihr auf diese Weise geschickt begegnen.

Carsten Scheibe, Typemania

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